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Zahlen höhere Gehälter auf die Arbeitgeberattraktivität ein?

Die positive Wirkung auf die Arbeitgeberattraktivität, die viele Finanzdienstleister mit höheren Grundgehältern erzielen wollen, bleibt oft aus, hat die Unternehmensberatung Mercer festgestellt.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Für eine aktuelle Studie hat die Unternehmensberatung Mercer Finanzdienstleiter aus aller Welt befragt und dabei festgestellt, dass die Unternehmen ihre Vergütungsstrategien überdenken sollten. Denn: Mehr Lohn allein hilft offenbar wenig bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung.

Für den „Financial Services Executive Compensation Snapshot Survey 2016“ hat das Beratungsunternehmen Mercer in 20 Ländern 68 Unternehmen aus der Finanzwirtschaft befragt – etwa die Hälfte davon aus dem europäischen Raum.

Hintergrund der Studie war unter anderem die stärkere Regulierung bei der variablen Vergütung, die laut Einschätzung der Studienautoren dazu geführt habe, dass viele Unternehmen in den letzten Jahren die Grundgehälter angehoben hätten. Doch ist das die richtige Strategie?

Mitarbeiter mit höheren Gehältern locken?

Die Vergütungsexperten von Mercer kommen zum Ergebnis, dass eine solche Vergütungspraxis offenbar weitgehend ins Leere läuft: So gab eine deutliche Mehrheit (85 Prozent) der befragten europäischen Finanzinstitute an, dass höhere Grundgehälter kein geeignetes Mittel seien, um Manager und Mitarbeiter in leitender Funktion zu gewinnen oder zu binden.

Das ist eine Einschätzung, die Firmen aus der weltweiten Finanzindustrie grundsätzlich zu teilen scheinen. Laut der Mercer-Studie hätten nämlich nur 22 Prozent der befragten Finanzdienstleister weltweit positive oder sehr positive Erfahrungen mit höheren Grundgehältern gemacht.

Andere Länder, andere Einschätzungen

Die Untersuchung zeigte jedoch auch regionale Unterschiede und abweichende Einschätzungen je nach Industrie: In den Schwellenländern schätzten beispielsweise 35 Prozent der befragten Finanzdienstleister die Wirkung einer höheren Basisvergütung positiv ein. In Nordamerika und Europa lagen die gemessenen Werte hingegen bei lediglich 23 beziehungsweise 16 Prozent.

Zudem würden Banken und Versicherer den Effekt von höheren Basisvergütungen leicht positiver bewerten als Börsen, Zahlungsdienstleister und andere Finanzinstitute.
Sehr klar sei demgegenüber jedoch die Position der Investmentunternehmen und Asset Manager, wie die Mercer-Studie zeigt: Sie würden der Zahlung von höheren Grundgehältern keine positive Wirkung für die Mitarbeiterbindung und -findung zuschreiben – die befragten Unternehmen aus diesen Bereichen bewerten den Einfluss von höheren Basisgehältern geschlossen (100 Prozent) als "neutral" oder sogar "negativ".

Neue Wege für die Mitarbeitergewinnung

Ein höheres Grundgehalt habe zwar oft Vorteile für die Mitarbeiter, sagt die Mercer-Vergütungsexpertin Raffaela Stutz – die positive Wirkung auf die Arbeitgeberattraktivität bliebe in vielen Fällen allerdings aus. Mit Blick auf das Umfrageergebnis folgert Stutz daher: "Unternehmen müssen nach anderen Wegen suchen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren."
Die Finanzdienstleister haben dies offenbar bereits erkannt und sich auf die Suche nach neuen Ansätzen gemacht, wie die Mercer-Studie weiterhin deutlich macht: Zu den wichtigsten geplanten oder bereits umgesetzten Maßnahmen in Europa gehörten etwa die Möglichkeit von flexibler Arbeitszeitgestaltung (41 Prozent) und Telearbeit (50 Prozent), Trainings- und Entwicklungsprogramme (41 Prozent), Career Frameworks (38 Prozent) sowie nicht-monetäre Belohnungs- und Anerkennungsprogramme (38 Prozent).

Flexibilität und Karriereentwicklung als Benefits

Diese und ähnliche Ansätze seien ein Schritt in die richtige Richtung, ist sich Raffaela Stutz sicher: "Gehälter sind schon längst nicht mehr alles. Natürlich achten Mitarbeiter heute und auch in Zukunft darauf, dass sie ordentlich bezahlt werden. Doch auch in der Finanzbranche zeichnet sich langsam ab, dass sich immer mehr Mitarbeiter neben finanziellen Anreizen auch andere Benefits von ihrem Arbeitgeber wünschen", sagt die Vergütungsexpertin. "Mehr und mehr geht es hierbei um Flexibilität im Arbeitsumfeld, Unterstützung bei der Karriereentwicklung und Sinnfindung in der Arbeit. Um Mitarbeiter nachhaltig ansprechen und von ihrem Angebot überzeugen zu können, brauchen Unternehmen eine starke Employee Value Proposition."

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Schlagworte zum Thema:  Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeiterbindung, Vergütung, Variable Vergütung

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