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Aussagekräftige Formulierungen statt hohle Phrasen: Darauf kommt es bei der Gestaltung von Stellenanzeigen an. Bild: Pixabay

Viele Stellenanzeigen sind handwerklich schlecht umgesetzt. Sie sind austauschbar, unprofessionell und lustlos getextet. Welche Fehler häufig gemacht werden und wie eine ansprechende und gleichzeitig rechtsichere Formulierung aussieht, erfahren Sie hier.

Die meisten Stellenanzeigen sind aus handwerklicher Perspektive mangelhaft: voller Füllwörter, Bandwurmsätze und Substantivierungen. So lautet das Fazit einer Studie der Unternehmensberater Manfred Böcker und Sascha Theisen. Sie haben zusammen mit dem Semantik-Spezialisten Textkernel 120.000 Stellenanzeigen von 500 Unternehmen sprachlich ausgewertet und technisch analysiert.

Stellenanzeigen strotzen vor Phrasen

Dabei stellen sie fest, dass viele Stellenanzeigen vor Phrasen strotzen. Arbeitgeber glauben offenbar, Bewerber auf sich aufmerksam machen zu können, indem sie in ihren Stellenanzeigen auf Füllwörter, vorgestanzte Wortbausteine und ungelenke Substantivierungen setzen. Bereits im Vorjahr kamen die Studienautoren zu dem Ergebnis, dass Stellenanzeigen oft ein "Füllhorn an generischen Werbephrasen" enthalten.

Texte in Stellenanzeigen austauschbar

Auch Umfragen in der Generation Y haben gezeigt, dass potenzielle Bewerber die sprachliche Monotonie in Stellenanzeigen bemängeln. Neun von zehn Befragten in einer Umfrage des Karriere-Netzwerks Absolventa finden, dass die immer gleichen Begrifflichkeiten die Unternehmen austauschbar erscheinen lassen, was wiederum 85 Prozent stört. Diese Sichtweise führt zu einem ernsten Verständigungsproblem zwischen Arbeitgebern und Kandidaten, von denen satte 83 Prozent kaum verstehen, was im Rahmen der Ausschreibungen eigentlich von ihnen erwartet wird.

Bizarre Jobtitel: Rockstar, Evangelist, Wizard

Verständigungsprobleme sind das Eine - die Auffindbarkeit der Stellenanzeige das Andere. Auch diese ist stark von den gewählten Formulierungen in der Stellenanzeige abhängig. Abstruse Stellentitel, wie sie immer häufiger zu finden sind, führen dazu, dass potenzielle Bewerber die Stellenanzeige gar nicht finden. Textkernel hat sie schrillsten Beispiele unter den Stellenbezeichnungen gesammelt und in einer Infografik zusammengestellt. Unter anderem sollen bizarre Jobtitel wie Ninja, Rockstar oder Animal die Bewerber ködern.

Eine zeitlang haben die HR-Blogger Henner Knabenreich und Jannis Tsalikis sogar einen Wettbewerb rund um peinliche Personalmarketing-Maßnahmen veranstaltet und unter anderem für die schlechteste Stellenanzeige "Die goldene Runkelrübe" verliehen.

Vorsicht vor Diskriminierung

Sind die oben genannten Beispiel in erster Linie zum Lachen, so ist Schluss mit lustig, wenn die Formulierungen in Stellenanzeigen gegen geltendes Recht verstoßen. Hier ist vor allem Vorsicht vor dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geboten. Falsch oder ungünstig formulierte Stellenanzeigen können den Verdacht einer unzulässigen Benachteiligung erwecken und führen im Falle einer Klage von abgelehnten Bewerbern zu Schadenersatz, und zwar auch dann, wenn die Stellen letztlich gar nicht besetzt wird.

Rechtssichere Formulierung der Stellenanzeige

Im Hinblick auf das Diskriminierungsverbot ist in erster Linie darauf zu achten, dass die Stellenausschreibung geschlechtsneutral erfolgt sowie keine Altersdiskriminierung darstellt. So wurden beispielsweise Begriffe wie "Berufseinsteiger" oder "Young Professionals" von Arbeitsgerichten teilweise als diskriminierend eingestuft. In einem neueren Urteil entschied allerdings das LAG Baden-Württemberg, dass Begriffe wie "Berufseinsteiger" oder "Junior Consultant" keine Benachteiligung im Sinne des AGG darstellen. Auch eine gezielte Suche nach weiblichen Mitarbeitern kann in bestimmten Fällen zwar zulässig sein, wie der Fall eines Autohauses vor dem Arbeitsgericht Köln gezeigt hat. Dennoch wurde die geschlechtsspezifische Formulierung in der betreffenden Stellenanzeige als diskriminierend eingestuft. Bei Formulierungen, die auf das Geschlecht oder das Alter Bezug nehmen, ist also in Stellenanzeigen grundsätzlich Vorsicht geboten, um auf der sicheren Seite zu sein.

Stellenanzeigen texten: So machen Sie es richtig

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Schlagworte zum Thema:  Stellenanzeige, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), Recruiting

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