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Koalition will den "Gender Pay Gap" gesetzlich bekämpfen

Für den gleichen Job unterschiedlich hohes Gehalt - das will die Koalition ausschließen.
Bild: JBC

Der bereinigte "Gender Pay Gap" für das Jahr 2012 liegt laut dem Statistischen Bundesamt bei sieben Prozent. Diesen Wert will die Koalition nun senken und hat einen Maßnahmenkatalog dafür erarbeitet. Die Unternehmen zeigen sich wenig begeistert.

Laut Medienberichten will die Koalition Unternehmen künftig gesetzlich dazu verpflichten, die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen abzubauen. Arbeitnehmer sollen den rechtlichen Anspruch erhalten, Auskünfte über Gehaltsunterschiede in ihrem Unternehmen einfordern zu können. Zudem sollen Unternehmen verpflichtet werden, anonymisierte Entgeltberichte vorzulegen. Als präventive Maßnahme sehen die Verhandlungspartner eine ausgewogene Besetzung der Tarifkommissionen mit Männern und Frauen vor.

Kritik vom BDA: Entgeltgleichheitsgesetz bringt zu viel Bürokratie

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) kritisierte die Pläne aus der Koalitionsverhandlung bereits: "Ein Entgeltgleichheitsgesetz, weitere bürokratische Regulierung oder die verbindliche Einführung von Lohnmessinstrumenten sind nicht erforderlich und belasten unnötig die Unternehmen", sagte ein Sprecher dem "Tagesspiegel".

Entgeltanalyse mit "Logib-D" und "EG-Check" bereits möglich

Zwei – bisher freiwillig anwendbare – Messinstrumente sind bereits auf dem Markt: Mit dem "Logib-D", den das Bundesfamilienministerium 2009 in Deutschland eingeführt hat, können Unternehmen überprüfen, inwiefern in ihrem Betrieb die Gehaltsstrukturen geschlechterneutral gestaltet sind. 2010 stellte die Hans-Böckler-Stiftung das Messinstrument "EG-Check" vor, den die Antidiskriminierungsstelle fördert. Damit sollen Arbeitnehmer, aber auch Unternehmen überprüfen können, ob bestimmte Entgeltbestandteile wie das Fixgehalt oder Erschwerniszuschläge geschlechtsneutral vergeben werden.  

Gerade erst haben die Deutsche Telekom, K + S sowie die Stadt München den "EG-Check" durchgeführt. Alle drei haben für die freiwillige Überprüfung  Engagement ein Zertifikat der Antidiskriminierungsstelle erhalten. Marion Schick, Personalvorstand der Deutschen Telekom sagte zu den Ergebnissen in ihrem Unternehmen: "Frauen werden bei uns für die gleiche Tätigkeit genauso gut bezahlt wie Männer. Die aktuelle Untersuchung hat unseren Anspruch bestätigt. Nichts anderes habe ich erwartet. Dennoch: Die Telekom ist ein großes und vielschichtiges Unternehmen. Deshalb werden wir das Thema auch künftig im Blick behalten, um die Lohngleichheit für Frauen und Männer weiterhin zu gewährleisten."

Analyse der Daten aus dem "Logib-D" zeigt stetige Entgeltlücke

Am Logib-D haben bisher 130 Unternehmen teilgenommen, berichtet ein Projektverantwortlicher des "Logib-D" im Personalmagazin, Ausgabe 10/2013. Die aus den Analysen gewonnenen Daten lassen auf eine bereinigte Entgeltlücke von vier bis fünf Prozent schließen. "Dieser Wert ist über alle Unternehmen hinweg sehr stabil und ist damit Ausdruck des gesellschaftlichen Umfelds oder typischer Handlungsmuster im HR-Umfeld" bewertete der Autor, Friedrich A. Fratschner, das Ergebnis im Personalmagazin.

Transparente Gehaltsstrukturen sorgen nicht unbedingt für Motivation

Inwiefern eine Offenlegung der Gehälter dazu beiträgt, diese Lücke zu schließen ist fraglich. Klar ist jedoch, dass eine solche Transparenz "nicht unbedingt positive Auswirkungen auf die Motivation" hat, wie Professor Dieter Frey im Interview mit der Online-Redaktion Personal bestätigte. "Die Motivation kann dann steigen, wenn man glaubt, in veränderbaren Welten zu leben", erklärte Frey. "Das hießt, dass man die Kriterien genau kennt, die man erfüllen muss, um ein höheres Gehalt zu bekommen und somit auch angespornt wird sich selbst schrittweise zu verbessern; das ist wieder motivierend."

Haufe Online Redaktion

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