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Drei Tipps für das Social Media Recruiting

Ralph Dannhäuser gibt Tipps für das Social Media Recruiting.
Bild: Ralph Dannhäuser

Social Media Recruiting kann helfen, wenn Unternehmen nicht die besten Fachkräfte finden. Doch wie gelingt dies erfolgreich? Recruiting-Experte Ralph Dannhäuser nennt im Interview Tipps, worauf Personaler achten sollten, wenn sie Social Media Recruiting betreiben wollen.

Wie funktioniert Social Media Recruiting in der Praxis?

Ralph Dannhäuser: Ich unterscheide hierbei aktive und passive Maßnahmen im Social Media Recruiting. Beispiele für passive Maßnahmen sind professionelle Personen- oder Unternehmenspräsenzen, Online-Stellenanzeigen oder Banner-Werbung. Aktive Maßnahmen sind gezielte Kandidatensuchen, aktive Kandidatenansprachen, nachhaltiger Netzwerkaufbau, Empfehlungs-Marketing und Recruiting-Kampagnen innerhalb des Netzwerkes mit dem Ziel viraler Effekte. Die Abgrenzungen sind dabei fließend.

Viele Unternehmen nutzen bereits soziale Netzwerke, nur wenige schöpfen die Möglichkeiten aus. Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Dannhäuser: Oftmals mangelt es an der Strategie und an der intelligenten Verknüpfung in den bestehenden Recruiting-Mix. Unternehmen sollten bisher bespielte Kanäle rigoros auf den Prüfstand stellen und über Budgetverlagerung in neue Kanäle nachdenken. Vorher müssen allerdings die Hausaufgaben gemacht werden: Sie müssen prüfen, auf welchen Kanälen die potenziellen Kandidaten unterwegs sind und dann zunächst professionelle Präsenzen einrichten. Daneben gilt es auch, rechtliche Leitplanken zur Aufklärung der eigenen Mitarbeiter zu schaffen und endlich aus dem Dornröschenschlaf aufzuwachen. Das bedeutet: Von einer eher verwaltenden passiven Personalarbeit hin zu einer proaktiven, offenen und wertschätzenden Kandidatengewinnung.

Welche konkreten Tipps haben Sie für Personaler, die Social Media Recruiting betreiben wollen?

Dannhäuser: Mein erster Tipp: Erklären Sie Social Media Recruiting zur Chefsache. Social Media Recruiting muss in der Unternehmensstruktur angemessen aufgehängt sein, um es ernsthaft und erfolgreich zu betreiben. Social Media ist kein Azubi- oder Praktikantenthema, das nebenher gemacht werden kann. Erklären Sie Social Media Recruiting zur Chefsache, um den Strategieplan festzulegen und die notwendigen personellen, finanziellen und strukturellen Voraussetzungen intern zu schaffen. Benennen Sie einen "Social Media Referenten", der sich für die Umsetzung der Themen verantwortlich zeigt. Lassen Sie sich regelmäßig die Aktivitäten reporten. Das unterstreicht die Wichtigkeit dieses Projekts und zeigt, dass Sie als Chef dahinter stehen.

Haben Sie weitere Tipps?

Dannhäuser:  Ja: Steigern und kommunizieren Sie Ihre Arbeitgeber-Attraktivität. Gestalten Sie Ihren guten Ruf als Arbeitgeber aktiv mit. Was zeichnet Sie als Arbeitgeber aus? Was ist das Besondere an der Arbeitgebermarke? Zeigen Sie Ihre Vorteile auf und präsentieren Sie sich auf diesem Weg als interessanter Arbeitgeber. Nutzen Sie wirksame Bilder und authentische Videos, um Ihr Unternehmen anschaulich und professionell in den für Sie passenden Social-Media-Kanälen darzustellen. Mit einem guten Ruf als attraktiver Arbeitgeber und erhöhter Sichtbarkeit im Netz können Sie auf Dauer die Kosten für die Rekrutierung geeigneter Kandidaten senken.

Und noch mein dritter Tipp: Passen Sie Ihre Unternehmenskultur an. Die Schlagworte "fortschreitende Digitalisierung", "demografischer Wandel" und "Wertewandel durch die Generation Y" sind die entscheidenden Treiber für die einschneidenden Veränderungen in den Arbeitswelten der Unternehmen. Statussymbole und klassische Belohnungssysteme begeistern die anspruchsvollen Berufseinsteiger und Young Professionals eher nicht. Stattdessen werden bestehende Systeme und der Sinn der Arbeit hinterfragt und es wird kritisch geprüft, wie sich der Job mit den eigenen Interessen und Werten in Einklang bringen lässt. Dazu werden persönlicher Freiraum sowie zeitliche und räumliche Flexibilität vom Arbeitgeber gefordert. Diese neuen Gegebenheiten zwingen Unternehmen zum massiven Umdenken und Handeln. Auch und gerade im Umgang mit potenziellen Bewerbern, den internen Recruiting-Prozessen, der Unternehmenskultur, dem Führungsverhalten sowie dem vielfach zitierten "Employer Branding".


Ralph Dannhäuser ist Social-Media-Experte des IST-Studieninstituts, Autor von "Praxishandbuch Social Media Recruiting" sowie Geschäftsführer des Beratungsunternehmens On-Connect, das sich auf Social Recruiting und Marketing spezialisiert hat.

Haufe Online Redaktion

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