Wenig Vertrauen in MBA-Rankings

Lediglich elf Prozent der betroffenen Anbieter, Studierenden und Arbeitgeber glauben, dass Ranglisten die tatsächliche Leistung von MBA-Programmen widerspiegeln – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Die Mehrheit der Befragten würde Aufbau und Art der Rankings verändern.

MBA-Rankings spielen eine wichtige Rolle bei Business Schools, Studieninteressenten und Arbeitgebern. So messen ihnen neun von zehn Stakeholdern (90 Prozent) einen wesentlichen Einfluss auf die Nachfrage von MBA-Programmen einer Schule zu. Doch lediglich einer von zehn Befragten (elf Prozent) glaubt, dass solche Ranglisten die echte Leistung von MBA-Programmen "sehr gut" widerspiegeln. Dagegen sind mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Überzeugung, dass Rankings die Performance eines Programms "nicht sehr gut" oder "wenigstens gut" reflektieren.

Die Mehrheit (59 Prozent) würde Aufbau und Art der Rankings verändern. Lediglich zwölf Prozent sind der Meinung, dass keine Veränderungen notwendig seien. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Online-Umfrage der Association of MBAs (AMBA) und der Business Graduates Association (BGA).

MBA-Programme: Rankings dienen nur bedingt der Auswahl

Der Mangel an Transparenz und die daraus entstehende Ambiguität führten zu dem verbreiteten Zynismus über die Akkuratheit der Ranglisten, erklärt Will Dawes, Research and Insight Manager bei AMBA & BGA. Kritikpunkte seien unter anderem die Qualität des Fragebogen-Designs, die verzerrte Auswahl der Beantworter und der inhärente Bias gegenüber größeren Programmen, die sich automatisch leichter tun, die erforderliche Mindestzahl von Antworten zu erreichen. Weitere Bedenken gibt es bezüglich der Datenverifikation und der Manipulationsmöglichkeit der Schulen.

MBA-Stakeholder sind auch nicht davon überzeugt, dass Rankings den Studenten dabei helfen, die Qualität eines Programms zu bestimmen. Dem stimmen lediglich 29 Prozent voll zu.  

Qualität der Forschung ist wichtiger als Gehaltsfragen

Die Studienteilnehmer gaben in einer Frage an, welches Kriterium sie in einem Ranking mit welchem Prozentsatz bewerten würden. Dabei erreichte die "Qualität der Management-Fakultät", also ihre Qualifikation und die Qualität der Forschung, mit 25 Prozent den ersten Platz, dicht gefolgt von der "allgemeinen Erfahrung der Studenten" mit 24 Prozent. Auf Platz drei steht der Erfolg der Absolventen (Karrierefortschritt und Gehalt) mit 21 Prozent. Es folgen die Diversität, Breite und Qualität der MBA-Klasse (18 Prozent) und das "Engagement der Alumni" mit 13 Prozent.

Für jedes der Kriterien wurden zudem Unter-Kriterien abgefragt. Beim Erfolg der Absolventen, dessen Bedeutung insgesamt mit 21 Prozent bewertet werden sollte, steht "Value for Money" an erster Stelle, gefolgt von der Geschwindigkeit, mit der Absolventen den gewünschten Job finden, der Empfehlung der Studenten und der Qualität der Alumni. Das Gehalt kommt erst an fünfter Stelle. Damit spielt das Gehalt bei den Befragten eine deutlich geringere Rolle als es in vielen Rankings der Fall ist. Ein Kritikpunkt ist daher auch die Überbewertung der Gehaltsangaben, die ein falsches Bild vom Nutzen eines MBA-Programms vermittle. Bei den Rankings der Financial Times beispielsweise machen das Gehalt und der Gehaltszuwachs 40 Prozent der Bewertung aus.

Qualifikationskriterien bei MBA-Rankings scheinen überholt

Die Ergebnisse der Studie legten nahe, dass MBA-Rankings von der Mehrheit als realitätsfern angesehen werden, erklärt Forschungsmanager Dawes. Ein Grund dafür könne darin liegen, dass die Qualitätskriterien angesichts der neueren Entwicklungen überholt sind und Rankings modernisiert werden müssten.

Unter den bekannten Rankings schneiden die Ranglisten der Financial Times am besten ab. 79 Prozent der Befragten halten sie für "sehr" oder "ziemlich" genau. Bereits an zweiter Stelle stehen die Ranglisten des Economist mit 75 Prozent. Dabei gelten diese aufgrund ihrer methodologischen Schwächen und der Weigerung von etlichen führenden Schulen, daran teilzunehmen, als besonders umstritten. An dritter Stelle steht das Forbes-Ranking mit 72 Prozent, das als einziges Kriterium den Return on Investment heranzieht.  

Befragt wurden 1.291 Stakeholder aus dem Umfeld von Business Schools: Mitarbeiter der Schulen, MBA-Studenten, MBA-Absolventen und Unternehmen, die MBAs einstellen. Die Umfrage fand zwischen August und Oktober 2018 statt.


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