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Warum so viele Videos im Netz verhöhnt werden

Gero Hesse, Geschäftsleiter der Medienfabrik Embrace
Bild: Haufe Online Redaktion

Mit einem Recruiting-Video können Unternehmen für sich werben. Allzu oft misslingen sie  aber und werden von den Youtube-Nutzern spöttisch abgestraft, wie das aktuelle Beispiel von McDonald’s zeigt. Medienexperte Gero Hesse erklärt, wie man diese Kommunikationskatastrophe verhindert.

Haufe Online Redaktion: Was läuft bei den Recruiting-Videos im Web häufig schief?

Gero Hesse: Oft hat man das Gefühl, dass sich die Verantwortlichen überlegen, etwas mega-cooles auf die Beine stellen zu wollen. Leider wirkt das hin und wieder unfreiwillig lustig, bemüht-jugendlich oder vollkommen unauthentisch. Ich habe selten das Gefühl, dass man sich im Vorfeld intensiv mit der Zielgruppe und der Zielsetzung des Videos auseinander gesetzt hat.

Haufe Online Redaktion: Rappen und tanzen scheint nie gut anzukommen im Recruiting-Video, wie auch die Beispiele von McDonald's und BMW zeigen ...

Hesse: Ich glaube nicht, dass das oft negative Feedback in diversen "Shit-Storms" auf das Rappen oder Tanzen an sich zurückzuführen ist. Die meisten Kommentare deuten eher darauf hin, dass hier versucht wird, gewollt-jugendlich rüber zu kommen. Allerdings sind die Videos ja teilweise von der Zielgruppe selbst konzipiert und mit umgesetzt worden. Und teilweise sind die Spötter selbst nicht Teil der Zielgruppe, die eigentlich adressiert werden soll. 

Haufe Online Redaktion: Was sollte man in einem Recruiting-Video unbedingt  vermeiden?

Hesse: Meines Erachtens sollte vermieden werden, dass über die Zielgruppe gelacht wird. Besser ist es, wenn man mit der Zielgruppe lacht. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das Recruiting-Video von Twitter, welches man auf Youtube unter "At twitter, the future is you" finden kann. Das ist definitiv gewollt lustig. Aber auf eine Art und Weise, welche die Mitarbeiter und Zielgruppe nicht lächerlich macht. 

Haufe Online Redaktion: Wie sollten Unternehmen reagieren, wenn ihr Video im Netz tatsächlich verhöhnt wird?

Hesse: Unternehmen sollten besser vorher genau über Zielgruppe, Aussage, Format und Konzept nachdenken und vielleicht im Vorfeld die Wirkung des Videos über eine Fokusgruppe testen. Wenn trotzdem negative Kommentare kommen, sollten sie das ganze Theater nicht überbewerten. Letzten Endes ist ein solcher Sturm der Entrüstung nach wenigen Tagen auch wieder abgeebbt. Das Video vom eigenen Youtube-Kanal zu löschen bringt meines Erachtens wenig. In der Regel haben andere User das Video bereits weiter verbreitet. Eine Alternative: vielleicht mit einem originellen Antwortvideo auf die Entrüstung reagieren.

Haufe Online Redaktion: Welche Merkmale stehen für ein gutes Recruiting-Video?

Hesse: Ein gutes Konzept, welches die gewünschte Zielgruppe anspricht. Die Machart selbst ist in meinen Augen zweitrangig, sie muss zur Aussage passen. Es gibt tolle Videos, die offensichtlich top-professionell umgesetzt wurden. Als Beispiel fällt mir das Axel-Springer-Video ein, welches man auf Youtube unter "Axel Springer sucht Talente" finden kann und es gibt Videos, die eher durch Originalität und Humor punkten wie das oben angesprochene Twitter-Beispiel. Beides hat seine Berechtigung und am Ende zählt die Meinung der Zielgruppe. Eins steht aber fest: Humor wirkt immer gut, ist aber natürlich auch die Königsdisziplin und vielleicht nicht für jeden Arbeitgeber passend.

Gero Hesse ist Geschäftsleiter der Medienfabrik Embrace. Er betreibt auch den HR-Blog saatkorn.com.

Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redakteurin Personalmagazin.

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