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Social Media Recruiting ist kein Hype mehr, sondern inzwischen fester Bestandteil einer aktuellen Recruiting-Strategie. Doch welche Strategien, Methoden und Ansätze lohnen sich wirklich? Und welche Fehler sollten Recruiter vermeiden? Ein Überblick.

Inzwischen gehört Social Media Recruiting zum festen Methodeninventar fast aller großen deutschen Unternehmen: Der Studie "Best Recruiters" zufolge nutzen nur drei Prozent der 400 deutschsprachigen Top-Arbeitgeber keines der üblichen digitalen Sozialen Netzwerke für Recruitingzwecke. Dennoch bleibt bei manchen Unternehmen der gewünschte Erfolg aus - was auch an der Vielzahl an Möglichkeiten liegt, die sich durch die Social Media für Recruiter eröffnen.

Social Media Recruiting: Definition

Unter Social Media Recruiting fallen verschiedene Methoden und Ansätze, bei denen Prozesse der Personalbeschaffung durch die aktive oder passive Nutzung digitaler sozialer Netzwerke unterstützt werden. Somit umfasst Social Media Recruiting verschiedene Aktivitäten, die den Recruitingprozess effizienter gestalten oder verbessern können und die im wesentlichen in drei Bereiche eingeteilt werden können:

Social Media wird dabei erstens genutzt um Stellenanzeigen gezielt zu verbreiten und die Arbeitgebermarke positiv zu beeinflussen (Employer Branding). Zweitens können Kandidaten bei offenen Stellen oder zum Aufbau eines Talent Pools direkt angesprochen werden (Active Sourcing). Drittens können Social Media bei Beachtung des Datenschutzes dafür genutzt werden, gezielt nach zusätzlichen Informationen für die Personalauswahl zu suchen.

Beispiele für Social Media Recruiting

In der Regel nutzen die Unternehmen im Social Media Recruiting in erster Linie berufliche soziale Netzwerke wie Linkedin oder Xing. Vor allem bei Stellen für hochqualifizierte Mitarbeiter werden diese Business-Netzwerke dazu genutzt, potenzielle Kandidaten ausfindig zu machen, einen direkten Kontakt herzustellen und die Bewerber somit in einen Pool aufzunehmen oder direkt für Stellen vorschlagen zu können. Dabei können neben den sozialen Medien selbst noch weitere Tools Verwendung finden, die bei der Suche nach geeigneten Bewerbern helfen. Viele Matching-Plattformen beispielsweise nutzen als Grundlage für die Kandidatenprofile die jeweiligen Angaben auf Xing oder Linkedin.

Es können sich aber auch allgemeine Plattformen wie Facebook oder Twitter für Social Media Recruiting eignen. Teilweise wird auch die aktive Verwendung von Arbeitgeberbewertungsportalen als Teil von Social Media Recruiting betrachtet, auch wenn es sich dabei nicht um digitale soziale Netzwerke im eigentlichen Sinn handelt.

Social Media Recruiting: Strategien entwickeln

Auch wenn im Jahr 2018 laut der Studie "Recruiting Trends 2018" drei Viertel der deutschen Unternehmen ihre Aktivitäten im Bereich Social Media Recruiting als positiv bewerten, bleibt der gewünschte Erfolg immer noch bei einigen aus, weil das Wissen um Einsatzmöglichkeiten und Erfolgschancen fehlt. Deshalb ist es ratsam, den Recruiting-Prozess von einer klaren Social-Media-Recruiting-Strategie leiten zu lassen.

Dafür ist es wichtig, folgende Fragen zu klären:

  • Welche Plattform eignet sich am besten für das jeweilige Ziel, das wir verfolgen?
  • Auf welchem Weg finden wir am ehesten Kandidaten, die zu unserem Unternehmen passen? 
  • Wollen wir für Gespräche und Diskussionen offen sein und Active Sourcing über Soziale Medien betreiben oder wollen wir es bei der Nutzung von Social Media als reines Informationstool belassen?

Je nachdem, wie diese Fragen beantwortet werden, ergibt sich ein anderer Bedarf an Ressourcen und speziellen Tools. Bei der Entwicklung einer Social-Media-Recruiting-Strategie sollte außerdem darauf geachtet werden, dass diese niemals losgelöst angewandt werden kann, sondern stets an eine übergreifende Strategie zur Personalgewinnung und an angrenzende Prozesse angebunden sein muss.

Social Media Recruiting: Kennzahlen entwickeln

Im Anschluss an eine Strategie zum Social Media Recruiting ist es notwendig, Messzahlen zu entwickeln und zu erheben, um den gewünschten Erfolg der gewählten Strategie messen und gegebenenfalls nachjustieren zu können. Laut "Recruiting Trends 2018" machen das inzwischen immerhin ein Viertel der großen deutschen Unternehmen.

Dabei sollte man sich an den allgemeinen Kennzahlen zum Recruiting orientieren. Diese lassen nicht nur Aussagen über den am häufigsten gewählten Zuganskanal, sondern auch über die Eignung der jeweils erreichten Kandidaten zu. Zur Messung dieser "Channel Quality" und anderer KPIs ist es notwendig, entsprechende Daten von den Kandidaten zu erfassen, etwa auf welchem Zugangsweg sie auf eine Stelle aufmerksam geworden sind.

Fünf vermeidbare Fehler beim Social Media Recruiting

Um typische Fehler zu vermeiden und Social Media besser im Recruiting einzusetzen, können die folgenden fünf Tipps als Orientierung dienen:

  • Urteilen Sie nicht zu schnell: Wie ein Kandidat seine Social Media-Profile pflegt oder ob er überhaupt dort vertreten ist, lässt keine Aussage über seine Eignungen und Fähigkeiten zu. Nur weil jemand besonders viel postet, muss das nicht heißen, dass er auch im Job äußerst engagiert ist. Legen Sie fest, welchen Stellenwert Informationen aus den sozialen Medien einnehmen sollen.
  • Respektieren Sie die Privatsphäre und den Datenschutz: Xing und Facebook nutzen viele primär für private Kontakte. Bei der proaktiven Suche nach geeigneten Kandidaten sollten Sie daher Ihre Ansprache vorsichtig formulieren und einer möglichen Bitte, von Jobangeboten über Social Media Abstand zu nehmen, nachkommen. Laut der Studie "Bewerbungspraxis 2017" geben 28 Prozent der Jobsuchenden an, dass sie von nicht personalisierten Direktansprachen von Unternehmen genervt sind. Dabei sollten auch stets die entsprechenden Grundsätze des Datenschutzes berücksichtigt werden.
  • Behalten Sie Ihre Ressourcen im Blick: Die Kontaktaufnahme mit potenziellen Kandidaten über die sozialen Medien ist verlockend. Vor allem die Kontaktpflege kostet aber viel Zeit und Engagement. Stellen Sie sich die Frage, ob Sie das auch langfristig leisten können und ob Sie eventuelle zusätzliche Ressourcen benötigen.
  • Social Media ist kein Ersatz für den persönlichen Handschlag: Viele Unternehmen glauben, ihre bisherigen Recruiting-Maßnahmen durch Social Media ersetzen zu können. Dabei gehen jedoch wichtige Informationen verloren – zum Beispiel wie potenzielle Kandidaten auf Stresssituationen reagieren und ob sie als Persönlichkeit in Ihr Team passen.
  • Wählen Sie die verwendeten Plattformen mit bedacht: Die reinen Nutzerzahlen sprechen häufig für allgemeine Plattformen. Zwar bietet Facebook, Twitter oder Instagram ein breites Publikum in verschiedenen Zielgruppen, dennoch nutzen viele Kandidaten für die Suche nach Stellenangeboten auf Berufliches spezialisierte Plattformen wie Xing oder Linkedin und verwenden Facebook, Twitter und Instagram ausschließlich für private Themen.

Vorteile und Grenzen des Social Media Recruiting

Die Nutzung von Social Media im Recruiting bringt den Vorteil, dass Unternehmen und Personalabteilungen direkt mit potenziellen Bewerbern in Kontakt treten und sich nach außen gezielt präsentieren können. So hat die Nutzung von sozialen Netzwerken zur gezielten Pflege und Entwicklung eines Arbeitgeberimages in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Laut einer Bitkom-Studie von 2017 sind es inzwischen 81 Prozent der Unternehmen, die Social Media zur Pflege ihres Images nutzen und 61 Prozent, die darüber explizit ihr Image als Arbeitgeber aufbauen.

Der offensichtlichste Vorteil von Social Media Recruiting liegt vermutlich darin, dass über soziale Netzwerke erheblich mehr Informationen eingeholt werden können. So findet sich auf Linkedin oder Xing unter Umständen eine größere Zahl an potenziellen Bewerbern, als über klassische Stellenausschreibungen. Darüber hinaus finden sich häufig auch detailliertere Informationen zu den jeweiligen Lebensläufen und beruflichen Tätigkeiten. Allerdings muss diese Menge an Information auch bearbeitet werden und außerdem darauf geachtet werden, dass der Datenschutz und die Privatsphäre entsprechend gewahrt werden. Außerdem sind kaum Rückschlüssen auf die Persönlichkeit des Bewerbers möglich, sondern nur über Fakten aus dem Lebenslauf (fachliche Qualifikation, Weiterbildung, Relevanz und Vielfalt der Berufserfahrung).

Dennoch nutzen 63 Prozent der Personaler Informationen aus Sozialen Netzen. Wie eine weitere Umfrage des Branchenverbands Bitcom zeigt, werden diese Informationen zum Großteil in der Hoffnung genutzt, sich ein besseres Bild vom Bewerber zu machen. Viele nutzen die Informationsquelle Social Media aber auch, bevor sie entscheiden, ob ein Kandidat zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird - trotz der fragwürdigen Qualität und Aussagekraft von Social Media Profilen über die berufliche Eignung.

Die Wirksamkeit von Social Media Recruiting ist auch aus weiteren Gründen begrenzt: Eine Stellenausschreibung über Social Media erreicht nur eine Teilöffentlichkeit, da sie in der Regel nicht ohne einen Account auf dem entsprechenden Portal eingesehen werden kann. Somit kann Social Media Recruiting eine klassische, öffentliche Stellenausschreibung, beispielsweise auf der Unternehmensseite oder in einer Jobbörse nicht in jedem Fall ersetzen. Viele Recruiter messen auch persönlichen Ansprachen auf Karrieremessen oder Mitarbeiterempfehlungen eine höhere Wirksamkeit zu. Social Media Recruiting ist in der Regel nur in Kombination mit anderen Bausteinen und in Abstimmung auf eine übergreifende Recruiting-Strategie sinnvoll.

Social Media Recruiting Trends

Arbeitgebern stehen über soziale Netzwerke mehr Möglichkeiten zur Verfügung, für Kontaktaufnahmen offen zu sein, geeignete Bewerber ausfindig zu machen und gezielt zu Bewerbungen einzuladen. Aktuelle Recommender-Systeme versprechen, die dafür notwendige Suche nach geeigneten Kandidaten auf Grundlage von Stellenausschreibungen oder Kompetenzprofilen automatisiert zu übernehmen. Diese Form des Active Sourcing gewinnt daher an Bedeutung.

Um die Kommunikation mit Kandidaten rund um die Uhr und ressourcensparend gestalten zu können, setzen einige Unternehmen außerdem auf Chatbots, die in der Regel erste Anfragen automatisch beantworten können. Viele Chatbot-Anwendungen lassen sich dabei nicht nur auf der Unternehmenswebseite einbinden, sondern können eben auch in den sozialen Medien verwendet werden.

 

Zum Weiterlesen:

Interview mit Jens Hemmerling zu Expressbewerbungen per Social Media Link

Rechtliche Grundsätze beim Social Media Recruiting

Kolumne von Prof. Uwe Kanning zur Rolle von Informationen aus Sozialen Netzwerken im Recruiting

Schlagworte zum Thema:  Social Media, E-Recruiting, Recruiting