| HR-Management

Was motiviert? Lehren aus der Fußball-WM

Peinlich empfanden viele den Auftritt der französischen Mannschaft bei der Fußball-WM. Er zeigt aber: Nur ausreichend motivierte Spieler bringen volle Leistung, was analog für Mitarbeiter im Unternehmen gilt. Im Interview zählt Professor Friedemann Nerdinger von der Universität Rostock wichtige Faktoren auf, die Fußballer wie Mitarbeiter anspornen und er nennt Anforderungen an Führungskräfte.

Haufe Online-Redaktion: Welche Faktoren gelten nach dem neuesten Forschungsstand als die besten Motivatoren?

Professor Friedemann Nerdinger: Der beste Motivator ist die Tätigkeit selbst: Wenn die Arbeit interessant ist, die Fähigkeiten des Mitarbeiters angemessen fordert und ihm Spaß macht, ist die Motivation am größten. Gerade das sieht man auch bei der Fußballl-WM!

Haufe Online-Redaktion: Und umgekehrt, was demotiviert am ehesten?

Prof. Friedemann Nerdinger: Hier gibt es verschiedene Größen. In der Arbeit ist es etwa unnötige Bürokratie, die einen hindert, das zu machen, was eigentlich gefordert ist. Schlechte Bezahlung kann auch demotivieren, vor allem aber sind es wenig einfühlsame, autoritäre, die Mitarbeiter nicht respektierende Führungskräfte, die demotivieren.

Haufe Online-Redaktion: Fußballer genießen in der Bevölkerung weithin Respekt: Wie stark beeinflusst das Ansehen des Berufs die Motivation der Mitarbeiter?

Prof. Friedemann Nerdinger: Der Beruf begründet in unserer Gesellschaft einen wichtigen Aspekt der sozialen Identität, die alle Menschen möglichst positiv erleben möchten. Insofern hat das Ansehen des Berufs große Bedeutung. Das gilt vor allem in negativer Hinsicht: Ist das Ansehen des Berufs oder des Unternehmens nicht so groß, gerät man schnell in eine defensive Haltung, die vor allem darauf gerichtet ist, sich zu rechtfertigen. Das führt aber auf Dauer zur Demotivation. Umgekehrt ist ein hohes Ansehen des Berufs allein natürlich noch kein Motivator – denken Sie nur an die Ärzte!

Haufe Online-Redaktion: Was motiviert, ist je nach Mitarbeiter sehr unterschiedlich. Sollten Unternehmen daher eher der Frage nachgehen, was ihre Mitarbeiter demotivieren könnte?

Prof. Friedemann Nerdinger: Prinzipiell ist die Suche nach den motivierenden Bedingungen wichtiger. Zwar unterscheiden sich die Mitarbeiter in ihren Fähigkeiten, ihrer Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und auch in der Offenheit gegenüber neuen Anforderungen. Dafür hat man aber Führungskräfte, dass sie in Mitarbeitergesprächen genau diese individuellen Besonderheiten herausfinden. Wenn ihnen das gelungen ist, müssen sie die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass die Mitarbeiter ihre Fähigkeiten entfalten können – das ist die beste Motivation.

Das heißt aber nicht, dass die demotivierenden Bedingungen nicht zu beachten wären. Auf bestimmte Aspekte hat der Vorgesetzte häufig keinen Einfluss – denken Sie nur an die erwähnte Bürokratie. In diesen Fällen muss der Mitarbeiter aber zumindest das Gefühl bekommen, dass er in seiner Frustration respektiert und Ernst genommen wird und der Vorgesetzte das ihm Mögliche zur Verbesserung der Lage unternimmt – auch wenn es faktisch nur wenig ist. Betrifft die Unzufriedenheit aber den Vorgesetzten selbst, so muss er entweder sein kritisches Verhalten verständlich machen oder aber, wenn es sich ändern lässt, die Bereitschaft dazu verdeutlichen.

Haufe Online-Redaktion: Für die französische Mannschaft war die WM nach drei lustlosen Auftritten beendet. Welchen Anteil hat die Mitarbeiterführung für die Motivation der Mitarbeiter?

Prof. Friedemann Nerdinger: Wie bereits erwähnt, ist falsche Mitarbeiterführung einer der wichtigsten Demotivatoren – in der Arbeit wie im Fußball. Das Beispiel der französischen Nationalmannschaft verdeutlicht das sehr anschaulich! Wie im Fußball kann gute Führung auch in der Arbeit – allerdings nur kurzfristig – auch motivieren, das heißt zu Höchstleistungen führen. Wie die Arbeit von Jogi Löw verdeutlicht, vermittelt ein guter Trainer den Spielern Spaß am Spiel. Wenn dadurch die Motivation durch die Tätigkeit sichergestellt wurde, kann er im entscheidenden Moment die notwendigen Kräfte für eine Sonderanstrengung freimachen. Das kann dann so aussehen, wie wir es aus den Filmen über die Motivationsansprachen kennen, die Jürgen Klinsmann bei der letzten WM vor den Spielen oder in der Halbzeitpause gehalten hat. Wichtig ist aber zu wissen: So etwas hält eben nur kurz an, im Fußball wie in der Arbeit!

Aktuell

Meistgelesen