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| Führung

Studie zeigt Führungskräfte im Zwiespalt

Gerade jüngere Frauen sind hoch engagiert in der Führung.
Bild: Onyx/F1online

Wenn es um die eigene Überzeugung geht, stellen Führungskräfte diese in ihrem beruflichen Handeln oft zurück. Dies ist ein Ergebnis der Studie "Verantwortungsvoll führen" der Akademie für Führungskräfte. Die meisten streben es aber an, Vorbild zu sein.

In der Studie gaben 82,1 Prozent der Befragten geben, im Berufsleben schon einmal entgegen ihrer eigenen Überzeugung handeln zu müssen. Was für die eigene Person gilt, spiegelt sich in der Einschätzung des eigenen Vorgesetzten. 32,9 Prozent meinen, ihr Chef verhalte sich ab und zu moralisch fragwürdig, sechs Prozent meinen, dies sei überwiegend der Fall. 61,1 Prozent beurteilen das Verhalten ihres Chefs allerdings überwiegend als korrekt.

Die gute Nachricht: 94,8 Prozent von 443 befragten deutschen Führungskräften empfinden es nicht als Last, im Beruf Verantwortung zu tragen. Eine Aufgabe mit Folgen: So sind 98,8 Prozent der Ansicht, dass Führungskräfte Vorbilder sein sollten. 21,3 Prozent räumen aber ein, ihre Arbeitsweise bzw. -auffassung sei nicht immer vorbildlich, 14,5 Prozent geben zu, dass sie im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen nicht immer mustergültig handelten.

Hohes persönliches Engagement legen besonders Frauen unter 40 an den Tag. In dieser Altersgruppe der weiblichen Führungskräfte behaupten fast 85 Prozent, hoch engagiert zu sein. Jüngere Führungskräfte (54,6 Prozent) sehen sich freundlicher als ältere (39 Prozent). Bei den weiteren Faktoren, die das Handeln im Berufsalltag bestimmen, belegen Rücksichtnahme und Sparsamkeit die hinteren Plätze.

Ziel der Führungskräfte: Anerkennung, Erfolg, Loyalität

Wonach streben Führungskräfte, wovon lassen sie sich leiten? Diese Frage beantwortete jede zweite befragte Führungskraft mit Anerkennung, Erfolg und Loyalität. Fast ebenso wichtig ist der Wunsch nach Unabhängigkeit und die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Dingen sowie der Spaß im Alltag (43,3 Prozent). Tugenden wie Gehorsam oder Tradition und Mäßigung sind dagegen kaum von Bedeutung.

Die starke Identifikation mit ihrem Unternehmen und den Unternehmenswerten von 79,6  Prozent der Befragten ist nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Umgekehrt bedeutet das, 17,7 Prozent können sich nur in geringem Maße identifizieren, ein Prozent gar nicht. Zwar wünschte sich nahezu jeder Dritte Befragte, sein Unternehmen müsse mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, gleichzeitig sieht man die vorhandenen Corporate-Social-Responsibility-Projekte jedoch skeptisch. 79,5 Prozent trauen ihren Unternehmen demnach nicht zu, diese Projekte uneigennützig zu verfolgen sondern sehen dahinter die Absicht einer positiven Außendarstellung im Sinne des Grundsatz "Tue Gutes und rede darüber".

Vorbilder für Führungskräfte fehlen

Für die Auswahl als Arbeitgeber spielt der moralische und ethische Ruf eines Unternehmens für 64 Prozent keine oder nur eine geringe Rolle. Konkret nach Beispielen für besonders verantwortungsvolle Unternehmen gefragt, entfielen 17 Stimmen auf die Aussage: "Es gibt kein besonders verantwortungsvolles Unternehmen", 16 Stimmen wählten "Weiß nicht". Den dritten Platz teilten sich die Robert Bosch GmbH und die DM Drogeriemärkte mit jeweils zwölf Stimmen. Bei den persönlichen Vorbildern sieht es ähnlich aus. "Es gibt keinen, den ich als Vorbild sehen würde" landete mit 43 Stimmen auf Platz eins, gefolgt von Altkanzler Helmut Schmidt (37 Stimmen), Kanzlerin Angela Merkel (18 Stimmen) und Altbundespräsident Richard von Weizäcker (15 Stimmen), die auch schon in einer Studie zum Thema Führungsrollen aus dem Jahr 2009 erste Plätze belegten.

Haufe Online Redaktion

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