Beim Zukunftstalk der "Wirtschaft + Weiterbildung" diskutierten die Vertreter führender deutscher Akademien auch über die Zukunft der Führungsseminare. Denn diese erleben im Moment einen Aufschwung.

Wirtschaft und Weiterbildung: Mitarbeiter kündigen aber immer noch am häufigsten, weil man seinen direkten Vorgesetzten für unfähig, autoritär und vor allem ungerecht hält. Wie „laufen“ vor diesem Hintergrund eigentlich die guten alten Führungsseminare?

Sabine Dyas: Seminare zum Thema Führung boomen wie eh und je. Seminare mit dem Titel „Neu in Führung“ sind wohl der Topseller jeder Akademie. Aber auch alle anderen Führungsseminare werden gut gebucht, weil die Anforderungen an die Führungskräfte sich deutlich erhöht haben. Darüber hinaus gibt es viele Spezialthemen rund um die Führungsthematik – zum Beispiel werden Personaler und Führungskräfte zum Feelgood-Manager ausgebildet, die die Unternehmenskultur mitgestalten und die Mitarbeiterbildung erhöhen sollen. Ob sich solche Spezialthemen etablieren, wird sich zeigen, weil grundsätzlich jede Führungskraft die Prinzipien eines Feelgood-Managers berücksichtigen sollte. 

Neue Erwartungen an Führungskräfte

Jörg Schmidt: Und es gibt noch etwas, was die Unternehmen neuerdings von ihren Führungskräften erwarten: Sie sollen ihre Mitarbeiter zum Lernen ermutigen. Die Frage ist doch: Wie kann das Lernen am Arbeitsplatz besser funktionieren? Dazu müssen die Führungskräfte befähigt werden. Sie sollten Hilfe zur Selbsthilfe geben können. 

Clemens Rihaczek: Die Unternehmen verlagern wichtige Aufgaben der Personalentwicklung von der Personalabteilung zu den Vorgesetzten. Man erwartet jetzt von den Führungskräften, dass sie das Lernen und den Lerntransfer ermöglichen. Lernen liegt in vielen Unternehmen nicht mehr in der Hand einer zentralen Instanz, sondern bei den Führungskräften vor Ort in den einzelnen Bereichen. 

Dyas: Führungsseminare zu konzipieren und anzubieten, macht mehr Freude als je zuvor. Es gibt so viele neue Herausforderungen und das Einsatzfeld wird immer größer. 

"Die Frage ist doch: Wie kann das Lernen am Arbeitsplatz besser funktionieren?" - Dr. Jörg Schmidt, Haufe Akademie

Rihaczek: Auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen ohne formale Autorität führen müssen, ist unter dem Strich doch eine gute Nachricht für uns, weil sich dadurch unsere Zielgruppe gerade vervielfacht.

Schmidt: Wie gut Führungsseminare laufen, zeigt sich auch daran, dass die Produktlebenszyklen unserer Seminare immer kürzer werden. Früher gab es Führungsseminare, die liefen ohne große Veränderungen ein paar Jahre und sie erfüllten alle Ansprüche der Beteiligten. Heute entwickeln wir unsere bestehenden Produkte laufend weiter. Und auch das Themenportfolio differenziert sich immer weiter aus und muss permanent aktualisiert werden. 
 

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