24.05.2011 | Interview

Wie die SNT AG Facebook im Recruiting nutzt

Der Call-Center-Dienstleister SNT setzt auf Facebook zur Mitarbeitergewinnung - mit einigem Erfolg: Mehrere Dutzend Stellen konnten so schon direkt besetzt werden. Wie das Unternehmen Social Media für das Recruiting und Employer Branding nutzt, erklärt Leo Staub-Marx, Manager HR bei der SNT AG, im Interview.

Haufe Online-Redaktion: Wieso haben Sie sich für Recruiting über Facebook entschieden?

Leo Staub-Marx: Wir haben 4.800 Mitarbeiter und der Rekrutierungsbedarf ist permanent hoch. Und Social Media entwickelt sich zu dem Kommunikationsmedium der jungen Generation. Das Thema läuft bei uns seit 18 Monaten. Anfang 2009 war klar, dass unsere Personalsysteme nicht mehr ausreichen, um die gestiegenen Anforderungen zu bewältigen. Und mit der Einführung neuer HR-Software sind wir auch das Thema Social Media angegangen, um SNT breiter darzustellen und auf uns aufmerksam zu machen.

Haufe Online-Redaktion: Auf welche Social-Media-Kanäle setzen Sie?

Staub-Marx: Das Hauptmedium ist Facebook, wir nutzen aber auch Twitter und das Arbeitgeberbewertungsportal Kununu. Denn neben dem Recruitment geht es uns auch ums Employer Branding. Das Motto lautet "Wir wollen nach außen transparent sein". Und das schließt unser Commitment ein, auch negative Meinungen über uns im Netz auszuhalten. Wir haben nichts zu verbergen. Und wenn etwas nicht gut läuft, wollen wir das verbessern, dabei hilft uns die kritische Sicht von außen. Das stärkt mittelfristig die Arbeitgebermarke.

Haufe Online-Redaktion: Wie sieht die Rekrutierung über Facebook konkret aus?

Staub-Marx: Wir suchen über Facebook und kommunizieren auf diesem Weg alle offen Stellen für Auszubildende, Kundenbetreuer und Teamleiter. Querschnitts- und Sonderfunktionen besetzen wir nicht über Social Media. Unser Personal-Tool haben wir mit Jobstriker verlinkt, eine Applikation, um Jobs auf facebook zu posten. Diese ist mit unserer Bewerbermanagementsoftware verlinkt, über die Bewerber mit uns Kontakt aufnehmen können. Das Interessante daran: Jobstriker kann von jedem Facebook-User in sein Profil eingebunden werden. Das heißt, unsere Mitarbeiter können anderen Jobs bei uns empfehlen. Facebook ist Teil unserer Kampagne "Mitarbeiter werben Mitarbeiter", die wir auch incentivieren.

Haufe Online-Redaktion: Sie haben gesagt, SNT sei transparent und offen für Kritik. Haben Sie keine Sorge, dass Kritik in Bewertungsportalen oder auch bei Facebook das Recruiting erschwert?

Staub-Marx: Wir wurden ja schon vorher in Foren bewertet, mal positiv, mal negativ. Über Kununu haben wir jetzt die Chance, Leitplanken zu setzen. Natürlich hatten wir Befürchtungen wegen kritischer Äußerungen, wir haben aber gehofft, Meinungen über uns kanalisieren zu können. Es war klar, dass wir mit Negativem leben müssen. Das Ziel lautet: Wir wollen herausfinden, welche Kritik berechtigt ist, wo wir Verbesserungsbedarf haben. Früher kamen Beschwerden von Bewerbern oder Mitarbeitern unter Umständen per Mail direkt an den Vorstand, weil es kein Forum dafür gab. Heute sehen wir Beschwerden viel früher, gehen offen damit um und können auch in einem strukturierten Prozess darauf reagieren. Wir haben Prozesse verbessert, etwa bei Bewerbertagen, und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess auf Grundlage der Kritik in den Foren eingeführt. Der positive Effekt des Ganzen ist: Wir kriegen sehr viele positive Bewertungen.

Haufe Online-Redaktion: Haben Sie Ihre Mitarbeiter animiert, SNT-Fan auf Facebook zu werden?

Staub-Marx: Am Anfang haben wir bei den Mitarbeitern dafür geworben, zum Fan bei Facebook zu werden. Unter allen, die mitgemacht haben, wurde ein I-Phone verlost. So haben wir gezielt Fans aufgebaut. Heute erhält jeder Mitarbeiter mit dem Arbeitsvertrag einen Flyer, der für die Fanschaft wirbt. Aus der Initialphase sind wir raus, jetzt geht es darum, das Medium weiterzuentwickeln, Multiplikatoren zu finden. Wir haben ein Team, das für das Unternehmen Nachrichten postet, die Teammitglieder reichen vom Director bis zu Agents.  Das Team tauscht sich darüber aus, was gepostet werden kann und wie man das für SNT nutzbar machen kann, auch über HR-Themen hinaus, zum Beispiel zu Seminaren des Weiterbildungskataloges oder zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement. Denn wir wollen spannende Inhalte bieten.

Das Interview führte Christoph Pause, Redaktion Acquisa.

Hinweis: In der Titelstrecke der Ausgabe 12/2010 gibt das Personalmagazin Tipps für die Umsetzung von Social-Media-Strategien im Personalbereich

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