23.02.2012 | HR-Management

Vorstandsvergütung: Kritiker melden sich wieder zu Wort

So schnell kann die Debatte um die Vorstandsvergütung wieder aufleben: Kaum war das aktuelle Gehalt von Daimler-Chef Dieter Zetsche verkündet, meldeten sich schon Kritiker zu Wort. Dabei ist es nicht die Höhe des Gehalts, sondern die variablen Anreize, die zum Beispiel Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann kritisiert.

Bei den Bezügen des Konzernchefs geht es um immerhin knapp neun Millionen Euro für das Jahr 2011. Das geht aus einem Geschäftsbericht von Daimler hervor. Allerdings: Obwohl der Stuttgarter Autokonzern 2011 die besten Zahlen der Unternehmensgeschichte schrieb, bleiben Zetsches Bezüge auf dem Niveau von 2010 (8,804 Mio. Euro). Grund dafür ist das Inkrafttreten des Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG), das einige Änderungen mit sich brachte.

Aber auch mit diesem reformierten System sind Kritiker noch unzufrieden. Sie geben zu bedenken, dass hinter den Anreizen vor allem die Gewinnmaximierung stecke. Ein derartiges System könne für die Belegschaft auch Nachteile bringen - mehr Leiharbeit etwa.

 

Kritik: Anreizwirkung schlägt fehl

"Gar nicht die Höhe allein ist das Ärgerliche, sondern die Anreizwirkung und der Geist dahinter", sagte dazu Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann der Nachrichtenagentur dpa. Er gibt zu bedenken, dass sich Zetsches Zaster auch mit dem reformierten System - es koppelt Grundgehalt, Boni und Aktienpakete stärker als bisher an langfristige Faktoren - noch immer an Kennzahlen orientiert. "Diese Anreize treiben die Radikalität des Managements geradezu an. Professionelle Manager müssten sich eigentlich dagegen verwahren, über Anreize gesteuert zu werden", sagte der Forscher.

Das System öffne einem Denken Tür und Tor, das Aktienkurse in den Vordergrund und das Wohl der Mitarbeiter in den Hintergrund stelle. Damit drohe eine Sortierung der Belegschaft in eher wertvoll oder eher ersetzbar. "Machen wir uns nichts vor: Im Kern geht es darum, den shareholder value zu steigern. Es geht am Ende immer um Gewinnmaximierung", sagte der Leiter der Berliner Denkfabrik Menschliche Marktwirtschaft.

 

Vergütung ist inzwischen nachhaltiger angelegt

Zetsche verliert nach heutigem Stand rund 750.000 Euro beim Bonus (2010: 4,819 Mio Euro) und bekommt von diesen gut vier Millionen Euro anders als in den Vorjahren zunächst nur die Hälfte ausgezahlt. Der Rest fließt erst in einem Jahr und könnte kleiner ausfallen, falls Daimlers Aktie im Vergleich zur Konkurrenz schlechter abschneidet.

Gleichzeitig stieg aber Zetsches fixe Grundvergütung deutlich auf gut zwei Millionen Euro (2010: 1,53 Mio Euro). Er bekam sie in zwölf Monatsraten ausgezahlt. Der fehlende Betrag zu den fast neun Millionen Euro stammt aus Aktienoptionen, er beträgt rund 2,6 Millionen Euro. 

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