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| Wissensmanagement

Wie die Persönlichkeit den Wissensaustausch beeinflussen kann

Ob Mitarbeiter Wissen teilen oder für sich behalten, hängt laut Studie stark von ihrer Persönlichkeit ab.
Bild: Veer Inc.

Beim Wissensmanagement im Unternehmen sollten Verantwortliche die Persönlichkeiten der Mitarbeiter berücksichtigen: Nehmen diese allgemein lieber, als dass sie geben, behalten sie auch ihr Wissen eher für sich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM).

Die Tübinger Wissenschaftler überprüften den Einfluss der Persönlichkeit aufs Wissensmanagement anhand einer Persönlichkeitsklassifikation des US-amerikanischen Management-Professors Adam Grant. Grant, der an der Wharton School der Universität von Pennsylvania lehrt und forscht, unterteilt in seinem Buch menschliche Persönlichkeiten grob in drei Typen: Nehmende, Vergleichende und Gebende. Gebende sind demnach hilfsbereit und nicht auf Gegenleistung aus, während Nehmende versuchen möglichst viel für sich selbst zu bekommen und keine Gegenleistung erbringen. Bei Vergleichenden halten sich Geben und Nehmen im Gleichgewicht: Sie geben, wenn sie dafür eine Gegenleistung erhalten.

Persönlichkeitskategorien: Nehmende, Gebende und Vergleichende

Nun wollten die Forscher des IWM wissen, inwiefern sich Grants Persönlichkeitstypen auf das Teilen von Informationen und Ressourcen übertragen lässt. Dafür führten sie eine Onlinestudie mit 1.200 Beschäftigten durch. Sie verwendeten dabei einen Fragebogen nach Grant: Anhand von 15 Szenarien aus dem Berufsalltag mussten die Teilnehmer sich für eine von drei Handlungsalternativen entscheiden. Die Ergebnisse ermöglichten es den Wissenschaftlern, die Beschäftigten in die drei Kategorien Nehmende, Gebende und Vergleichende einzuteilen.

Versuch zum Teilen von Ressourcen und Informationen

Zwei Wochen später führten die Wissenschaftler zwei Versuche durch: Zum einen wollten sie anhand eines sozialen Dilemmas feststellen, inwieweit die Probanden bereit waren, Ressourcen zu teilen. Dafür erhielt jeder Proband 300 Euro und durfte entscheiden, ob er sie für sich behalten oder mit der Gruppe teilen wollte. Wenn ein Proband bereit war zu teilen, verdoppelten die Studienleiter den Betrag. Anschließend wurde dieser auf die Gruppe aufgeteilt. Für den Einzelnen war es also besser das Geld zu nehmen; für die Gruppe allerdings war es besser, wenn die Teilnehmer bereit waren zu geben.

In einem zweiten Versuch stellten die Wissenschaftler die Probanden vor eine ähnliche Aufgabe im Bereich Wissensaustausch: Hier untersuchten sie, inwieweit die Teilnehmer bereit waren ihr Wissen zu teilen. Hier ging es den Forschern auch darum herauszufinden, ob die Beschäftigten eher die weniger wichtigen und ohnehin schon bekannten, oder die wirklich wichtigen Informationen, über die nur sie selbst verfügen, weitergaben.

Nehmende behalten sowohl Geld als auch Wissen für sich

Das Ergebnis zeigte, dass Gebende eher dazu bereit waren, sowohl das Geld als auch die Informationen mit den anderen zu teilen. Nehmende behielten jedoch sowohl die finanziellen als auch die Wissensressourcen lieber für sich. Dabei machte es keinen Unterschied, wie wichtig die Informationen im Einzelnen waren.

Die Wissenschaftler sehen in den Ergebnissen eine wichtige Implikation für das Wissensmanagement in Unternehmen: Es reiche nicht, den Mitarbeitern Wissensmanagement-Tools zur Verfügung zu stellen. Führungskräfte sollten auch die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter im Blick behalten, da gerade Nehmende dazu neigten, wichtige Informationen für sich zu behalten.

Haufe Online Redaktion

Wissensmanagement, Wissensaustausch, Persönlichkeit

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