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| Nebenleistungen

Vergütung nach dem Motto "One Size Fits All" veraltet

Britische Arbeitnehmer haben mehr Wahlmöglichkeiten in ihrer Vergütung.
Bild: PhotoDisc Inc.

Schon länger fordern Wissenschaftler und vermehrt auch Praktiker, Personalinstrumente individueller zu gestalten. Die Lebenssituation der Arbeitnehmer soll besser abgebildet werden. Das gilt auch für die Vergütung. Doch deutsche Unternehmen scheinen den britischen hier noch um einiges hinterherzuhängen.

Ganze 70 Prozent der Unternehmen in Großbritannien bieten ihren Mitarbeitern flexible Benefits an – in Deutschland sind es dagegen nur sieben Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommen zwei Untersuchungen von Aon Hewitt in diesen Ländern. Im Vergleich zur Vorgängerstudie 2011 ist das Angebot in der Bundesrepublik zudem nur um einen Prozentpunkt gestiegen, wohingegen das Vereinigte Königreich einen Anstieg von acht Prozent seit der letzten Messung 2012 verzeichnet. "Deutsche Unternehmen vertun damit eine große Chance, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und das Mitarbeiterengagement zu fördern", kommentiert Fred Marchlewski, Geschäftsführer von Aon Hewitt, die Ergebnisse.

Vergütungsbestandteile individuell gestalten

Flexible Benefits erlauben dem Mitarbeiter, innerhalb eines festgesteckten Rahmens selbst zu wählen, in welche der angebotenen Nebenleistungen er – in der Regel zu günstigeren Preisen als auf dem freien Markt – investieren möchte. Dabei kann auch die Umwandlung von Teilen des Fixgehalts bis zu einer gewissen Grenze erlaubt sein.

Im Gegensatz zu einem starren Nebenleistungskatalog erhält der Arbeitnehmer die Möglichkeit, genau die Nebenleistungen zu wählen, die seiner Lebenssituation entsprechen. Denn im Laufe des Arbeitslebens ändern sich die Präferenzen jedes Menschen. Legen junge Mitarbeiter vielleicht noch viel Wert auf möglichst hohe Barauszahlungen, ist ein Arbeitnehmer mit Familie eher auf die Absicherung von Krankheit, Berufsunfähigkeit oder Unfällen bedacht. "Flexible Benefits bieten hier die optimale Lösung", meint Marchlewski. "In Deutschland setzen die meisten Unternehmen noch auf die 'One size fits all'-Taktik. Ob das in Zukunft noch erfolgreich sein wird, wage ich aber zu bezweifeln." Dabei koste es Unternehmen wenig Geld, Nebenleistungen zu flexibilisieren, zudem würden das Engagement und die Zufriedenheit der Mitarbeiter enorm gefördert, so der Aon Hewitt-CEO.

In England sind beispielsweise Software-Plattformen im Einsatz, die den administrativen Aufwand für Flexible Benefits nahezu eliminieren und von Arbeitnehmerseite her verständlich zu bedienen sind. Zu bestimmten Stichtagen überprüfen die Mitarbeiter ihr bestehendes Nebenleistungspaket selbstständig am Computer und passen es bei Bedarf an. Die Entscheidung wird dem Leistungsanbieter automatisch durch das System gemeldet, eine Schnittstelle im Unternehmen ist nicht nötig.

Verantwortung für die richtige Information der Mitarbeiter

Allerdings stehen die Unternehmen in der Verantwortung, ihre Mitarbeiter umfassend zu informieren. "„Sie müssen verstehen, was jede Entscheidung für oder gegen eine Nebenleistung mit sich bringt", erläutert Marchlewski. "Mehr Barauszahlung bedeutet zwar einen höheren Lebensstandard in der Gegenwart, aber auch beispielsweise weniger Betriebsrente im Alter." Daher ist es sinnvoll, gewisse Ober- und Untergrenzen festzulegen und damit eine Grundsicherung von beispielsweise Alters-, Risiko- und Gesundheitsvorsorge zu gewährleisten. Den kommunikativen Aufwand ersetzt das laut Marchlewski trotzdem nicht: "Die Befähigung der Mitarbeiter ist entscheidend für den Erfolg des Systems. Doch das Potenzial der Flexible Benefits ist den Aufwand Wert – und man positioniert sich dazu noch als ein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern zutraut, gewisse Entscheidungen selbstständig zu treffen."

Haufe Online Redaktion

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