09.12.2014 | Serie Trennungsgespräche führen

Wie Sie Verhalten und Sprechausdruck richtig lesen

Serienelemente
Seine Körpersprache verrät: Dieser Gesprächspartner fühlt sich nicht wohl.
Bild: Veer Inc.

In einer heiklen Situation wie einem Trennungsgespräch geben Körpersprache und Sprechausdruck des Gegenübers wertvolle Informationen. Im dritten Teil unserer Serie zeigen wir, wie Führungskräfte und Personaler diese lesen und ihre Beobachtungen bei der Gesprächssteuerung einsetzen.

Körpersprache ist nicht etwas Zusätzliches, was zur eigentlichen sprachlichen Aussage als schmückende Beigabe hinzukommt, sondern ein vollwertiges Ausdrucksmittel. Dabei spricht der Körper keine eigene Sprache, sondern körperliche und sprachliche Kommunikation sind eng miteinander verbunden.

Auch die Produktion von Stimme, Worten und Sätzen ist ein körperlicher Vorgang. Sie und Ihr Gegenüber kommunizieren in einem Trennungsgespräch also immer auch körperlich miteinander und wirken dadurch aufeinander ein.

Im Trennungsgespräch hilft uns die ganzheitliche Wahrnehmung bei der Einschätzung des Gegenübers – und nach wie vor auch beim Erkennen von Problemen und Gefahren. Aber welche körpersprachlichen Signale werden überhaupt wahrgenommen?

Körpersprachliche Ausdrucksmittel: Vorsicht bei Unterspannung im Trennungsgespräch

Unter die körpersprachlichen Ausdrucksmittel fallen verschiedene Aspekte wie Gestik, Mimik und Blickverhalten – aber auch Proxemik (welches Distanzverhalten zeigt der Gesprächspartner?),  Körperbewegung, -spannung und Atmung. An der Bewegung der Hände (Gestik) lässt sich etwa häufig Nervosität ablesen. In angespannten Situationen werden die Hände geknetet und sinnlose Gesten produziert wie zum Beispiel dauerndes Hochschieben der Brille.

Meist können wir zudem an der Körperspannung des Gesprächspartners spüren, wie dieser sich fühlt: Überspannung ist ein Zeichen von Stress und kann über eine längere Zeit anhalten. Bei Angst und Ärger baut der Körper auch eine höhere Spannung auf. Unterspannung findet man häufig bei Erschöpfung, Trauer, Niedergeschlagenheit, Depression. Wenn im Trennungsgespräch Ihr Gegenüber plötzlich jegliche Spannung verliert und scheinbar kraftlos dasitzt, dürfen Sie ihn nach dem Gespräch nicht ohne Betreuung sich selbst überlassen.

Sprechausdrucksmittel: Sagen Sie nichts, was Sie nicht wirklich meinen

Auch die paraverbalen Ausdrucksmittel, also Ausdruckselemente, die an Worte gebunden sind, verfügen über vielfache Variationsmöglichkeiten. Zu den Sprechausdrucksmitteln gehören die Stimme, Sprechmelodie, Lautstärke und Tempo/ Pausen.

An der Stimmproduktion sind zahlreiche Muskeln des Rumpfs beteiligt. Da so viele Muskeln unmöglich zu kontrollieren sind, verrät die Stimme leicht, wie es um einen steht. Das gilt auch für die Sprachmelodie. Deshalb sollten auch Sie als Personaler oder Führungskraft im Trennungsgespräch nichts sagen, was Sie nicht wirkliche meinen: Ein sensibles Gegenüber hört das Falsche an Ihren Worten mit großer Wahrscheinlichkeit heraus.

Wie Sie sich die Wirkung der Körpersprache bewusst machen

Die oben aufgeführten Körperausdrucksmittel nutzen alle Menschen gleichzeitig und unentwegt. Es ist also eine Vielzahl von Reizen, die wir innerhalb von Sekunden parallel verarbeiten müssen, um unser Gegenüber zu verstehen.

Aus der Gesamtheit aller Signale schätzen wir die Person, die Bedeutung ihrer Worte und die Situation ein. Das läuft größtenteils unbewusst ab, weil unser bewusster Verstand mit der Analyse der Menge an Reizen, die in wenigen Sekunden auf uns einprasseln, völlig überfordert wäre.

Diese automatisierte Auswertung von Körpersprache und anderen Reizen ist eine biologische Überlebenshilfe. Es ist allerdings nicht hilfreich, sich in komplexen Gesprächssituationen diesem Automatismus völlig zu unterwerfen. Schließlich wollen wir das Gespräch steuern.

Sie können den Automatismus teilweise umgehen, wenn Sie das unbewusste, schnelle System mit dem bewussten, rationalen, eher langsamen System koppeln. Dies kann zum Beispiel gelingen, indem Sie so gut wie möglich die Muskulatur entspannen und Atem einfließen lassen. Zudem können Sie Ihre Reaktion verzögern. Überbrücken Sie die Zeit mit "hmhm" und lassen Sie eine kurze Pause. Oder reagieren Sie mit einer sachlichen Paraphrase oder einer offenen Frage.

Dreischritt: Wie Sie Ihr Gegenüber bewusst wahrnehmen

Sie wissen im Vorfeld, dass Ihr Gegenüber sich in diesem Gespräch wahrscheinlich in einer schwierigen Situation befinden wird. Stellen Sie von Beginn an Ihre Sinne scharf. Bei der Analyse von Körpersprache hat sich ein Dreischritt bewährt.

  • Wahrnehmen: Versuchen Sie, genau zu beobachten. Beispiele: "Wie geht er?“", "Wie spricht sie?", "Warum wird der Ton jetzt schärfer?"
  • Reflektieren: Was löst dies an Gedanken, Gefühlen, Ideen, Deutungen bei Ihnen aus? Beispiele: "Sie sieht so aus, als würde sie dir am liebsten an den Hals springen – ganz schön bedrohlich."
  • Handeln: Überlegen Sie, wie Sie in der Situation reagieren wollen. Wenn Sie Ihren Verstand im Gespräch nutzen, haben Sie immer mehrere Optionen, das Gespräch weiterzuführen.

Hinweise: Serie zu Trennungsgesprächen

In dieser Serie stellen wir Ihnen in den nächsten Tagen vor, wie Sie Trennungsgespräche professionell vorbereiten, durchführen und nachbereiten.

Im nächsten Teil unserer Serie lesen Sie, wie Sie das Trennungsgespräch in schwierigen Situationen steuern.

Die Inhalte dieser Serie sind Auszüge aus dem Buch "Trennungsgespräche im Unternehmen: wertschätzend, professionell, fair" von Anja von Kanitz, Haufe Verlag, Freiburg 2014, 224 Seiten, 39,95 Euro. Sie können es im Haufe-Shop erwerben unter http://shop.haufe.de/trennungsgespraeche-im-unternehmen.

Schlagworte zum Thema:  Kündigung, Trennung, Führung, HR-Management

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