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Das Talent Management wird bis 2020 in beinahe 85 Prozent aller Unternehmen digital laufen. Bild: Haufe Online Redaktion

Welche HR-Software nutzen Personaler derzeit und wie sind die Pläne bis 2020? Sind cloudbasierte oder On-Premise-Lösungen beliebter? Antworten gibt der "HR-Software-Monitor". Danach hat HR-Software für Talent Management und Performance Management das größte Wachstumspotenzial bis 2020.

Um die Entwicklungen beim Softwareeinsatz in den einzelnen HR-Bereichen abschätzen zu können, wurden im HR-Software-Monitor 224 Unternehmen nach der Zufriedenheit mit ihrer Personalsoftware sowie der gegenwärtigen und der geplanten Art der technischen Bereitstellung gefragt. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Zukunft gehört den cloudbasierten Lösungen. Diese werden durch Neuinvestitionen in dem Maße zunehmen, wie On-Premise-Lösungen abnehmen und somit bereits 2020 bei vielen HR-Prozessen am weitesten verbreitet sein. Der Marktanteil outgesourcter Software von durchschnittlich rund einem Fünftel bleibt hingegen fast unverändert.

Performance Management muss stärker in den Fokus rücken

Vermehrter Softwareeinsaatz kündigt sich für die Bereiche Performance Management, Talent Management und Potenzialmanagement an:

Für ihr Performance Management nutzen derzeit über drei Viertel der Unternehmen zur Unterstützung von Aufgaben wie Leistungsbeurteilung, Zielvereinbarung und Feedback eine Softwarelösung. Bis 2020 sollen der Anteil der Unternehmen auf 87 Prozent steigen. Ebenso wie bei den anderen HR-Prozessen findet bis 2020 eine Verschiebung in Richtung cloudbasierter Software statt, deren Anteil sich auf 44 Prozent erhöht und damit knapp über dem Anteil von On-Premise-Software liegt.

Zwei Drittel der Unternehmen sind mit ihrer Performance-Management-Software überwiegend oder sehr zufrieden. Der Anteil derer, die den Digitalisierungsgrad ihres Performance Managements als hoch bis sehr hoch einschätzen, liegt bei 59 Prozent.

Diese Werte sind im Vergleich zu den anderen HR-Prozessen zwar im Mittelfeld angesiedelt, sollten aufgrund der hohen Bedeutung des Performance Managements für die Mitarbeiterbindung jedoch Anstoß zu Verbesserungsmöglichkeiten und Weiterentwicklung geben.

Talent Management Software ­ noch zu wenig genutzt

Die Aufgaben des Talent Managements wie Personalentwicklung, strategische Personalplanung und Nachfolgeplanung werden derzeit bei 72 Prozent der befragten Unternehmen durch eine Software-Lösung unterstützt. Bis 2020 ist hier ein Wachstum von 13 Prozentpunkten zu erwarten, der Anteil der Cloud-Lösungen soll von 35 auf 45 Prozent steigen. Outsourcing bleibt fast unverändert bei rund 20 Prozent.

73 Prozent der Befragten sind mit ihrer Talent-Management-Software sehr bis überwiegend zufrieden, was im Vergleich zu den anderen HR-Prozessen recht hoch ist und vermutlich damit zusammenhängt, dass es sich hier um eine neuere und somit auch besser an die Unternehmensanforderungen angepasste Softwarekategorie handelt. Weniger gut ist die Bewertung des Digitalisierungsgrades für diesen HR-Prozess: ihn schätzen nur 57 Prozent als hoch bis sehr hoch ein.

Personaladministration: Investitionen zugunsten cloudbasierter Software

Heute schon nutzt fast jedes der befragten Unternehmen Software für die Personaladministration mit den Bereichen Personalstammdaten und Entgeltabrechnung/bAV (96 Prozent). Den Digitalisierungsgrad im Bereich Personaladministration schätzen 65 Prozent als hoch bis sehr hoch ein, was innerhalb aller HR-Prozesse zu den Spitzenwerten zählt.

Dennoch: Auch 2020 wird Personaladministrations-Software noch überwiegend als On-Premise-Lösung bereitgestellt werden, also als Lösung, bei der das Unternehmen das Softwareprogramm erwirbt und auf eigenen Hardware selbst betreibt. Die Umstellung auf Cloud-Lösungen geht hier langsamer voran als bei anderen HR-Prozessen

Digitale Personalakte könnte digitaler sein

Die Personalakte ist bei 85 Prozent der Befragten bereits digitalisiert. Bis 2020 werden nur noch wenige Unternehmen (vier Prozent) ohne Software in diesem Bereich auskommen. Die Bereitstellung erfolgt derzeit bei über der Hälfte der Befragten On-Premise, doch in Zukunft planen die Unternehmen vermehrt in Cloud-Lösungen zu investieren, sodass der Anteil von cloudbasierter Software auf 39 Prozent anwächst und nur noch knapp unter dem von On-Premise-Lösungen liegt.

Die Zufriedenheit mit der eingesetzten Software ist hoch: 77 Prozent sind sehr bis überwiegend zufrieden mit ihrer Lösung. Den eigenen Digitalisierungsgrad schätzen jedoch im Schnitt nur 59 als hoch bis sehr hoch ein. Ursache dafür ist meist, dass die eingesetzte Software den mit der Personalakte verbundenen Aufgabenbereich nicht vollständig digital abbildet und nicht durchgehend eine technische Integration mit anderen Prozessen besteht.

Geringes Wachstum bei Compensation & Benefits bis 2020

Die Personalkostenplanung, das Compensation Management und Pay Out werden derzeit zu 84 Prozent durch eine Software unterstützt. Dies ist bei den meisten Unternehmen eine On-Premise-Lösung. Doch bis 2020 wird hier kräftig in cloudbasierte Software investiert und so steigt deren Anteil auf 45 Prozent, während der On-Premise-Anteil auf 43 Prozent zurückgeht. Insgesamt wächst die Softwarenutzung in diesem Bereich nur um vier Prozentpunkte, was vergleichsweise gering ist. So steht auch hier bei vielen Unternehmen aufgrund des allgemeinen Cloudtrends ein Technologiewechsel an.

Die Zufriedenheit mit der eingesetzten Software im Bereich Compensation & Benefits liegt gegenüber den anderen HR-Prozessen im Durchschnitt. 67 Prozent geben an, damit überwiegend bis sehr zufrieden zu sein. Der Digitalisierungsgrad des Prozesses liegt im Vergleich mit 63 Prozent, die ihn als hoch bis sehr hoch einschätzen, relativ gut über dem Durchschnitt.

Zeitwirtschaft und operative Personalplanung haben noch Luft nach oben

In der Zeitwirtschaft und der operativen Personaleinsatzplanung nutzen 84 Prozent der Befragten eine Software, derzeit noch 52 Prozent als On-Premise-Lösung. Dieser Anteil sinkt um zehn Prozentpunkte, während der Anteil cloudbasierter Software um 14 Prozentpunkte auf 40 Prozent bis 2020. Outsourcing-Lösungen sind auch hier mit rund 20 Prozent von geringerer Bedeutung

Die Unternehmen sind mit ihrer eingesetzten Lösung zu 65 Prozent sehr bis überwiegend zufrieden. Den Digitalisierungsgrad dieses HR-Prozesses, den sie durch die eingesetzte Software erreichen, schätzen 55 Prozent der Befragten sehr hoch bis hoch ein. Somit gibt es auch in diesem Bereich sowohl bei der Zufriedenheit als auch beim Digitalisierungsgrad noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Schlusslichter: E-Learning, Recruiting und Onboarding

Handlungsbedarf besteht bei den Schlusslichtern dieser Betrachtung. 78 Prozent der Teilnehmer nutzen eine Recruiting- und Onboarding-Software, nur 59 Prozent der Befragten empfinden diese allerdings als zufriedenstellend. Ein möglicher Grund für die überraschend hohe Unzufriedenheit könnte sein, dass die Recruitingsysteme schon sehr lange im Einsatz sind und die Prozesse nicht den sich ständig ändernden Rahmenbedingungen angepasst wurde.

Auch Softwarelösungen für Trainingsadministration und E-Learning werden unterdurchschnittlich bewertet. Lediglich 78 Prozent der Unternehemen nutzen diese Software überhaupt, nur 62 Prozent der Befragten sind überwiegend bis sehr zufrieden.

Zum HR Software Monitor:

Die komplette Studie zum Stand der Digitalisierung in der Personalarbeit finden Sie im Personalmagazin Spezial "Softwarekompendium". Hier können Sie es kostenlos herunterladen.

 

Schlagworte zum Thema:  HR-Software, Talent Management, Performance-Management, Digitale Personalakte, Zeitwirtschaft, Digitalisierung, Software-Anbieter, Software

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