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Interview: Was Konfliktmoderatoren aus der Geißler-Goebbels-Affäre lernen können

Heiner Geißler sorgte für Wirbel, als er die Beteiligten im Streit um das Bahnprojekt "Stuttgart 21" mit dem Goebbels-Zitat "Wollt ihr den totalen Krieg" provozierte. Statt sich zu entschuldigen, verschlimmerte er die Situation durch Ausreden und Verbalangriffe gegen die Medien sogar noch. Wir haben Hansjörg Mauch von der Beratung Metaplan befragt, was Konfliktmoderatoren aus diesem Fall lernen können.

Haufe Online-Redaktion: Was sind die entscheidenden Fehler, die Heiner Geißler in der aktuellen Diskussion begangen hat?

Hansjörg Mauch: Zuallererst hätte er es vermeiden sollen, Schwarz-Weiß-Bilder zu verwenden, wie er es durch sein Goebbels-Zitat leider getan hat. Die Fronten sind so verhärtet und emotional aufgeladen, dass er durch solche Äußerungen die Situation nur noch mehr verschärft. Des Weiteren sollte man ein Gutachten nicht als Lösung nutzen, sondern vielmehr als Mittel, um eine rationale Diskussion zu führen. Auch Geißlers Beharren auf seinem Kompromissvorschlag ist unglücklich gewählt. Ein Konfliktmoderator sollte sich eher zurücknehmen. Letztendlich hätte Geißler wohl schon nach der gelungenen Moderation 2010 sich zurückziehen und einem neuen Moderator die nächsten Schritte wie die Diskussion im Rahmen der Präsentation des Stresstestes übertragen sollen. Seine Ankündigung, dass seine Aufgabe angesichts des vorliegenden Kombi-Plans erledigt sei, halte ich für zu spät.

 

Haufe Online-Redaktion: Denken Sie, dass Geißler durch sein aktuelles Verhalten seine Glaubwürdigkeit als Streitschlichter verspielt hat?

Mauch: In gewisser Weise schon. Auf der anderen Seite kann ich auch verstehen, dass einem der Kragen platzt, wenn keiner sich auf den anderen zu bewegt. Ich würde es übrigens auch immer ablehnen zu moderieren, wenn keine Offenheit in der Problemlösung sichtbar ist und es nur noch um das sture Durchsetzen des eigenen Standpunktes geht. Nichts anderes kann man aktuell bei "Stuttgart 21" beobachten. 

 

Haufe Online-Redaktion: Worauf kommt es letztendlich bei einer Konfliktmoderation an?

Mauch: Zunächst sollte der Moderator es vermeiden, Verhaltensweisen der einen oder anderen Seite zu kritisieren und als blockierend hinzustellen. Des Weiteren sollte er versuchen, den zentralen Konflikt in mehrere Teilkonflikte zu unterschiedlichen Themen aufzuspalten, obgleich dies bei sehr interessensgeladenen Themen sehr schwierig ist. Entscheidend ist auch, dass er sich nicht von einer der Interessensgruppen vereinnahmen lässt. Der Moderator sollte auch ausloten, wo es Handlungsspielräume gibt. Hilfreich ist oft, neue Lösungen einzubringen, um die Blockaden der Interessensgruppen zu überwinden. Dies machen Schlichter in Tarifkonflikten ebenfalls. Im Fall von Stuttgart 21 würde der Kombi-Plan, der es vorsieht, den Fernverkehr im unteren Bereich und den Regionalverkehr oben anzusiedeln, unter diese Kategorie fallen, auch wenn dies vielleicht nicht der geeignete Vorschlag war.  

 

Das Interview führte Nicole Schrehardt.

 

Hansjörg Mauch

gehört zu den Gründern von Metaplan, einer Organisations- und Strategieberatung, die seit mehr als 35 Jahren auf „Beratung im Diskurs“ setzt.

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