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| Psychische Belastung am Arbeitsplatz

Deutsche sind gestresster als andere Europäer

Stress und andere psychische Leiden nehmen im Arbeitsleben zu.
Bild: Haufe Online Redaktion

Über 90 Prozent der Beschäftigten in Europa leiden unter Stress. Jeder 20. Arbeitnehmer wird wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig geschrieben. Zwar erfassen immer mehr Unternehmen die psychische Belastung ihrer Mitarbeiter, tun aber offenbar immer noch zu wenig dagegen.

Neun von zehn Beschäftigten (91 Prozent) in Europa leiden unter Stress. Das Stressempfinden der Deutschen liegt dabei auf Platz zwei. Nur die Polen sind noch gestresster. Am wenigsten gestresst sind die Schweizer und die Niederländer. Das ergab eine  europaweite Studie des IT-Service-Unternehmens ADP. Befragt wurden 11.000 Berufstätige in acht verschiedenen Regionen Europas.  Insgesamt gaben 44 Prozent der Befragten an, dass Stress am Arbeitsplatz ein ständiger Faktor sei und sie sich oft oder sehr oft gestresst fühlen. 47 Prozent leiden gelegentlich unter Stress.

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten leidet unter psychischer Belastung

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Forschungs- und Beratungsinstitut Great Place to Work in seinem Gesundheitsindex 2015. Die Zahlen von Great Place to Work besagen, dass 52 Prozent der befragten Beschäftigten sich am Arbeitsplatz psychisch belastet fühlen, fast ein Drittel davon stark. 28 Prozent fühlen sich von der Arbeit so sehr belastet, dass ihre Leistungsfähigkeit darunter leidet.

Jeder 20. Arbeitsnehmer wegen psychischen Leiden krankgeschrieben

Alarmierend sind auch die Zahlen des gerade veröffentlichten DAK-Psychoreports: Im vergangenen Jahr war hierzulande jeder 20. Arbeitnehmer wegen eines psychischen Leidens krankgeschrieben. Ausgehend von den Daten der Versicherten sind hochgerechnet 1,9 Millionen Berufstätige betroffen. Seit 1997 hat sich die Zahl der Fehltage wegen derartiger Diagnosen demnach verdreifacht. Die meisten Arbeitnehmer fehlten wegen Depressionen.

Nicht mehr psychisch kranke Menschen als früher

Experten zufolge nehmen Depressionen und andere seelische Leiden jedoch nicht zu, sondern werden lediglich besser erkannt und weniger stigmatisiert. Zudem würden bei der Studie wiederkehrende Erkrankungen bei einem Patienten möglicherweise mehrmals erfasst und letztlich die Fälle und nicht die Personen gezählt. Als Hauptursachen für die psychischen Leiden werden Arbeitsbelastung, private Gründe oder eine körperliche Krankheit angeführt. Berufsbedingte Erkrankungen durch Belastungen im Arbeitsleben würden allerdings tatsächlich zunehmen.

Immer mehr Unternehmen erfassen psychische Belastung der Mitarbeiter

Die Auswertungen im Rahmen des Corporate Health Award, dem führenden Wettbewerb zum nachhaltigen Betrieblichen Gesundheitsmanagement in Deutschland, haben gezeigt: Immer mehr Unternehmen erfassen die psychische Belastung, konkret tun dies  61 Prozent der für den Wettbewerb ausgewerteten Unternehmen. Die Erkenntnisse aus der Erfassung der psychischen Belastungen verwenden die Unternehmen nach eigenen Angaben in der Regel zur Optimierung des eigenen Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Mitarbeiter fühlen sich durch Arbeitgeber nicht genügend unterstützt

Doch offenbar reichen die Bemühungen der Unternehmen nicht aus. Die für die eingangs erwähnte ADP-Studie befragten Beschäftigten sind der Ansicht, dass sie von ihren Arbeitgebern kaum Hilfestellung zur Bewältigung der Belastung erhalten. Ein Viertel fühlt sich vom Arbeitgeber beim Umgang mit Stress nicht unterstützt, ein Fünftel (19 Prozent) denkt gar, dass sich ihr Arbeitgeber der hohen Stressbelastung nicht einmal bewusst ist. Und fünf Prozent der Arbeitnehmer erwägen angesichts der Belastung einen Arbeitsplatzwechsel. Im Rahmen des Gesundheitsindex 2015 von Great Place to Work gaben sogar 9 Prozent der Befragten an, dass sie unter den jetzigen Belastungen ihre Arbeit in  drei Jahren nicht mehr ausführen könnten.

Flexible Arbeitszeitregelungen gewünscht

Zum Schutz vor Stresserkrankungen und Burnout wünschen sich viele Mitarbeiter ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben. Flexible Arbeitszeitregelungen und vielfältige Arbeitsaufgaben sind daher entscheidende Faktoren zur Entlastung und Motivation von Mitarbeitern.

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