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| Familienfreundlichkeit

Umstritten: Wie familienfreundlich sind die Arbeitgeber?

an familienfreundliche Arbeitsbedingungen fehlt es vielen Studienteilnehmern.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Nur ein Viertel der Befragten in einer Manpower-Studie findet den eigenen Arbeitgeber familienfreundlich - unflexible Arbeitszeiten und zu wenig Homeoffice-Angebote sind die Gründe. Dagegen zeigt eine Studie von Aon Hewitt, dass knapp 70 Prozent der Arbeitgeber Familienleistungen bieten.

Den meisten Arbeitgebern gelinge es nicht, sich auf die Bedürfnisse von Müttern und Vätern einzustellen. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren der repräsentativen Studie "Jobzufriedenheit 2013" der Manpower Group. Flexible Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit oder Gleitzeit werden laut der Studie nur von 35 Prozent der Firmen angeboten. Lediglich 17 Prozent bieten Homeoffice an.

Lange galt die IT-Branche als Vorreiter in Sachen flexible Arbeit. Unternehmen anderer Branchen folgten ihrem Beispiel. Doch seit Yahoo-Chefin Marissa Meyer im Februar ein Homeoffice-Verbot ausrief,  scheint die Präsenzpflicht wieder salonfähig zu sein. "Niemand sollte vor der Wahl stehen müssen: Job oder Kind", sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der Manpower Group Deutschland. "Doch viele deutsche Arbeitgeber machen es Müttern und Vätern immer noch sehr schwer. Sie riskieren dadurch, dass gute Fachkräfte nur deswegen abwandern, weil sie eine Familie gründen möchten beziehungsweise feststellen, dass sie zu wenig Zeit für ihren Nachwuchs haben."

Mitarbeiter machen kaum Werbung für ihr Unternehmen

Die mangelnde Familienfreundlichkeit ist auch ein Grund dafür, dass die Arbeitnehmer sehr zurückhaltend für ihre Firma werben: Nur 30 Prozent der Beschäftigten würden ihr Unternehmen als Arbeitgeber einem Freund weiterempfehlen, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Weitere Gründe sind zu viele Überstunden (59 Prozent) und nicht leistungsgerechte Bezahlung (58 Prozent).

"Die Arbeitgeber haben es selbst in der Hand, ihr Image unter den Mitarbeitern zu verbessern", sagt Herwarth Brune. "Ein wichtiger Ansatz ist, Müttern und Vätern bei der Gestaltung der Arbeitszeit oder bei der Wahl des Arbeitsortes entgegen zu kommen. Wer hier Flexibilität zeigt, investiert in die unternehmerische Zukunft."

Mehr Unterstützung, Urlaub und Freizeit für deutsche Arbeitnehmer

Wesentlich positiver klingen die Ergebnisse der Studie "Fringe Benefits 2013" von Aon Hewitt: 70 Prozent der Befragten bieten danach Familienleistungen - deutlich mehr als in der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2011. Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten wird ebenfalls vorangetrieben, in der Regel erfolgt dies über Arbeitszeitkonten, bei denen Überstunden primär durch Freizeit ausgeglichen werden. 61 Prozent der Studienteilnehmer ermöglichen ihren Mitarbeitern zudem Sabbaticals – gut ein Fünftel mehr als 2009.

Daneben legen sie vor allem auf die Erholung ihrer Mitarbeiter verstärktes Augenmerk, so die Studienautoren. 96 Prozent gewähren ihren Mitarbeitern mehr Urlaubstage als gesetzlich vorgeschrieben – 2011 waren es noch 78 Prozent. Im Schnitt können sich die deutschen Arbeitnehmer auf 29 Tage Urlaub freuen, fünf mehr als noch vor zwei Jahren.

Insgesamt arbeiten tarifliche Mitarbeiter 38 Wochenstunden, außertarifliche 40 Stunden die Woche. Welchem Arbeitszeitmodell ein Arbeitnehmer dabei unterliegt, hängt vor allem von seiner Position ab. Geschäftsführung und Vorstand müssen sich nur in den seltensten Fällen an feste Arbeitszeiten halten, in 65 Prozent der Fälle werden ihre Stunden dafür aber gar nicht erst erfasst. Diese Vertrauensarbeitszeit gilt auch für die große Mehrheit der außertariflichen Mitarbeiter. Bei den tariflichen Arbeitnehmern halten sich feste Arbeitszeiten, Gleitzeit mit Kernarbeitszeit und keine Zeiterfassung die Waage. Mehr als die Hälfte hat flexible Arbeitszeiten, die größtenteils auf monatlicher Basis vereinbart werden. Die meisten tariflichen Mitarbeiter gleichen Überstunden durch zusätzliche Freizeit aus, gut ein Drittel kann sich einzelne Stunden auch vergüten lassen. Bei außertariflichen Mitarbeitern sowie der Geschäftsführung existieren in über 40 Prozent der Fälle hierzu keine festen Regelungen.

Haufe Online Redaktion

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