| Teambuilding

Welche Trainings zum Scheitern verurteilt sind

Beim Teamtraining baut Willi Bonrath auch schon mal Katapulte.
Bild: bonrath+kolibal gbr

Kanu fahren, Boote bauen, Messer werfen – in Motivations- und Teamtrainings kommen immer neue, spektakulärere Methoden auf den Markt. Woran man motivierende Maßnahmen jenseits glühender Kohlen erkennt, erklärt der Trainer Willi Bonrath im Interview.

Haufe Online-Redaktion: Vor kurzem konnte man in der Serie "Polizeiruf" ein Motivationstraining ansehen, in dem die Führungskraft ihre Mitarbeiter mit Messern bewerfen ließ. Sieht so gutes Motivationstraining aus?

Willi Bonrath: Nein, im dargestellten Fall läuft schon einiges sehr falsch: Teilnehmer werden bloßgestellt, es kommt zu massivem Alkoholgenuss während des "Trainings", auch fehlt die Ableitung zum Berufsalltag und so weiter. Ein gutes Erlebnistraining schafft einen positiven Erinnerungsanker und verknüpft diesen – für die Teilnehmer nachvollziehbar – mit der Arbeitswelt der Mitarbeiter. Hier ist ein gutes Trainingsdesign gefragt. Und davon war im Polizeiruf nichts zu spüren.

Haufe Online-Redaktion: Sie bieten als Teambuilding-Maßnahmen das gemeinsame Bauen eines Katapults, das Einstudieren eines Firmensongs oder das Hüten einer Schafherde an. Wie finden Sie heraus, welche Methode für ihren Kunden sinnvoll ist?

Bonrath: Sicherlich haben einzelne Trainingsszenarien eine höhere Symbolkraft für bestimmte Aufgabenstellungen. So kann das Arbeiten mit Schafen gut für das Erarbeiten gemeinsamer Führungsstrategien genutzt werden, während das Bauen von Katapulten sich gut für das Visualisieren von Teamzielen eignet. Jedoch ist nicht das Szenario an sich ausschlaggebend für den Erfolg eines Trainings, sondern seine individuelle Umsetzung und inhaltliche Ausgestaltung. Hier sind intensive Vorgespräche notwendig, insbesondere auch über den Hintergrund der Teilnehmer. Das Ergebnis dieser Vorbereitung ist dann die Grundlage für die Erarbeitung des Trainingsdesigns und der Formulierung der konkreten Zielvereinbarung mit dem Kunden.

Haufe Online-Redaktion: Haben Sie schon einmal mit einem Team gearbeitet, bei dem alle Ihre Methoden nicht geholfen haben?

Bonrath: Es gibt Trainings, die nicht so ablaufen, wie sie im Vorfeld geplant wurden, weil Faktoren ins Spiel kommen, die vorab nicht erkennbar waren. In einem solchen Fall ist es wichtig, nicht sklavisch an dem geplanten Ablauf zu hängen, sondern seitens der Trainer flexibel und wertschätzend auf die neue Situation zu reagieren. Solche Trainings sind dann für alle Teilnehmer oftmals sehr emotional und liefern wichtige Erkenntnisse zur aktuellen Situation innerhalb des Teams. Auch geben sie starke Impulse für die zukünftige Teamarbeit. Ähnliches zeigte sich einmal bei unserem Teamtraining "Mein Filmdreh", das wir für einen Personaldienstleister durchgeführt haben. Thema war eigentlich die Visualisierung interner Arbeitsabläufe. Allerdings stellte sich im Laufe des Trainings heraus, dass zum Teil die Mitarbeiter diese Prozesse komplett anders interpretiert hatten und sie deshalb gar nicht richtig darstellen konnten. Hier war es wichtig, einen Stopp einzufügen und das Thema Wissenstransfer neu mit auf die Agenda zu nehmen, um alle Mitarbeiter vor Ort und zukünftig auf den gleichen Stand zu bringen. Das war ein unerwarteter, aber sehr wichtiger Lerneffekt für alle Beteiligten.

Willi Bonrath ist einer der beiden Geschäftsführer der Agentur Bonrath Kommunikation und hat langjährige Erfahrung in der Durchführung von Teambuilding-Aktivitäten.

Schlagworte zum Thema:  Motivation, Teambuilding

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