Die Arbeitslosigkeit sinkt und die Besetzungszeit steigt an. Dass sich die Personalsuche in Deutschland in die Länge zieht, wird durch eine Forsa-Studie bestätigt: Fast drei Viertel der befragten Personalleiter brauchen mehr Zeit, um eine freie Stelle besetzen zu können.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im November 2018 auf ein Rekordtief gesunken. Dadurch spitzt sich auch die Lage für Arbeitgeber weiter zu: Laut einer Forsa-Studie im Auftrag von Xing E-Recruiting benötigen über zwei Drittel der 200 befragten Personalleiter länger als drei Monate, um eine Führungsposition zu besetzen. 73 Prozent der Befragten verzeichnen in den vergangenen fünf Jahren einen Anstieg der Besetzungszeit (Time-to-Hire). Darüber hinaus geben 30 Prozent an, dass ihre Time-to-Hire sogar „stark angestiegen“ ist.

Führungskräfte sind besonders schwer zu finden

Die Hälfte der befragten Personalleiter (51 Prozent) benötigt drei bis sechs Monate, um offene Stellen für Führungskräfte zu besetzen. Zehn Prozent schaffen es erst in sechs bis neun Monaten und weitere sechs Prozent veranschlagen bis zu einem Jahr für eine erfolgreiche Stellenbesetzung.

Bei Fachkräften sind die Herausforderungen ähnlich groß, wenn auch nicht ganz so dramatisch. 66 Prozent der befragten Personaler können offene Positionen bereits in weniger als drei Monaten besetzen.

Die Besetzungszeit nimmt zu, die Recruitingkosten sind hoch

Über alle Hierarchieebenen und Tätigkeitsprofile hinweg rechnet die große Mehrheit von 77 Prozent der Befragten, dass die Besetzungszeit in den nächsten fünf Jahren weiter steigen wird. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass auch die Recruitingkosten hoch sind.

29 Prozent der Befragten geben zwischen 20.000 und 50.000 Euro für die Gewinnung einer Führungskraft aus. 27 Prozent benötigen zwischen 10.000 und 20.000 Euro und 22 Prozent lediglich 5.000 bis 10.000 Euro. Zwei Prozent der Unternehmen geben sogar 50.000 bis 100.000 Euro für das Recruiting einer Führungskraft aus.

Bei Fachkräften fallen die Kosten etwas geringer aus. 55 Prozent – und damit die klare Mehrheit der Personalleiter – können ihre Fachkräfte-Positionen mit weniger als 5.000 Euro besetzen.

Kein Wunder: Bei ITlern und Ingenieuren steigt die Time-to-Hire

Besonders schwierig gestaltet sich die Personalsuche bei IT-Fachkräften und Ingenieuren. In diesen Tätigkeitsbereichen ist die Time-to-Hire laut 68 Prozent beziehungsweise 62 Prozent der Personaler in den vergangenen Jahren angestiegen. Auch im Vertrieb (42 Prozent), Management (42 Prozent) und Projektmanagement (38 Prozent) hat die Time-to-Hire zugenommen. Bei Marketing- und Controlling-Jobs sowie HR-Stellen ist die Time-to-Hire laut den Befragten in den vergangenen Jahren eher konstant geblieben.

Externe Faktoren gelten als Ursache, aber auch fehlende Ressourcen und veraltete Tools

Als Ursachen für die steigenden Besetzungszeiten nennen die Befragten vornehmlich externe Faktoren: den Fachkräftemangel (90 Prozent) und die Gehaltsforderungen der Kandidaten (64 Prozent). Als interne Faktoren machen 51 Prozent der Personaler fehlende Ressourcen im Recruiting aus. Jeweils 45 Prozent sehen sich durch interne Prozesse und Strukturen behindert sowie durch veraltete Recruiting-Tools.

Viele Recruiter arbeiten im Blindflug, ohne Kennzahlen

Das Erfassen von Recruiting-Kennzahlen kann ein wichtiger Hebel sein, um Problemfelder zu identifizieren und die eigene Personalgewinnung zu optimieren. Doch 29 Prozent der befragten Personaler geben unumwunden zu, dass sie überhaupt keine Kennzahlen im Recruiting erfassen und nutzen. Insbesondere in mittelständischen Unternehmen mit 200 bis 500 Mitarbeitern wird laut Umfrage ohne Recruiting-Kennzahlen gearbeitet. Diese Unternehmen vergeuden die Chance, das eigene Recruiting zu optimieren.


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Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Fachkräftemangel, Kennzahl