11.12.2014 | Serie Trennungsgespräche führen

Wie Sie das Gespräch in schwierigen Situationen steuern

Serienelemente
Von Ausbruch bis Zusammenbruch: Personaler sollten im Trennungsgespräch auf viele Reaktionen vorbereitet sein.
Bild: Haufe Online Redaktion

Emotionen kochen hoch. Möglicherweise bricht der Gesprächspartner zusammen oder provoziert: Führungskräfte und Personaler stehen in Trennungsgesprächen oft vor schwierigen Gesprächssituationen. Der vierte Teil unserer Serie zeigt, wie sich das Gespräch dennoch sicher steuern lässt.

Auch bei guter Vorbereitung und gutem Willen können Sie in Trennungsgesprächen in schwierige Situationen geraten, die Sie persönlich unter Stress setzen. Leicht kommt man dann in Gefahr, unprofessionell zu reagieren und dadurch alles noch zu verschlimmern. Solche Situationen müssen Sie schnell erkennen und möglichst professionell mit ihnen umgehen.

Gefühle, die das Trennungsgespräch auslösen kann

Oft dominiert im Trennungsgespräch beim Gegenüber ein bestimmtes Gefühl; es kann sich aber auch um einen emotionalen Cocktail handeln. Mögliche Gefühle, die im Trennungsgespräch ausgelöst werden können, sind etwa (Existenz-)Ängste. Diese äußern sich zum Beispiel durch Apathie und Reglosigkeit, durch Fahrigkeit und Nervosität, verbunden mit katastrophisierenden Gedanken oder Aussagen. Auch kann das Trennungsgespräch Kränkung und Verletzung auslösen, was eine themen- und sachbezogene Kommunikation fast unmöglich machen kann.

Wichtig ist daher: Verzichten Sie auf zusätzlich potenziell verletzende oder kränkende Kommentare und Verhaltensweisen.

Zu den Gefühlen, die ein Trennungsgespräch auslösen kann, gehören auch Zorn, Enttäuschung und Trauer. Trauer kommt bei vielen Menschen erst mit einer zeitlichen Verzögerung, nicht direkt im Trennungsgespräch. Um sie zu empfinden, muss man die Situation begriffen haben. Sie ist eine Form der Verarbeitung der Situation, ähnlich wie bei der Trauer in einem Todesfall, bei der man verschiedene Phasen der Bearbeitung beobachten kann.

Bei vielen Menschen, die von Trennung betroffen sind, kann man das Durchlaufen verschiedener Phasen der Verarbeitung beobachten: Schockreaktion, Sich-zur-Wehr-Setzen, innere Akzeptanz und Abschied nehmen sowie Neuorientierung.

Wie Sie im Trennungsgespräch deeskalieren

Dass Ihr Gesprächspartner unter dem Eindruck der Trennungsnachricht heftig emotional reagiert und von sich aus in eine eskalierende Richtung tendiert, sollten Sie ihm nachsehen. Sie sind also in der Verantwortung, durch Ihr Verhalten eine Eskalation zu verhindern, auch wenn Ihr Gesprächspartner in eine andere Richtung tendiert.

Hier ein paar Hinweise, was Sie von Ihrer Seite aus tun können, um die Gefahr einer Eskalation zu mindern und Menschen, die eine aggressive Haltung annehmen, gegebenenfalls wieder beruhigen zu können:

  • Beachten Sie die Körpersprache Ihres Gegenübers.
  • Lassen Sie Ihr Gegenüber reden.
  • Äußern Sie Verständnis.
  • Bleiben Sie dem Gesprächspartner zugewandt und mit ihm in Kontakt.
  • Geben Sie Zuhörsignale.
  • Lassen Sie Pausen.
  • Fragen Sie nach.
  • Sprechen Sie die Person mit Namen an.
  • Verzichten Sie auf Contra-Argumente.
  • Bleiben Sie selbst ruhig und bestimmt.
  • Tun Sie nicht gleichgültig.
  • Lassen Sie sich nicht provozieren.
  • Geben Sie Ausblick auf Unterstützung.

Wie Sie schwierigen Verhaltensweisen begegnen

Sie werden verstehen, wenn eine Person, deren Arbeitsvertrag gekündigt wird, in der Trennungsphase ein Verhalten zeigt, das emotionaler, heftiger, vielleicht auch ungehöriger ist, als das im Berufsleben sonst der Fall ist. Sie werden sich bemühen, der Person in dieser schwierigen Lebenslage beizustehen, auch wenn ihr Verhalten für Sie oder andere "schwierig" ist. Doch wie können Sie das im Gespräch konkret vermitteln?

Wenn Ihr Gegenüber Sie beschimpft: Versuchen Sie, die Beziehungsbotschaft ("Sie sind allesamt Idioten!") weitgehend zu ignorieren und konzentrieren Sie sich auf die Selbstkundgabe ("Ich bin stinksauer und enttäuscht!") oder den Sachaspekt der Aussage ("Andere machen Fehler, die wir ausbaden müssen.").

Wenn Ihr Gegenüber nicht mehr verhandeln will: Manche versuchen im Trennungsgespräch zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Sie denken, dass sie durch Versprechungen, Mitleid, Drohungen, Ankündigungen das Ganze noch irgendwie drehen können. Deswegen müssen Sie nach Verständnis zeigenden Reaktionen deutlich machen, dass diese Entscheidung steht. Die Kernbotschaft "Wir werden das Arbeitsverhältnis mit Ihnen beenden", müssen Sie in solchen Fällen wiederholen. Sprechen Sie dabei klar, ruhig und zugewandt.

Wenn Ihr Gegenüber regungslos wird: Nehmen Sie in solchen Fällen sofort Tempo aus dem Gespräch, lassen Sie Pausen – auch lange Pausen – zu, sprechen Sie leiser, suchen Sie Blickkontakt, arbeiten Sie mit offenen Fragen oder Paraphrase, alles allerdings sehr sparsam. Wenn Ihr Gesprächspartner sich sehr zurückzieht und kaum mehr reagiert, dürfen Sie ihn auf keinen Fall nach dem Gespräch allein lassen.

Wenn Ihr Gegenüber droht: Versuchen Sie zunächst eine deeskalierende Intervention. Beruhigt sich jemand nicht, empfehlen Sie ihm, sich anwaltlichen Rat zu holen. Einem Experten, die an seiner Seite steht, schenkt er eher Vertrauen als Ihnen von der Unternehmensseite.

Wenn Ihr Gegenüber weint: Mit Ihrer Verantwortung und der emotionalen Verarbeitung dieser schwierigen Situation sollten Sie sich möglichst bereits im Vorfeld von Trennungsgesprächen auseinandergesetzt haben. Im Gespräch müssen Sie den Schmerz des anderen aushalten und versuchen, ihm das an Hilfe zu geben, was in der Situation möglich ist. Peinlich berührtes Wegschauen, plötzliches Beenden des Gesprächs, billiger Trost sind absolut nicht angebracht.

Hinweis: Die Inhalte dieser Serie sind Auszüge aus dem Buch "Trennungsgespräche im Unternehmen: wertschätzend, professionell, fair" von Anja von Kanitz, Haufe Verlag, Freiburg 2014, 224 Seiten, 39,95 Euro. Sie können es im Haufe-Shop erwerben.

Schlagworte zum Thema:  Kündigung, Kommunikation, Führung, HR-Management, Trennung

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