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25.02.2016 | Top-Thema Zukunftstalk "Wirtschaft + Weiterbildung"

Beispiele für Reflexionsräume

Kapitel
Felix Müller (Henley Business School) beschreibt im Video, wie die Führungskräfteentwicklung bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen helfen kann.
Bild: YouTube

Führungskräfte brauchen künftig vermehrt Reflexionsräume – auch außerhalb des klassischen Seminars. Darin sind sich die Diskussionsteilnehmer einig. Im vierten Kapitel unseres Topthemas nennen die vier Experten Beispiele, wie sie mit zeitgemäßen Formaten Raum für Reflexion schaffen.


Welche Beispiele für "mehr Reflexion" gibt es?

Schopen: Einer unserer Kunden wünschte sich letztes Jahr, dass die rund 80 Mitarbeiter einer neu gegründeten Abteilung sich einen Tag lang treffen sollten, um das Thema "Kommunikation" zu bearbeiten. Eine gute Kommunikation werde auch eine gute Zusammenarbeit untereinander zur Folge haben, so die Überlegung. Nach einer gründlichen Bedarfsanalyse entwickelten wir mit dem Kunden zusammen ein "Zirkeltraining": Vier Trainer sollten in vier verschiedenen Räumen vier Kommunikationsthemen aufbereiten. Zwei Themen liefen immer parallel. Jeder Teilnehmer durchlief an diesem Tag alle vier Themen – wobei es nicht wichtig war, in welcher Reihenfolge die Themen besucht wurden. Anschließend sollte entschieden werden, welche Personalentwicklungsmaßnahmen – unter Beachtung der Unternehmensziele – in Zukunft zur Vertiefung angeboten werden würden. Für das Zirkeltraining wurde im Vorfeld intensiv geworben. Es wurde sogar eine Werbeagentur eingeschaltet, um Plakate, Flyer und Handouts zu produzieren. Der Tag fand in einer attraktiven Eventlocation statt. Lernformate haben auch immer etwas mit "Erleben" und "Spaß" zu tun, aber natürlich muss das Lernziel erreicht werden.

Durlesser: Coverdale hat zum Beispiel die "Learning Company" entwickelt. Dies ist ein Seminar, das vier bis sechs Tage dauert und sich sehr gut für erfahrenere Führungskräfte eignet. Nach einer kurzen Phase, in der ein gemeinsames Verständnis zu Grundwerkzeugen in der Zusammenarbeit hergestellt wird, beginnen die Teilnehmer eine Firma zu betreiben, deren Ziel es ist, größtmögliches Lernen für alle Teilnehmer sicherzustellen. Die Teilnehmer können dabei unterschiedliche Rollen vom Geschäftsführer über den Projektleiter bis zum Fachexperten einnehmen, im Sinne einer kollegialen Beratung Lösungen für ihre Praxisthemen entwickeln und den Coach als Sparringspartner nutzen. Die Herausforderung für unsere Trainer besteht darin, dass sie nicht wissen, welche Themen auf sie zukommen, aber ihre lange Berufserfahrung hilft ihnen. Die Verantwortung für das Lernen liegt vor allem bei den Teilnehmern und das macht dieses Format so erfolgreich: Die Teilnehmer lernen besser, wenn sie an ihren eigenen Themen arbeiten und nur bei Bedarf von einem Trainer mit Input und Handlungsalternativen versorgt werden. Ich kann mir übrigens sehr gut vorstellen, dass es künftig noch viel öfter als heute dazu kommt, dass unternehmensübergreifend neue Austauschforen und insbesondere kollegiale Beratungen organisiert werden.


"Reflexion ist heute wichtig, da viele Unternehmen uns berichten, dass ihre Mitarbeiter und Führungskräfte auf die erhöhte Dynamik und Komplexität mit Entscheidungsmüdigkeit, Hochdelegieren und Stillstand reagieren."

Felix Müller, Henley Business School


Beck: Auch Mentoring kann ein starkes Format sein, um Menschen ins Berufsleben einzuführen und sie auch langfristig zum Beispiel als Führungskraft zu begleiten. Wir bilden firmeninterne Mentoren aus, weil es seit einiger Zeit eine gestiegene Nachfrage gibt und die Unternehmen Wert darauf legen, dass die Leistungsträger der Zukunft einen passenden Mentor finden, welcher eine gute, nachhaltige Beziehung zum Mentee gestalten kann. Ich möchte außerdem noch auf die alte Erkenntnis hinweisen, dass jeder Trend einen Gegentrend erzeugt. Der Gegentrend zur Digitalisierung ist für mich die Entschleunigung. Wir setzen ganz bewusst auch auf "Slow Learning". Diese besondere Form des Lernens entdeckt man als berufstätiger Mensch dadurch, dass man sich auf die richtige Art und Weise der Selbstreflexion widmet. Die richtige Art und Weise besteht nicht nur aus rationalem Denken, sondern auch aus einem emotionalen Nachspüren. Dazu braucht man Trainer, die Menschen durch ganzheitliche Reflexionsprozesse führen können. Der positive Effekt des "Slow Learning" auf das eigene Führungsverhalten sei sehr groß, da besonders nachhaltig, sagen unsere Kunden – insbesondere solche aus dem höheren Management.

Müller: Reflexion ist heute wichtig, da viele Unternehmen uns berichten, dass ihre Mitarbeiter und Führungskräfte auf die erhöhte Dynamik und Komplexität mit Entscheidungsmüdigkeit, Hochdelegieren und Stillstand reagieren. Wir haben uns wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt und dabei festgestellt, dass Reflexion, die Zeit und Raum zum Denken und Fühlen gibt, dem Menschen den Zugang zu seinen vollen Ressourcen eröffnet. Diesen Ansatz erleben Führungskräfte bei der Henley Business School unter anderem im zweitägigen Seminar "Durch Reflexion Handlungsfähigkeit steigern" und in den firmenspezifischen Business-Transformation-Programmen.

Kapitel 5: Auswirkungen der Arbeit 4.0 auf die Weiterbildung

Digitalisierung, Weiterbildung, Personalentwicklung, Führung, Führungskräfteentwicklung

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