30.05.2011 | HR-Management

Studie: Frauenquote nicht starr für alle Berufe festlegen

Die Wirtschaft sträubt sich größtenteils gegen eine generelle Frauenquote. Und das zu Recht, belegt eine Studie. Die Empfehlung: Die Quote soll nach Berufsbild und tastsächlich vorhandenem Potenzial differenziert festgelegt werden. Dann kann sie sogar in einigen Berufen über 50 Prozent liegen.

Die Studienautorin kommt zu einer prägnanten Empfehlung: Es sei dringend angeraten, über eine potenzialadäquate Geschlechterquote differenziert nach Berufsbildern nachzudenken, um der Wirtschaft das bis heute ungenutzte weibliche Führungspotenzial zugänglich zu machen.

Die Kernergebnisse: In den vergangenen Jahren steigt die Zahl potenzieller weiblicher Führungskräfte sowohl absolut als auch relativ zum männlichen Führungskräftenachwuchs kontinuierlich an. Insbesondere in den natur- und rechtswissenschaftlichen Studienrichtungen sind die größten Zuwachsraten in den potenzialadäquaten Frauenquoten zu beobachten: In den Naturwissenschaften beträgt eine gerechte Quote für die Beförderung weiblicher Führungskräfte im Jahr 2009 51,2 Prozent, in den Rechtswissenschaften sind es 59,5 Prozent. Diese Quoten liegen über dem Frauenanteil an allen Absolventen der beiden Fachrichtungen und sind von 2003 bis 2009 sprunghaft angestiegen.

 

Frauenquote in der unteren Führungsebene kein Thema

In der Privatwirtschaft wird die theoretische Quote von Frauen in den unteren Führungsebenen heute übertroffen. Nach den in der Langzeitstudie erhobenen Daten und gemäß den Fächeranteilen unter den Führungskräften in der Wirtschaft sollte 2003 der Anteil weiblicher Führungskräfte 29,6 Prozent betragen – der reale Anteil auf den unteren Managementebenen lag in 2008 bereits bei 39 Prozent. Das bedeutet: Die geschlechtsspezifische Problematik beginnt in der Wirtschaft erst ab dem mittleren Management.

Dass es vor allem in höheren Hierarchieebenen kaum Veränderungen im Frauenanteil gibt, liegt laut der Studie an verschiedenen Gründen: Einerseits in psychologischen Barrieren durch die immer noch herrschenden Geschlechterstereotypen. Andererseits sollte aber auch berücksichtigt werden, dass sich die Lebensziele von Frauen und damit ihre Motivation zum Aufstieg in Führungspositionen verändern. Dabei ist sowohl eine Steigerung der Aufstiegsmotivation, wie zum Beispiel aufgrund einer Veränderung der Lebensziele hin zu einer höheren Bedeutung von Macht und Einfluss, als auch ein Absinken der Führungsaspiration denkbar.

 

Über die Studie

Die Studie, die im Rahmen einer Bachelor-Arbeit von Fabiola Gerpott an der Ruhr-Universtität Bochum, durchgeführt wurde, basiert auf der zwischen 2003 und 2009 von der Eligo GmbH und dem Unicum Verlag durchgeführten Absolventenstudie, bei der 20.928 Personen befragt wurden. Die Befragung zeigte auf, welche beruflich relevanten Lebenszielen bzw. Befriedigungspotenziale die Absolventen haben und wie hoch ihre Führungskompetenzen sind.

Aktuell

Meistgelesen