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Gebildet und innovativ dank Betriebsrat?

Weiterbildung scheint kaum Einfluss auf völlig neue Innovationen zu haben.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Mitbestimmte Unternehmen tun mehr für die Entwicklung ihrer Mitarbeiter, so das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie. Doch der positive Einfluss des Betriebsrats wirkt sich offenbar nicht auf die fachliche Weiterbildung aus – und auch echte Innovationen nehmen dadurch kaum zu.

Für die Studie analysierten Wirtschaftswissenschaftlern der Universitäten in Jena und Odense die Weiterbildungssituation und Innovationskraft in 350 Unternehmen. Gefördert wurde ihre Studie von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Die Wissenschaftler unterschieden dabei zwei Formen von Weiterbildung: die technische Weiterbildung, bei der fachliche Fähigkeiten der Mitarbeiter gefördert werden, und die allgemeine Weiterbildung, etwa zu den Themen "Mitarbeiterführung und Management" oder "Teamwork und Kommunikation".

Firmen bieten fachliche Weiterbildung aus Eigeninteresse an

Die Wissenschaftler stellten dabei fest, dass  Firmen mit einem Betriebsrat mit mehr Weiterbildung punkten können – allerdings nur im Bereich der allgemeinen Weiterbildung. Dies steigere wiederum deren Innovationsfähigkeit, folgern die Forscher. Für die fachliche Weiterbildung braucht es jedoch offenbar keinen Betriebsrat: Die Studienautoren mutmaßen, dass Firmen schon aus Eigeninteresse ausreichend in die betriebsspezifischen Fähigkeiten ihrer Belegschaften investieren.

Im Vergleich dazu sei das Betriebsinteresse an allgemeiner Weiterbildung eher gering, weil es sich dabei um überbetrieblich verwendbares Wissen handele – und die Beschäftigten den Arbeitgeber wechseln und das erworbene Wissen bei der Konkurrenz zu Geld machen könnten. Betriebsräte dagegen, so die Annahme der Wissenschaftler, setzten sich für die allgemeine Weiterbildung ein, weil sie das Wohl der Arbeitnehmer im Auge hätten.

Dass die Sorge der Unternehmen, ihre Mitarbeiter nach einer Weiterbildung zu verlieren, jedoch wenig begründet sein dürfte, zeigte vor Kurzem eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB): Die Datenanalyse ergab keinen Anhaltspunkt dafür, dass es einen Zusammenhang zwischen der Abwanderungsquote und dem betrieblichen Weiterbildungsengagement gebe.

Echte Innovationen versus Light-Version

Das deutsch-dänische Forscherteam überprüfte in seiner Analyse auch den Zusammenhang zwischen Weiterbildung und Innovation. Dafür ging es von der Annahme aus, dass sich Innovationen grob in zwei Untergruppen einteilen lassen: die sogenannte "inkremelle Innovation" und die "radikale Innovation". Bei einer "inkremellen Innovation" handelt es sich demnach um eine Art Innovation "light", etwa die Verbesserung eines Produkts oder die Übernahme einer fremden Idee. Für eine "radikale Innovation" müssen die Mitarbeiter sich schon mehr ins Zeug legen: Darunter fällt etwa die Entwicklung eines komplett neuen Produkts.

Allgemeine Weiterbildung wirkt sich nur auf einfache Innovationen aus

Diese beiden Innovationstypen brachten die Wissenschaftler mit den beiden Arten von Weiterbildung in Zusammenhang, die sie vorab identifiziert hatten: Da radikale Innovationen technisch enorm anspruchsvoll seien, so die Hypothese der Wissenschaftler, sollten sie vor allem von betriebsspezifischer Weiterbildung begünstigt werden. Zu mehr inkrementellen Innovationen müsste hingegen auch allgemeine Weiterbildung beitragen.

Bei ihren Berechnungen stellten die Forscher fest, dass das Ausmaß der allgemeinen Weiterbildung tatsächlich die Menge der inkrementellen Innovationen steigen ließ. Radikale Innovationen schienen dagegen allenfalls schwach mit Weiterbildung zusammenzuhängen. 

Haufe Online Redaktion

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