10.10.2011 | HR-Management

Sattelberger: "Chefs sollten gewählt werden"

Mehr Demokratie im Unternehmen wagen und selbst das reparieren, was andere beschädigt haben: Das war die Botschaft vom 3. Zukunftsforum Personal der HR Alliance in München. 350 Teilnehmer hatten zwei Tage lang unter dem Motto "Transformation radikal" im HVB Forum über den Gesellschaftsvertrag sowie die Personal- und Unternehmensstruktur der Zukunft debattiert.

Als "zunehmend radikal" outete sich Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, wenn es darum geht, verlorene Reputation im Management wiederzugewinnen. "Führungskräfte sollten gewählt werden", forderte der Grandseigneur im HR Alliance-Vorstand. Die Vorlage dazu hatte Keynote-Speakerin Gesine Schwan gegeben. "Auch Unternehmen brauchen eine Kultur der Kommunikation und Partizipation", sagte die Politikwissenschaftlerin von der Viadrina Universität in Frankfurt/Oder. Gemeinwohl und Nachhaltigkeit seien in einer immer komplexer werdenden Welt nur durch ausgehandelte Verträge sicherzustellen.

 

Enterprise 2.0 ist keine Frage der Technologie

Wenngleich neue Technologien (Social Media, Collaboration Tools) zwar Demokratisierungsprozesse im Unternehmen beförderten, könnten sie diese nicht hervorbringen. "Es geht im Enterprise 2.0 zuallererst um Kultur und Werte", stellte Gero Hesse klar, der im Vorstand der HR Alliance die Personalmarketing-Vereinigung Queb repräsentiert. Das mittlerweile einigermaßen weit verbreitete Instrument der Mitarbeiterbefragung sei bestenfalls der Anfang einer Entwicklung dorthin, schlimmstenfalls ein reines Feigenblatt für ausbleibende Demokratisierungsbemühungen, ergänzte Oliver Maassen, ebenfalls Vorstandsmitglied der HR Alliance.

 

Die Gesellschaft driftet auseinander

Doch was im Unternehmen zusammenwachsen soll, driftet in der Gesellschaft auseinander. Bildungsferne Schichten finden keinen Anschluss an die Arbeitswelt, das Bildungssystem setzt auf Elitenbildung und Uniformität, die Leistungsgesellschaft tappt in die Erschöpfungsfalle. "Reparieren Sie, was Sie beschädigt haben", provozierte Professorin Jutta Allmendinger, Sozialforscherin in Berlin, mit Blick auf Versäumnisse bei der Frauenförderung, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Inklusion von Benachteiligten.

Wenngleich sich die Versammelten zu Recht nicht an der Wurzel aller Übel sehen wollten, zeigte sich das Forum entschlossen, den sozialpolitischen Auftrag als "Corporate Citizen" wahrzunehmen. "Wir dürfen nicht klagen, dass wir Reparaturbetrieb sind. Wir müssen es angesichts der Herausforderungen einfach sein", konkretisierte Sattelberger.

 

Rührende Geständnisse von Lauer, Dammann und Sattelberger

Bei allem Aufruhr:  Auch vergnügliche und rührende Momente hatte die Veranstaltung bereit. So erntete Jutta Allmendinger Beifall und Lachen, als sie die Begriffe aus dem Kongressmotto "Social Contract 1.0, Enterprise 2.0, People X.Y" aufs Korn nahm. "Da sage noch einer, die Wissenschaft würde unverständlich formulieren!"

In der Abschlussrunde gestand wiederum der Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer seine therapiebedürftige Flugangst ein und Thomas Sattelberger seine Zuneigung und Wertschätzung für Dr. Angelika Dammann, die ihr Vorstandsamt bei SAP hingeworfen hatte und den Schritt im Abschlusspodium verteidigte. "Wer Profil hat, bietet Angriffsflächen", sagte die Ex-Personalchefin. Das könnte auch für das Zukunftsforum als Ganzes gelten: Denn vereinzelt kritisierten Besucher, dass man sich doch zu sehr in philosophische Höhen verloren hätte. Andere meinten, genau dafür seien sie gekommen.

 

Aktuell

Meistgelesen