17.07.2012 | Führungskräfteentwicklung

Was Topmanager ihrem Nachwuchs voraushaben

Die heutigen Dax-Vorstände bringen völlig andere Qualifikationen mit als ihr Nachwuchs.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die breite akademische Ausbildung deutscher Top-Manager erweist sich gerade in Krisenzeiten als Vorteil. Ein Grund, die Anforderungen an künftige Führungskräfte zu überdenken. Denn diese unterscheiden sich stark von den Qualifikationen aktueller Manager, zeigt eine gemeinsame Studie von Roland Berger und der Uni Innsbruck.

Für die Studie "Akademiker im Chefsessel – Deutschlands versteckter Standortvorteil" haben Experten von Roland Berger Strategy Consultants und der Universität Innsbruck die Ausbildungswege von 181 DAX-Vorständen untersucht und die Ergebnisse mit den Anforderungen an künftige Führungskräfte verglichen.

Dabei zeigt sich, dass die Qualifikationen der Top-Manager in starkem Kontrast zu den Anforderungen stehen, die Unternehmen an ihre Nachwuchsmanager stellen. So verfügt die Mehrheit der befragten Vorstände über ein Universitätsstudium, Promotion und Forschungserfahrung, aber nur rund 14 Prozent über praktische Erfahrungen während des Studiums. Doch gerade darauf legen Unternehmen heute viel Wert.

Breite, akademische Ausbildung als Wettbewerbsvorteil

84 Prozent der deutschen Top-Manager haben ein Universitätsstudium absolviert, rund 20 Prozent von ihnen an einer Elite-Universität. "Fast die Hälfte der heutigen Vorstände hat an das Universitäts- oder Fachhochschulstudium sogar eine Promotion angeschlossen – ein MBA ist hingegen mit 11 Prozent vergleichsweise selten", sagt Professor Ivo Hajnal von der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Co-Autor der Studie.

Während die befragten Vorstände meist eine ausgezeichnete Ausbildung mit Promotion und mehrjähriger Forschungserfahrung haben, erwarten sie von Nachwuchskräften hingegen andere Qualifikationen. "Heute stufen beinahe 70 Prozent der Vorstände ein Master-Studium als sehr wichtig ein", sagt Roland Berger-Partner Torsten Oltmanns. Eine Promotion hingegen fordern nur 20 Prozent, Forschungserfahrung spielt im Anforderungsprofil der Unternehmen gar keine Rolle. "Dabei erfordert gerade die schwierige Wirtschaftslage eine gute Mischung aus wissenschaftlichem Hintergrund und praktischer Erfahrung", so Oltmanns.

Anforderungen an den Nachwuchs haben sich stark verändert

Auch was Praktika während des Studiums betrifft, klaffen die Erwartungen der Manager und ihr eigener Lebenslauf weit auseinander: "Nur knapp 14 Prozent der Manager haben während ihrer Studienzeit selbst praktische Arbeitserfahrung gesammelt. Doch mehr als 80 Prozent der Manager erachten genau solche Erfahrungen als vorteilhaft und erwarten sie von den heutigen Bewerbern", sagt Studien-Co-Autorin Sarah Ertl von der Universität Innsbruck.

Gleiches gilt für die geforderten Soft Skills wie Entrepreneurship (27 Prozent) und Kreativität (23 Prozent): Viele Firmen suchen Querdenker mit Unternehmergeist. Die Lebensläufe der aktiven Vorstände zeigen allerdings ein ganz anderes Bild. So hatten lediglich vier Prozent der Firmenlenker in ihrem Leben eine Geschäftsidee, die sie auch umsetzten. Die Mehrheit der Vorstände ging den klassischen Weg mit einem schnellen Universitätsabschluss und sofortigem Berufseinstieg.

Auch hinsichtlich der Auslandserfahrung gehen die Forderungen und Wege der Vorstände auseinander: Über ein Drittel der Befragten hat nie im Ausland studiert oder gearbeitet, obwohl beinahe alle Top-Manager (97 Prozent) einen beruflichen Auslandsaufenthalt für wichtig erachten, um den Management-Anforderungen besser gerecht zu werden.

Unternehmen müssen Rekrutierungsstrategie anpassen

Wenn deutsche Unternehmen auch künftig von der soliden Ausbildung ihrer Top-Manager profitieren wollen, sollten sie ihre Rekrutierungsstrategie und ihr Anforderungsprofil überdenken und nicht von einem Extrem ins andere fallen – erst war nur die Promotion gefragt, jetzt der MBA – geben die Studienautoren zu bedenken.

Dabei sollten sich die Personalverantwortlichen vor allem stärker auf die vorhandenen Erfolgsmuster der DAX-Vorstände stützen. "MBA-Abschlüsse mit ihrem starken Praxisbezug haben zweifellos einen sehr hohen Stellenwert für die Ausbildung künftiger Führungskräfte. Aber das akademische Vollstudium sollte nicht vergessen werden", warnt Studien-Autor Oltmanns. Auf die Mischung komme es letztlich an.

Schlagworte zum Thema:  Management, Ausbildung, Führungskräfteentwicklung, MBA

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