Über die Zukunftsperspektiven der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) spricht Daniel Schmalley, Barmenia Versicherungen. Bild: Haufe Online Redaktion

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist fast der Hälfte aller Arbeitgeber unbekannt – das zeigt eine Studie von "Heute und Morgen". Dies könnte sich künftig aber ändern, meint Krankenversicherungsexperte Daniel Schmalley. Er zeigt die Vorteile der bKV auf.

Haufe Online-Redaktion: Die betriebliche Krankenversicherung, also eine private Krankenversicherung, die Arbeitgeber für ihre Arbeitnehmer abschließen, führt momentan  noch ein ziemliches Schattendasein. Warum ist das so? Bringt sie den deutschen Unternehmen nichts?

Daniel Schmalley: Ganz im Gegenteil. Es gibt sogar zwei starke Argumente dafür. Zum einen sind die Arbeitgeber momentan ja sehr stark bemüht, sich im "War for Talents" von den Mitbewerbern abzuheben. Die bKV versteht sich hier weniger als Versicherungsprodukt, sondern als modernes, innovatives personalpolitisches Instrument, mit dessen Hilfe die "Social Benefits" des Arbeitgebers deutlich aufgewertet werden. Das hilft beim Recruiting und trägt zur Mitarbeiterbindung bei. Darüber hinaus hilft sie natürlich auch bei den Themen Mitarbeitermotivation und Stärkung der Arbeitgebermarke – das sind alles emotionale Faktoren. Zum anderen gibt es auch die knallharte ökonomische Betrachtung: Wer seinen Mitarbeitern eine professionalisierte Vorsorge zur Verfügung stellt, kann so dazu beitragen, dass Langzeiterkrankungen rechtzeitig erkannt und damit krankheitsbedingte Ausfallzeiten signifikant reduziert werden können.


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Haufe Online-Redaktion: Und warum wird die bKV dann so wenig nachgefragt?

Schmalley: Ein echtes Nachfrageproblem haben wir eigentlich nicht. Das Thema wächst immer mehr, es ist innovativ besetzt und junge, dynamische Personaler sind ja auf der Suche nach neuen, spannenden Komponenten.

Haufe Online-Redaktion: Nach einer Studie von "Heute und Morgen" kennen 42 Prozent der befragten Arbeitgeber die bkV aber nicht...

Schmalley: Ja, das stimmt. Das liegt aber nicht an der mangelnden Nachfrage; der Unternehmer ist interessiert, sobald er das Thema kennt und durchdrungen hat. Das Problem liegt eher auf der Vertriebsseite: Wir haben bei der bKV eine andere Form der Beratung als in der klassischen Versicherungsberatung - es gibt aber aktuell zu wenig Vertriebsspezialisten, die zu den Möglichkeiten der bKV als modernes, personalpolitisches Instrument beraten können. 


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Haufe Online-Redaktion: Welche Kompetenzen fehlen im Vertrieb?

Schmalley: Unsere Erfahrung zeigt, dass das Thema bKV neben den gesundheitlichen Themen, die hier eine Rolle spielen, noch einen ganz anderen Unterstützungsbedarf braucht. Denn bei den Gesprächen mit Personalern, Controllern, Geschäftsführern und Betriebsräten, die Ansprechpartner für die bKV sind, muss man sehr stark in der konzeptionellen Beratung beziehungsweise der Unternehmensberatung unterwegs und firm sein. 

Haufe Online-Redaktion: Was ist die Lösung?

Daniel Schmalley: Wir beispielsweise haben uns entscheiden, das Thema nicht nur durch die Hauptverwaltungen anzuschieben, sondern den Vertriebspartnern aktiv Keyaccounts zur Seite zu stellen, die speziell für die Beratung zur bKV ausgebildet sind. Sie beraten die Unternehmen dann auch in den weichen Themen, zum Beispiel zur Frage, wie Rahmenvereinbarungen gestaltet werden müssen. Und sie können über Tools die steuerlichen Effekte darstellen. So können auch die unterschiedlichen Leistungsangebote einer bKV, abgestimmt auf unterschiedliche Bedarfe - beispielsweise von leitenden Managern oder in der Produktion beschäftigten Mitarbeitern - besser und rechtlich sicher geklärt werden.

Haufe Online-Redaktion: Ein Manko im betrieblichen Gesundheitsmanagement ist, dass Unternehmen sich nur sehr kleinteilig mit BGM beschäftigen, also Einzelaktionen anbieten statt eine nachhaltige BGM-Strategie einzuführen. Kann eine bKV ein nachhaltiges BGM ergänzen oder handelt es sich hier ebenfalls nur um ein kleines Zusatzangebot?

Schmalley: BGM gibt es tatsächlich in sehr unterschiedlichen Ausprägungen, es gibt positive, nachhaltige Beispiele, aber auch weniger umfassende Beispiele – mit einem Gesundheitstag, bei dem einmal der Blutdruck gemessen wird, werden Sie keine Effekte in der Belegschaft erzielen. Eine bKV kann hier aber eine deutlich größere Strahlkraft entfalten, weil sie immer wiederkehrend Impulse in die Belegschaft setzen kann, aktiv die persönliche Gesundheit zu verbessern oder auch zu erhalten.

Haufe Online-Redaktion: Nun ist die beliebteste Leistung bei einer bKV eine Zahnzusatzversicherung – das mag ein Goodie für den Mitarbeiter sein, aber echten ökonomischen Mehrwert im Sinne eines gesunden Unternehmens sehe ich hier nicht.

Schmalley: Es kommt immer auf die Konzeption der bKV an. Das Thema Zahnersatz ist ein gutes Beispiel. Es ist bei Arbeitgebern wie Arbeitnehmern sehr beliebt. Aber tatsächlich hat der Mitarbeiter im Laufe seines Arbeitslebens selten mit einer Inanspruchnahme dieser Leistung zu tun – die aktive Erlebbarkeit ist hier also eher eingeschränkt. 

Wir bieten über unsere bKV beispielsweise Vorsorgegutscheine für die Mitarbeiter an, die innerhalb von zwei Jahren für ein gesamtes, individuelles Programm an professionellen Vorsorgeleistungen genutzt werden können. Damit können wir sowohl die weichen Faktoren bedienen als auch die Ausfallzeiten tatsächlich reduzieren. Denn die Mitarbeiter können die Leistungen der bKV gegenüber einer üblichen gesetzlichen Versicherung deutlich früher, deutlich umfangreicher und auf privatärztlicher Basis in Anspruch nehmen.


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Haufe Online-Redaktion: Wie wird sich die betriebliche Krankenversicherung entwickeln?

Schmalley: Es gibt mit Sicherheit aktuelle Trends, mit denen Unternehmen und Mitarbeiter noch besser bedient werden können. Das ist zum einen die Differenzierung innerhalb der verschiedenen Bedarfe der Mitarbeitergruppen, beispielsweise explizite Manager-oder auch Erschöpfungsvorsorge. 

Die Befürchtung vieler Personaler ist, dass betriebliche Versicherungen grundsätzlich sehr verwaltungsintensiv sind. Diese Angst stammt aus der Erfahrung mit der bAV und muss den Unternehmen genommen werden; benötigt werden deshalb selbsterklärende Produkte, die sowohl bei der Einführung als auch in der Abwicklung keine weiteren Ressourcen in den Unternehmen besetzen.


Daniel Schmalley ist Leiter Kompetenzcenter Firmenkunden der Barmenia Versicherungen.

Schlagworte zum Thema:  Betriebliche Krankenversicherung, Betriebliches Gesundheitsmanagement

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