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| E-Recruiting

Wo das softwaregestützte Recruiting heute steht

Recruiting über Social Media ist heute Standard.
Bild: Fotolia LLC.

Das Recruiting hat sich durch die Digitalisierung einschneidend verändert. Active Sourcing, Mobile Recruiting oder Candidate Experience Management sind nur einige Schlagworte. Wo softwaregestütztes Recruiting heute steht, erläutert Sören Frickenschmidt, Head of Recruiting bei Boehringer Ingelheim.

In Sachen Digitalisierung sind die Recruiter in Deutschland weiter, als sie sich selbst zugestehen: Online-Stellenanzeigen sind heute Standard und die Bewerbung per Post wird von vielen Unternehmen gar nicht mehr angenommen. Video-Interviews sind praxistaugliche Normalität und Active Sourcing über Business-Netzwerke ist in vielen Unternehmen zur Selbstverständlichkeit geworden. Allerdings gibt es noch zahlreiche digitale oder mobile Entwicklungen, die in der Recruiting-Praxis noch keine große Rolle spielen.

Active Sourcing und Social Recruiting fest verankert

Im Recruiting-Alltag vieler großer Unternehmen ist mittlerweile das Social Recruiting fest verankert. Allerdings arbeiten die Unternehmen hierbei selten mit ihrer Recruiting-Software, sondern eher mit den Recruiter-Lizenzen der großen Business-Netzwerke und Browser-Plugins.

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Auch die One-Click-Bewerbung wird immer alltagstauglicher: Für das so genannte "CV Parsing" und die Bewerbung mit einem Business-Netzwerk-Profil bieten viele Hersteller gute Lösungen. In diesem Feld ist heute nicht mehr die Technologie eine Hürde, sondern das Umdenken bei Recruitern und Führungskräften. Denn mit der One-Click-Bewerbung kommen im ersten Bewerbungsschritt weniger und unspezifischere Daten als früher beim Unternehmen an.

Beim Mobile Recruiting sind zumindest die der Bewerbung vorgelagerten Schritte gut abgedeckt: Responsive Karrierewebsites, die sich flexibel auf das jeweilige Anzeigegerät anpassen, und mobile Stellenanzeigen sind heute bei vielen Unternehmen im Einsatz.

Mobile Bewerbung: Hoffnungen wurden bislang enttäuscht

Zu den Themen, auf denen Hoffnung lag, die aktuell aber Ernüchterung und Enttäuschung auslösen, gehört die mobile Bewerbung. Obwohl die Technologie grundsätzlich vorhanden ist, tun sich die Unternehmen schwer, ihre Prozesse und Erwartungen an das anzupassen, was ein Kandidat mobil sinnvoll bereitstellen kann. Gleichzeitig ist bei den Bewerbern der Wunsch nach einer mobilen Bewerbungsmöglichkeit laut zahlreicher Studien nicht so ausgeprägt.

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Ebenfalls von seinem Zauber verloren hat das Thema „Generation Y“-Recruiting. Die Idee, Kommunikation und Ansätze auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Zielgruppen zuzuschneiden, ist sinnvoll. Aber die Unternehmen stellen fest, dass nicht so sehr der Geburtenjahrgang, sondern viel eher die Ausbildung und die Lebenssituation Einfluss auf die Präferenzen der Kandidaten haben. Zudem merken sie, wie viel Komplexität in dem Thema zielgruppenspezifische Ansprache steckt.

Big Data im Recruiting: Noch keine Relevanz für den Alltag

Zu den Themen, die aktuell heiß diskutiert werden, ohne in der Alltagspraxis große Relevanz zu haben, gehört „Big Data“. Ein Grund liegt darin, dass die meisten Personalabteilungen schon beim Erfassen einfacher Kennzahlen so dünn aufgestellt sind, dass hier noch ein weiter Weg zu gehen ist.

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Das automatisierte Matching gehört ebenfalls in die Kategorie „noch nicht wirklich produktiv“. Schon seit den ersten Tagen des E-Recruitings verliert die Vision der automatisierten Bewerberauswahl nicht an Beliebtheit, die Praxistauglichkeit fällt nach wie vor mager aus. Hier macht die Technologie zwar echte Fortschritte, doch viel zu häufig funktioniert sie am besten unter Laborbedingungen.

Candidate Experience: Analoge Berührungspunkte vernachlässigt

Auch das Thema "Candidate Experience" scheint in der Praxis noch eine lange, schleichende Entwicklung vor sich zu haben. Das Thema wird bislang noch zu stark auf die digitale Welt eingegrenzt. Dadurch geraten die großen Potenziale von analogen Berührungspunkten ins Hintertreffen.

 

Mehr zum Thema "Trends im Recruiting":

Den vollständigen Artikel von Sören Frickenschmidt, Head of Recruiting Services beim Pharmakonzern Boehringer Ingelheim, finden Sie im Sonderheft „Trends im Recruiting“ , das innerhalb der Juni-Ausgabe des Personalmagazins erschienen ist. Der Autor hat sich dort mit weiteren Zukunftsthemen für das Recruiting wie 3D-Videos, Virtual und Augmented Reality beschäftigt und deren Relevanz für den Recruiting-Alltag bewertet.

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Head of Recruiting Services bei Boehringer Ingelheim

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Recruiting, E-Recruiting, Mobile Recruiting

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