22.04.2013 | Vergütung

Unternehmen korrigieren Lohnpläne nach unten

In Europa können die meisten Arbeitnehmer nicht mit Lohnerhöhungen rechnen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In Europa gibt es wieder vereinzelte Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung, dennoch ist die Gesamtstimmung negativ. Entsprechend vorsichtig handeln die Unternehmen bei Lohnerhöhungen und Neueinstellungen. Das zeigt die aktuelle Aon Hewitt-Studie zur Gehaltsentwicklung in Europa.

In fast allen europäischen Ländern planen Betriebe deutlich zurückhaltender als noch im August des vergangenen Jahres erwartet: Im Schnitt korrigieren die Unternehmen ihre Planungen um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte nach unten. "Die Mehrheit der Unternehmen orientiert sich bei der Festlegung der Gehaltserhöhungsbudgets eher am Markt als an den tatsächlichen Inflationsraten", erklärt Marco Reiners, Leiter des Bereichs Performance, Reward & Talent DACH bei Aon Hewitt, die Gründe für das veränderte Planungsverhalten der Firmen.

In Deutschland wird es statt 3,2 durchschnittlich nur noch 2,9 Prozent mehr Lohn für die Arbeitnehmer geben. "Die vorsichtige Grundstimmung wirkt sich unmittelbar auf die Budgetverteilung aus – und das erstaunlicherweise nahezu unabhängig von der wirtschaftlichen Situation der Länder", so Reiners weiter.

Nullrunden für Europas Arbeitnehmer

Insgesamt zieht ein auffällig hoher Anteil der europäischen Unternehmen für 2013 Nullrunden bei der Gehaltsanpassung in Betracht. In Deutschland denken etwa zehn Prozent der Befragten über diese Option nach, in der Schweiz und Finnland sind es sogar fast 18 beziehungsweise 16 Prozent. Im Hinblick auf die ökonomische und finanzwirtschaftliche Situation in Griechenland ist es dagegen nicht verwunderlich, dass dort mit rund 57 Prozent mit Abstand der höchste Wert der Erhebung liegt, so die Studienautoren.

Kein klarer Trend bei den Einstellungen

Die unsichere ökonomische Entwicklung schlägt sich auch auf die Planung der Rekrutierungsaktivitäten der Unternehmen nieder. Auch deutsche Firmen zeigen sich hier zögerlich. 22 Prozent wollen ihre Rekrutierungsaktivitäten gegenüber 2012 verringern, knapp neun Prozent planen sogar mit einem Einstellungsstopp.

Auch in der Schweiz wollen knapp zehn Prozent der befragten Unternehmen auf Neueinstellungen verzichten. Etwas weniger pessimistisch zeigen sich die Unternehmen in Norwegen oder Österreich. Am zuversichtlichsten scheinen die Luxemburger.  Einstellungsstopps sind hier nicht geplant.

Besonders prekär ist die Lage beim Sorgenkind Griechenland. Mehr als die Hälfte der Unternehmen nehmen an, die Rekrutierungsaktivitäten 2013 zurückfahren oder die Einstellungen komplett stoppen zu müssen. "Dennoch überrascht es, dass sich – abgesehen von Griechenland – kein deutlicherer Unterschied zwischen den stabilen und den wirtschaftlich gebeutelteren Ländern zeigt", meint Reiners. "Die Zahlen in Spanien, Italien und Portugal liegen zwar höher als in den mitteleuropäischen Ländern, allerdings ist der Abstand relativ gering."

Über die Studie "Salary Increase Survey"

Zur Aktualisierung seiner jährlichen Studie über die Erhöhung von Gehältern in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten hat Aon Hewitt 478 Unternehmen aus 44 Ländern des EMEA-Raumes befragt. Die Befragung wurde im Januar 2013 durchgeführt.

Schlagworte zum Thema:  Vergütung, Gehalt, Krise

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