| HR-Management

Unternehmen verschenken bei Weiterbildung Älterer Geld

Ältere Mitarbeiter schätzen den Ertrag ihrer Weiterbildung im Vergleich zu ihren jüngeren Kollegen weitaus geringer ein. Der Grund: Die Unternehmen gehen zu wenig auf die besonderen Bedürfnisse und Präferenzen der älteren Mitarbeiter ein, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Ältere Beschäftigte werden angesichts des demografischen Wandels für die Betriebe immer wichtiger. Immer mehr Unternehmen erkennen dies und sind bereit, auch in Mitarbeiter, die älter als 55 Jahre sind, zu investieren. Jedoch zahlen sich diese Investitionen für die Unternehmen bei Weitem nicht so stark aus, wie sie könnten. Einer der Gründe ist, dass nur etwa ein Fünftel aller Betriebe, die Ältere bei der Weiterbildung einbeziehen, auch deren spezielle Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt. So verfolgen Ältere bei ihrer Weiterbildung oft deutlich weniger ambitionierte Ziele und beurteilen den Ertrag der Fortbildung für sich selbst deutlich weniger optimistisch als jüngere Mitarbeiter.

 

Weiterbildungen müssen praxisorientiert gestaltet sein

"Die Betriebe sollten berücksichtigen, dass ältere Mitarbeiter auf ihre praktische Arbeitsumgebung zugeschnittene Weiterbildungsformen bevorzugen, über die sich neues Wissen schnell in die Praxis umsetzen lässt. Formelle und eher abstrakte Formen der Weiterbildung betrachten ältere Mitarbeiter dagegen mit Skepsis, da die Umsetzung von auf diesem Weg vermittelten Inhalten zumeist längere Zeit braucht und eher indirekten Nutzen bringt," sagt Prof. Dr. Thomas Zwick, Forschungsprofessor am ZEW und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität, München.

 

Selbst-organisiertes Lernen und Training-on-the-job deutlich effektiver

Training-on-the-job und selbst-organisiertes Lernen seien daher Lernformen, die bei älteren Beschäftigten deutlich effektiver seien als bei jüngeren. Die Präferenz für eine starke Praxisorientierung der Lernformen resultiere bei Älteren daraus, dass ihnen nicht mehr so viel Zeit im Betrieb verbleibe und sie auch weniger Aufstiegsmöglichkeiten hätten. Daher zahlten sich langfristige Maßnahmen für sie nicht mehr voll aus und seien weniger interessant.

 

Management- und Kommunikationstrainings besonders beliebt

Zwicks Untersuchungen, für die über 6.000 Weiterbildungsteilnehmer aus rund 150 Unternehmen in Deutschland befragt wurden, zeigen darüber hinaus, dass ältere Beschäftigte Weiterbildungsinhalte bevorzugen, bei denen sie mit ihrer Erfahrung punkten und die Qualität ihrer Arbeitsumgebung möglichst rasch verbessern können. Ein Beispiel hierfür sind Management- und Kommunikationstrainings. Bei völlig neuartigen und abstrakten Inhalten geraten ältere Mitarbeiter gegenüber jüngeren Weiterbildungsteilnehmern dagegen schnell ins Hintertreffen. Dies beeinträchtigt ihre Motivation für derartige Lerninhalte. Deshalb ist auch der Ertrag von abstrakten technischen oder informationstechnologischen Weiterbildungen für ältere Beschäftigte deutlich geringer als für Jüngere.

Aktuell

Meistgelesen