20.07.2012 | Familie und Beruf

Traditionelle Erwerbsmuster in Westdeutschland immer noch stark verankert

Mütter bleiben in Westdeutschland häufig zu Gunsten der Kinderbetreuung zu Hause.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Ostdeutsche Paare mit Kindern arbeiten beide häufiger Vollzeit als westdeutsche – unabhängig vom Alter der Kinder. Grundsätzlich ist die traditionelle Arbeitsverteilung noch ein beliebtes Modell in Westdeutschland, geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Jugendinstituts  e.V. hervor.

Die Daten der Studie "Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten" belegen, dass ostdeutsche Eltern nicht nur insgesamt deutlich häufiger egalitäre Erwerbsarrangements (beide Teilzeit oder beide Vollzeit) praktizieren als westdeutsche, sondern dass sie auch bemüht sind, dieses Arrangement in den unterschiedlichen Phasen der Familienentwicklung durchzuhalten.

Die Erwerbsmuster von Paaren in Ost- und Westdeutschland, in deren Haushalt keine Kinder leben, unterscheiden sich dagegen kaum voneinander: Bei rund 60 Prozent der Paare sind Mann und Frau in gleichem Umfang erwerbstätig, während in 30 Prozent der Fälle der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet. Nur bei etwa jedem zehnten kinderlosen Paar ist die Frau nicht erwerbstätig und der Mann der alleinige Ernährer.

Traditionelle Rollenverteilung im Westen noch häufig verbreitet

In Westdeutschland sind das traditionelle Modell (Mann Vollzeit, Frau nicht erwerbstätig) und das semi-traditionelle (Mann Vollzeit, Frau Teilzeit) die am häufigsten praktizierten Varianten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So sinkt der Anteil der Paare, bei denen beide entweder Teilzeit oder Vollzeit arbeiten, nach der Geburt eines Kindes in Ostdeutschland nur auf 45 Prozent, während er in Westdeutschland auf 12 Prozent schrumpft. Hier ist das semi-traditionelle Modell mit 45 Prozent die vorherrschende Vereinbarkeitsvariante. Über ein Viertel der westdeutschen Paare kehrt sogar vollständig zur traditionellen Arbeitsteilung zurück.

Teilzeit-Tätigkeit für ostdeutsche Mütter weniger eine Option

Mit einem noch nicht schulpflichtigen Kind sind Hausfrauen und Teilzeit arbeitende Mütter in Westdeutschland etwa gleich stark vertreten, bei schulpflichtigen Kindern überwiegt die Teilzeitarbeit von Müttern. Diese Korrelation von Erwerbsarrangement mit dem Alter des jüngsten Kindes zeichnet sich für ostdeutsche Mütter nicht beziehungsweise deutlich geringer ab. In Ostdeutschland dominiert die egalitäre Erwerbskonstellation in allen Altersstufen des jüngsten Kindes, gefolgt von der semi-traditionellen Variante. Eine Teilzeit-Tätigkeit entspricht in Ostdeutschland zudem nicht notwendigerweise dem gewünschten Erwerbsumfang, sondern ist häufig der Lage auf dem Arbeitsmarkt geschuldet.

Geringer Einfluss des Bildungsniveaus auf das Erwerbsverhalten

Ebenso wie das Alter des jüngsten Kindes deutlich geringeren Einfluss auf die Erwerbsarrangements von ostdeutschen gegenüber westdeutschen Eltern hat, hat auch das Bildungsniveau deutlich geringeren Einfluss auf ihr Erwerbsverhalten. Das heißt ostdeutsche Eltern jeden Bildungsniveaus bemühen sich, Beruf und Familie mit dem Partner egalitär zu vereinbaren. Westdeutsche Eltern orientieren sich dagegen noch deutlich stärker an der ganztägigen Anwesenheit der Mutter in der Familie, wenn Kinder unter sechs Jahren im Haushalt leben. Zwar erleichtert ein höherer Bildungsabschluss durch bessere materielle Bedingungen, moderne Einstellungen zum Mutterbild und zur Partnerschaft westdeutschen Müttern eine Erwerbsbeteiligung. Diese findet jedoch auch bei Akademikerinnen überwiegend in Teilzeit und nicht in Vollzeit statt.

Schlagworte zum Thema:  Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeitszeitmodell, Teilzeit

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