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| Stärkenprofile

Sind Angestellte zu angepasst für Innovationen?

Karrierecoach Svenja Hofert: Die Wirtschaftspsychologin hat 1.000 Stärkenprofile untersucht.
Bild: Svenja Hofert

Frauen sind die besseren Alltagsmanager, Männer hingegen haben es mit Zahlen leichter und punkten als Spezialisten. Angestellte agieren oft zu angepasst und wenig zukunftsorientiert. Dies sind zentrale Ergebnisse einer Stärkenanalyse von Karrierecoach Svenja Hofert.

Wen kennzeichnen welche Stärken? Welche Defizite sind für Frauen und Männer typisch? Wer sollte an sich arbeiten? Diesen Fragen ist Karrierecoach Svenja Hofert mithilfe ihres "Stärken-Navigators" nachgegangen. Mit dem Onlinetool hat sie rund 1.000 Stärkenprofile erstellt - und ist dabei zu interessanten Erkenntnissen gekommen.

Diplomatische Angestellte

Während Selbstständige eher Stärken haben, die mit kreativem und produktivem Denken zu tun haben, sehen Angestellte bei sich eher die Stärken, die für die Organisation von Alltagsabläufen und die Vermittlung zwischen Interessen relevant sind. Stärken, die bei Selbstständigen eher ausgeprägt waren, sind neben dem Querdenker auch der „Futurist“, der früh erkennt, wohin sich etwas entwickelt, Trends analysiert und diese in seine Arbeit integriert. Stärken, die bei Angestellten eher ausgeprägt sind, waren beispielsweise der „Vermittler“, der diplomatische Fähigkeiten hat, da er zwischen verschiedenen Interessen vermittelt, Wogen glättet und in schwierigen zwischenmenschlichen Situationen Lösungen findet. Auch der „Alltagsmanager“, der aktuelle Aufgaben bewältigt und sich praxisbezogen auf das Hier und Jetzt konzentriert, ist als Stärke spezifischer für Angestellte.

Querdenker und Futuristen

Selbstständige nehmen öfter eine gegensätzliche Haltung ein, vertreten Positionen gegen den Mainstream und erkennen Aspekte, die andere nicht sehen. Auch im Netzwerken sind sie besser als Angestellte. Selbstständige sind - anders als Angestellte - oftmals "Querdenker" und "Futuristen". "Eine Erklärung ist, dass viele von ihnen beratend tätig sind. Hier ist die Fähigkeit, Zukunftsthemen zu erkennen und zu besetzen, erfolgsrelevant“, so Karrierecoach und Autorin Svenja Hofert. Zudem würden Querdenker und Futuristen in Unternehmen schneller anecken. Sie hätten oft eine eigenwilligere Persönlichkeitsstruktur, die auch in den sogenannten Big Five - einem der anerkanntesten Persönlichkeitsmodelle weltweit - sichtbar wird.

Brachliegende Innovationspotenziale

Demnach besitzen viele Selbstständige eine höhere Offenheit für neue Erfahrungen, was mit dem „Futurist“ korreliere. Sie hätten zudem eine niedrigere Verträglichkeit bzw. Anpassungsbereitschaft, was sich in der Kombination aus hoher Offenheit für neue Erfahrungen und niedriger Anpassungsbereitschaft bemerkbar macht. Laut der Autorin des Buchs „Was sind meine Stärken?“ geht Unternehmen viel Innovationspotenzial verloren, da Angestellte angepasster sind und weniger zukunftsorientiert denken. Gerade in Zeiten der Digitalisierung sei dies aber überlebenswichtig. Dass Angestellte oft „weichere“ Stärken für sich erkennen, sieht Hofert darin begründet, dass diese häufig eine Persönlichkeit mit weniger Ecken und Kanten mitbrächten. Dazu gehöre unter anderem eben eine höhere Anpassungsbereitschaft.

Entwicklungschancen nutzen

"Die eigenen Stärken zu kennen, ist wichtig, denn Stärken machen uns einzigartig und besonders", macht Svenja Hofert nochmal bewusst. Den meisten fallen jedoch nur die üblichen Schlagworte ein, wenn sie nach ihren Stärken gefragt werden: Teamgeist, Organisationstalent, Kommunikationsstärke, Zuverlässigkeit, Kreativität, Empathie. "Eine Stärke ist jedoch erst dann wirklich eine Stärke, wenn sie charakteristisch ist für eine Person, wenn man die eigenen Stärken mag und weiterentwickeln möchte. Es geht somit um die 'wahren' Stärken", so die Hamburger Wirtschaftspsychologin. Wer seine eigenen Stärken ermitteln möchte, kann dies online unter www.worklifestyle.net tun.

Haufe Online Redaktion

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