20.07.2011 | HR-Management

Selbstcheck: Ist Ihr Team zu harmonisch?

Harmonie im Team ist für viele sehr wichtig - und manchmal zu wichtig. Darunter kann die Kritikfähigkeit und damit die konstruktive Arbeit an Herausforderungen leiden. Heide Straub, Beraterin und Coach bei der Com Team AG, hat für Sie einen Selbstcheck zusammengestellt. Finden Sie heraus, ob Ihr Team schon unter zu viel Harmonie leidet.

Viele Menschen kennen keine positive Streitkultur. Sie haben gelernt, dass Auseinandersetzungen Beziehungen zerstören können. Am Arbeitsplatz kann das heißen, seine Zugehörigkeit zu verlieren. Der Wunsch nach Harmonie ist nachvollziehbar, stärkt zunächst ein Team. Doch wenn es zu kuschelig wird, leiden Kultur und Produktivität. Wenn Sie herausfinden wollen, ob in Ihrem Team auch zu viel Harmonie vorherrscht, sollten Sie folgende Aussagen für sich hinterfragen.

 

Konflikte werden nicht direkt angesprochen. Es gibt kaum Kritik, kaum Anerkennung und kein direktes und individuelles Lob.

Bei Diskussionen gibt es wenig Beiträge. Man geht nicht auf Argumente der Anderen ein, sondern geht schnell zum nächsten Thema über. Es kommt kein "Das sehe ich aber anders!" Wer gegen etwas ist, wird buchstäblich stehen gelassen. Die anderen meiden den "Störer".

Bei Diskussionen herrscht eine Atmosphäre der "Schwere". Es entsteht betroffenes langes Schweigen. Die Blicke sind unruhig, nach unten gerichtet, keiner fasst das Problem ins Auge.

Wenn eine Person angesprochen wird, antwortet jemand anders. So verschwindet das "Ich", es entsteht ein Einheitsbrei nach dem Motto "Wir sind alle gleich."

Fehler werden vertuscht nach dem Muster: "Ich war’s nicht, vielleicht der/die…konnte er/sie aber auch nicht wissen." Fehler bleiben ohne Folgen.

Im Team herrscht ein "Wir-Ton", Individualität verschwindet. Beispiele: "Wir müssten mal…" oder "Das konnten wir nicht wissen."

Differenziertes Feedback fehlt. Man ist nur nett und freundlich ("ist gut gelaufen"). Weniger als die Hälfte des Feedbacks dreht sich um Störungen, Ärger, Probleme und Verbesserungspotenzial.

Entscheidungen werden getroffen aber nicht umgesetzt. Alle nicken zwar mit den Köpfen, sagen innerlich aber nein.

Im Team herrscht eine gereizte Atmosphäre à la "Ja, mache ich schon, weiß gar nicht, was du hast" oder ein betont freundlicher Umgang: Man macht auf gute Beziehungen, umarmt sich, veranstaltet Pizza- und Hüttenabende.

 

Was zu tun ist, wenn zu viel Harmonie vorherrscht

Führungskräfte und Personalverantwortliche sollten behutsam aber deutlich den Harmonie-Overkill angehen.

Was ist zu tun? Achten Sie auf der Basis von Anerkennung und Würdigung darauf, dass klare Standpunkte bezogen werden. Fördern Sie das Äußern von Bedenken. Geben Sie sich nicht zufrieden, wenn Sie aus dem Team nur von einer Person eine Antwort bekommen. Fragen Sie individuell nach. Ermutigen und schützen Sie Leute, die Unterschiede herausstellen. Lassen Sie das "Ich" im Team nicht untergehen. "Ich kann etwas" gilt genauso wie "wir sind gut". Beides sind soziale Grundbedürfnisse. Und: Stören Sie entschlossen die Teamharmonie, wenn Sie den Eindruck haben: "Ich kaufe Ihnen den Teamfrieden nicht ab!"

   

Heide Straub

ist Beraterin und Coach bei der Com Team AG.

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