| Vergütung

Nur jeder zweite Deutsche fühlt sich fair bezahlt

Mitarbeiter ausgewogen zu vergüten ist eine heikle Sache – das belegt eine aktuelle Studie der Hay Group.
Bild: Haufe Online Redaktion

Eine Google-Mitarbeiterin fühlte sich unlängst unfair bezahlt und versuchte, mithilfe der Kollegen ihren Eindruck zu verifizieren. Auch außerhalb der Google-Welt ist dieser Verdacht kein Einzelfall. Einer Studie zufolge glauben weltweit die meisten Mitarbeiter, unfair bezahlt zu werden.

"Unfair bezahlen": So lautet eine Maxime, die Google Personalchef Laszlo Bock in seinem Buch "Work Rules!" vertritt, in dem er die New-Work-Kultur beim US-Internetriesen beschreibt. Sein Argument: Es sei gerechtfertigt, Top-Performer weitaus besser zu vergüten als andere Mitarbeiter – denn diese würden schließlich auch weitaus mehr Leistung erbringen und somit das Unternehmen besser vorantreiben als andere Mitarbeiter. (Mehr dazu lesen Sie in Ausgabe 07/2015 des Personalmagazins, das Sie hier als App lesen können.)

Allerdings bleibt die Antwort auf die Frage, wie viel denn die Top-Performer im Vergleich mit ihren durchschnittlich performenden Kollegen verdienen, bei Google bislang offenbar das Geheimnis von HR.

Google-Mitarbeiterin fordert Gehaltstransparenz

So manchen Googler, wie die Mitarbeiter des Konzerns sich selbst nennen, treibt aber wohl die Frage um, wie fair seine Vergütung in Wahrheit ist. Eine US-Mitarbeiterin, über die Spiegel Online kürzlich berichtete, griff kurzerhand zu einer ziemlich pragmatischen Methode, um das herauszufinden: Sie verschickte eine Excelliste an ihre Kollegen, die ihre Gehälter darin eintrugen und untereinander teilten.

Beim Management kam dieser Vorstoß offenbar nicht so gut an: Die Mitarbeiterin sei zu ihrem Chef zitiert worden, heißt es bei Spiegel Online. Zudem sei ihr ein versprochener Bonus gestrichen worden. Mittlerweile hat sie angeblich das Unternehmen verlassen.

Die Mehrheit hält ihre Vergütung für unfair

Auch außerhalb des Google-Konzerns treibt offenbar viele Mitarbeiter der Verdacht um, nicht gerecht bezahlt zu werden: Eine aktuelle Studie des Unternehmensberaters Hay Group kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit ein Großteil der Beschäftigten die eigene Vergütung als nicht fair wahrnimmt. Ein Drittel stimmt gar der Aussage zu, dass in anderen Firmen die gleiche Arbeit besser bezahlt wird.

In Deutschland sind die Lager geteilt: Hierzulande glaubt immerhin knapp die Hälfte der befragten Mitarbeiter (49 Prozent), dass sie fair bezahlt wird. Die andere Hälfte empfindet ihre Vergütung dagegen als unfair.

Die Berater von der Hay Group stützen sich bei ihrer Studie auf die Antworten von insgesamt rund drei Millionen Mitarbeitern weltweit.

Leistungsgerechte Vergütung in der Kritik

Gerade das Konzept der leistungsgerechten Vergütung bewerten die Arbeitnehmer demnach kritisch: 42 Prozent der befragten Deutschen glauben, dass sich eine bessere Leistung nicht in einer höheren Bezahlung niederschlägt, weltweit sind es sogar nur 31 Prozent.

Die Studienautoren warnen, dass eine unfaire Behandlung, egal ob real oder wahrgenommen, zu einer Minderung des Mitarbeiter-Engagements und im schlimmsten Fall sogar zur Kündigung führen kann.

Zusatzleistungen besser kommunizieren

Auf das Engagement der Mitarbeiter könne sich jedoch nicht nur ein faires (oder eben unfaires) Gesamt-Gehaltspaket auswirken, sondern auch einzelne Vergütungsleistungen, schreiben die Studienautoren: So gaben 54 Prozent der Befragten an, dass kurzfristige finanzielle Anreize einen hohen Einfluss auf ihr Engagement haben. Direkt dahinter folgen Nebenleistungen und Vergünstigungen mit 48 Prozent.

"Viele Unternehmen wissen jedoch nicht, dass Mitarbeiter neben Grundgehalt und kurzfristigem Bonus andere Vergütungsbestandteile häufig nicht wahrnehmen", warnen die Autoren. "Dagegensteuern kann ein Unternehmen, indem es das Gesamtpaket und -system in vollem Umfang an seine Mitarbeiter kommuniziert", rät Thomas Haussmann, Senior Vice President der Hay Group.

Schlagworte zum Thema:  Vergütung, Engagement, Mitarbeitermotivation

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