17.02.2015 | Projekt "Roadside MBA"

Per Roadtrip zum MBA-Curriculum

Drei Business-School-Professoren reisen quer durch die USA zu KMU, um Fallstudien für MBA-Programme zu finden.
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Um die Curricula ihrer MBA-Programme anzureichern, reisen drei Business-School-Professoren aus den USA durch das ganze Land. Sie besuchen kleine und mittlere Unternehmen, um realitätsnahe Fallstudien für ihre Strategiekurse zu finden. Ihre Erlebnisse haben sie nun als Buch veröffentlicht.

Nicht jeden MBA-Absolventen zieht es nach seinem Abschluss zu einem globalen Konzern. Dennoch beruhen die meisten Fallstudien, die die Studenten während ihres MBA-Programms behandeln, auf großen Unternehmen wie Microsoft oder Pepsi.

Diesen Missstand beklagten drei Professoren renommierter Business Schools aus den USA, während sie sich im Jahr 2010 über Strategiekurse für MBA-Studenten austauschten  – und entschieden sich für eine ungewöhnliche Gegenmaßnahme: Um ihre MBA-Curricula künftig besser auf die Bedürfnisse von KMU anpassen zu können, planten sie, zu kleinen und mittleren Unternehmen überall in den USA zu fahren, sich vor Ort mit den Firmenvertretern über die strategischen Herausforderungen für KMU zu diskutieren und daraus Fallbeispiele für die Lehre mitzunehmen.

Professoren haben bereits 100 KMU besucht

Seit ihrer ersten Reise im Jahr 2010 haben Michael Mazzeo von der Kellogg School of Management, Paul Oyer von der Stanford Business School und Scott Schaefer von der David Eccles School of Business an der University of Utah bereits rund 100 KMU besucht.

Die Besuche laufen so ab: Die Professoren treffen sich mit dem Besitzer oder Geschäftsführer des Unternehmens und lassen zunächst über die Geschichte des Unternehmens aufklären. Danach stellen sie Fragen zu Preisgestaltung, Positionierung, Strategie, Organisation, Nachfolgeplanung und andere Themen, die ihnen in Zusammenhang mit dem Unternehmen interessant erscheinen.

Aus ihren sogenannten "MBA Roadside"-Trips hätten sie bisher viel gelernt, schreiben die drei Professoren auf der Homepage des Projekts. Ihre Erlebnisse haben sie dort und vor Kurzem auch in einem Buch veröffentlicht. Die Fallstudien bleiben aber natürlich den Studenten ihrer MBA-Programme vorbehalten.

"Die Antwort auf strategische Fragen: 'Es kommt darauf an'"

Zumindest einige "Lessons learned" verraten die Professoren auf der"MBA Roadside"-Website aber auch der breiteren Öffentlichkeit: "Die richtige Antwort zu jeder strategischen Frage lautet: 'Es kommt darauf an'", schreiben Mazzeo, Oyer und Schaefer.

Ihre Begründung illustrieren sie allerdings am Beispiel nicht an einem kleinen Unternehmen, sondern an zwei Konzernen aus den Fortune 500: Apple und Walmart. Anhand dieser beiden Firmen solle man sich die Frage stellen, ob es immer die richtige Strategie sei, auf höchste Qualität zu setzen. Denn während Steve Jobs bei Apple zwar mit dem Beharren auf Qualität erfolgreich gewesen sei, habe Walmart schon immer eher auf niedrige Preise als auf Qualität gesetzt – ebenfalls mit Erfolg. Die Antwort auf die Frage "hohe Qualität oder niedrige Preise?" laute daher: "Es kommt darauf an", schlussfolgern Mazzeo, Oyer und Schaefer.

Ein MBA-Programm müsse den künftigen Executives, Unternehmern oder KMU-Besitzern daher die Fähigkeit vermitteln herauszufinden, worauf es bei den strategischen Entscheidungen im Einzelnen ankomme. Daher, so die Business-School-Professoren, sei es ihr Ziel, im MBA Rahmenbedingungen aufzuzeigen und den Studenten zu sagen: "Es kommt darauf an" – und anhand von vielen verschiedenen Beispielen aus kleinen US-Unternehmen zu zeigen, worauf es ankommt.

Weitere Informationen zum "Roadside MBA"-Projekt finden Sie unter www.roadside-mba.com.

Schlagworte zum Thema:  MBA, Business School, Strategie

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