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Sommerurlaub: Gute Zeit, schlechte Zeit

Tauchen Mitarbeiter in den Urlaub ab, sind ihre Kollegen oft unter Wasser – und anschließend selbst reif für die Insel.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die wenigsten Mitarbeiter denken im Urlaub an die Arbeit – und wer dies tut, empfindet dies meist nicht als Belastung, ergab eine Umfrage. Gleichzeitig herrscht derzeit in deutschen Büros weniger Entspannung: Die Ferienzeit bedeutet nämlich jede Menge Stress für die Urlaubsvertreter.

Dieser Tage dünnen die Belegschaften in deutschen Büros langsam, aber stetig aus: Immer mehr Mitarbeiter treten ihren Sommerurlaub an. Für die meisten endet der Gedanke an die Arbeit laut einer Umfrage in dem Moment, in dem die Kollegen ihnen einen schönen Urlaub wünschen: Demzufolge denkt nur rund ein Fünftel der Arbeitnehmer im Urlaub immer oder oft an ihre Arbeit; ein weiteres Viertel immerhin gelegentlich.

Bei einem Viertel klingelt das Handy dienstlich

Dass ihre Gedanken nicht gänzlich frei von Arbeitsthemen sind, hat bei rund einem Viertel der Befragten eine simple Erklärung: Denn so viele berichten davon, zumindest gelegentlich in den Ferien von Arbeitgeber, Kollegen oder Kunden kontaktiert zu werden.

Das scheint die meisten jedoch nicht weiter zu stören – nur ein Siebtel derjenigen, die im Urlaub an die Arbeit denken, geben an, sich davon stark belastet zu fühlen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die im Rahmen der Präventionskampagne "Denk an mich. Dein Rücken" durchgeführt wurde.

Urlaub für die einen, Überstunden für die anderen

Wer im Urlaub nicht nur an die Arbeit denkt, sondern auch tatsächlich arbeitet, tut dies meist aus Pflichtgefühl oder weil dringliche Aufgaben anstehen, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Zehn Prozent der Befragten geben an, dass sie damit die Erwartungen von Arbeitgeber, Kunden oder Kollegen erfüllen.

Der Gedanke an die Kollegen hat wohl durchaus seine Berechtigung: Denn laut einer Studie der Online-Plattform Upwork, über die die Wirtschaftswoche online berichtet, bedeutet der Urlaub von Kollegen für die im Büro Gebliebenen vor allem eins: Überstunden. Eine große Mehrheit von 95 Prozent der 1.102 befragten deutschen Büroarbeiter beklagt sich darüber, dass sie die Arbeit der Kollegen mit erledigen muss, wenn diese abwesend sind. Und das nicht zu knapp: Durchschnittlich leistet die Stallwache einen kompletten zusätzlichen Arbeitstag pro Woche, schreibt die Wirtschaftswoche.

Mittelmanager leiden unter ihrer "Sandwichposition"

Anders als die Arbeitnehmer auf Mitarbeiterebene, denen es laut der erstgenannten Umfrage mehrheitlich gut gelingt, im Urlaub das Handy aus- und die Gedanken an die Arbeit abzuschalten, bleiben viele Führungskräfte auch im Urlaub dauererreichbar. Eine Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) in Kooperation mit der Unfallkasse Hessen hat ergeben, dass vor allem die mittlere Führungsebene durch die Erreichbarkeit in der Freizeit belastet wird, da die Mittelmanager in ihrer "Sandwichposition" oft für höhere Vorgesetzte und Beschäftige gleichermaßen erreichbar sein müssen.

Tipps für entspanntere Führungskräfte

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (Inqa) hat sich dieses Problems pünktlich zur Urlaubszeit angenommen und gibt Tipps, wie Führungskräfte aus diesem Dilemma herausfinden.

  • Fragen Sie sich zuerst: Wie verhalte ich mich selbst in Bezug auf Erreichbarkeit? Was erwarte ich von mir selbst? Was erwarte ich von meinem Team?
  • Falls Sie das Gefühl haben, immer erreichbar sein zu müssen: Woran liegt das? Haben Sie Angst, dass Ihr Team in Ihrer Abwesenheit falsche Entscheidungen trifft? Üben Sie, Verantwortung abzugeben und Ihrem Team zu vertrauen. Arbeiten Sie darauf hin, dass Ihr Team auch ohne Sie weiß, welche Entscheidungen zu treffen sind.
  • Sorgen Sie für gute Übergaben: Klären Sie vor Ihrem eigenen Urlaub, welche Aufgabeanfallen und wer wofür zuständig ist. Leiten Sie auch die Beschäftigten dazu an, alle nötigen Informationen weiterzugeben und Aufgaben in Absprache mit Ihnen zu verteilen.
  • Teilen Sie Ihrem Team mit, was Sie erwarten. Sagen Sie den Beschäftigten, dass ständige Erreichbarkeit nicht erforderlich ist und legen Sie Fälle oder Szenarien fest, in denen Erreichbarkeit nötig sein könnte. Diskutieren Sie diese mit dem Team, um zu einer Vereinbarung zu kommen.
  • Seien Sie Vorbild: Sind Sie selbst immer erreichbar, wirken Sie unglaubwürdig, wenn Sie Ihren Beschäftigten sagen, dass Sie das von ihnen nicht erwarten.

Nicht gerade vorbildlich, aber zumindest effektiv gegen ständige Erreichbarkeit ist die Methode, die Arbeitnehmer in einer Studie von Yougov im Auftrag des Telekommunikationsanbieters Tele 2 verraten haben: Demnach fahren 40 Prozent der 1.000 Befragten die Strategie, ihren Chef nicht zurückzurufen, wenn dieser sie in ihrer Freizeit telefonisch kontaktiert.

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Haufe Online Redaktion

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