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Tarifstreit bei Airbus: Die wichtigsten Verhandler im Interview

Der Flugzeugbauer Airbus hat vor Kurzem einen heftigen Tarifkonflikt beendet. Ein solcher Streit nagt am Personaler-Image. Besonders Personalchef Joachim Sauer hatte dabei einiges einzustecken. Wie er trotzdem zu einer Einigung mit dem IG Metall-Verhandlungsführer Daniel Friedrich kam, erklären beide im Interview.

Haufe Online-Redaktion: Die Produktivitätssteigerung war der hart umstrittene Kern des Tarifstreits. Wie kam es trotzdem zur vereinbarten Steigerung, die deutlich über den bisherigen Planungszielen liegt?

Joachim Sauer: Nicht nur die Produktivitätssteigerung war der Kern des Tarifstreits, sondern im Gegenzug eine Beschäftigungssicherung bis 2020. Die Zusage einer Beschäftigungssicherung hängt aber nicht allein vom aktuellen Auftragsbestand ab. Wir dürfen nicht vergessen, dass die zugesagte Beschäftigungssicherung über einen Zeitraum von neun Jahren reicht. Ein so langer Zeitraum ist nicht sicher überschaubar. Die Vertragsparteien haben daher gewissenhaft abgeschätzt und diskutiert, in welchem Rahmen die verbindliche Sicherung der Beschäftigten erfolgen konnte. Beide Seiten haben sich hier aufeinander zubewegt.

 

Haufe Online-Redaktion: Wie sehen Sie das als Vertreter der Gewerkschaft, Herr Friedrich?

Daniel Friedrich: In festgefahrenen Situationen muss man in Verhandlungen auch um die Ecke denken können. Das ist uns gelungen und der Kompromiss lautet: keine feste Vorgabe bei der Produktivität und eine Revisionsmöglichkeit für Airbus nach fünf Jahren. Das hilft beiden Seiten und ist auch allen im Unternehmen als Lösung erklärbar.

 

Haufe Online-Redaktion: Wie kann die Produktivitätssteigerung praktisch umgesetzt werden?

Sauer: Die geplante Optimierung muss in erster Linie Qualität, Durchlaufzeiten und Produktivität betreffen. Dazu werden wir gemeinsam mit dem Betriebsrat einen Prozess umsetzen, der sich an einer sehr weitgehenden Beteiligung der Beschäftigten orientieren wird. Denn dies sind unsere Experten, sie wissen wo wir noch besser werden können.

 

Haufe Online-Redaktion: Für wie realistisch halten Sie diesen Plan aus Sicht der IG Metall?

Friedrich: Es steckt viel Potenzial im Wissen der Beschäftigten. In einem gemeinsamen, beteiligungsorientieren Optimierungsprozess wird es uns gelingen, Airbus produktiver zu machen, ohne den Druck auf die Beschäftigten zu erhöhen. Keiner soll schneller arbeiten müssen, aber effektiver. Das Zauberwort heißt "Beteiligung".

 

Haufe Online-Redaktion: Das Image der Personaler ist in den Unternehmen von Haus aus nicht das Beste. Derartige Tarifkonflikte nagen zusätzlich am Image. Wie gehen Sie damit um, Herr Sauer?

Sauer: Das Ergebnis der "HR-Image-Studie" sieht als eine Ursache für das schlechte Image von HR fehlende oder fehlerhafte Kommunikation. In den Verhandlung um den Zukunftstarifvertrag konnten wir unser Image stärken, indem wir regelmäßig und zeitnah alle Mitarbeiter über den Stand im Detail informiert haben – angefangen innerhalb des HR-Bereichs, so dass unsere Personaler aussagefähig waren, wenn sie von Fachbereichen angesprochen wurden. Ebenso wurden alle Führungskräfte für den Austausch mit ihren Mitarbeitern vorbereitet. Nicht zuletzt haben wir gemeinsam mit unserer Unternehmenskommunikation regelmäßig und zeitnah alle Mitarbeiter informiert.

 

Haufe Online-Redaktion: Zur Leiharbeitnehmerquote hat Airbus aber zwischenzeitlich keine Auskünfte an die Presse gegeben. Das entspricht keiner Image-förderlichen Kommunikation…

Sauer: Das Thema Zeitarbeitnehmer ist selbstverständlich ein sehr wichtiges Thema für unser Unternehmen. Aber, alles zu seiner Zeit: Während der Verhandlungen des Eckpunktepapiers zu unserem Zukunftstarifvertrag erschien es uns sinnvoller, zunächst intern zu einer Einigung zu kommen und dann ein für beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

 

Haufe Online-Redaktion: Auch Sie persönlich mussten im Tarifstreit einiges einstecken. Airbus-Mitarbeiter hielten zum Protest Karten hoch auf denen "sauer." zu lesen war. Auch das entspricht keinem guten Image.

Sauer: Nun, das war eine Vorlage, die mein Name mit sich bringt. Was meinen Sie, wie oft ich beim einchecken in ein Hotel den Satz gehört habe: "Sauer macht lustig."

 

Haufe Online-Redaktion: Die Gewerkschaften lassen Personaler gerne als eiskalte Verhandler dastehen. Lässt sich das ändern?

Friedrich: Ich teile die Einschätzung nicht und kenne auch keinen, der dies so sagt. Das Bild des Personalers wird während der "normalen" Arbeit geprägt, nicht in den Konflikten. Allerdings ist klar, ein Personaler darf nicht nur Erfüllungsgehilfe der Geschäftsleitung sein. Er braucht Entscheidungsspielraum, gegebenenfalls muss er sich diesen auch nehmen.

 

Haufe Online-Redaktion: Wie können Sie das HR-Image bei Airbus nun wieder stärken?

Sauer: Es geht nun eher darum, unser erlangtes HR-Image nachhaltig zu bestätigen, indem wir aufzeigen, dass wir das, was wir in unserem Eckpunktepapier erfolgreich  zum Zukunftstarifvertrag verhandelt haben, nun auch genauso effektiv und effizient umsetzen.

 

Das Interview führte Kristina Enderle da Silva.

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