02.08.2012 | Rekrutierung

Qualifizierte Bewerber sind Mangelware

Bewerber fehlt es an wichtigen Fach- und Sozialkompetenzen.
Bild: PhotoAlto

Ein Drittel der Unternehmen klagt über zu wenige Bewerbungen auf Schlüsselpositionen. Die wenigen Jobkandidaten, die es ins Vorstellungsgespräch schaffen, punkten auch nicht gerade Sachen Fachkompetenz, zeigt eine aktuelle Manpower-Studie.   

Die Suche nach Talenten mit Schlüsselqualifikationen ist für deutsche Unternehmen in den vergangenen Monaten immer schwieriger geworden. Zu den Hauptgründen gehört laut einer aktuellen Untersuchung des Personaldienstleisters Manpower Group, dass auf ausgeschriebene Schlüsselpositionen zu wenige Bewerbungen eingehen. Vor allem in Bereichen, in denen es um handwerkliche Fähigkeiten, Technik-Kompetenz und Vertriebstalent geht, sei dies ein ernstzunehmendes Problem, so die Studie.

Bei den wenigen Bewerbern, die zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, stellt ein Fünftel der Unternehmen zudem noch unzureichende fachspezifische Kompetenzen fest. Nachholbedarf sehen viele Arbeitgeber auch bei den sogenannten Soft Skills: Zwölf Prozent zeigen sich enttäuscht über mangelnde soziale Kompetenzen der Bewerber.

Unternehmen müssen kompromissbereiter werden

Um offene Stellen schnell und zielgerichtet besetzen zu können – und kostspielige Vakanzzeiten zu reduzieren – sieht Vera Calasan, Vorsitzende der Geschäftsführung der Manpower Group Deutschland, auch die Unternehmen selbst in der Pflicht. Sie seien aufgerufen, sich bewusst eine erhöhte Flexibilität und Kompromissbereitschaft aufzuerlegen. "Personalverantwortliche sollten schon in den Stellenausschreibungen bewusst Bewerber ansprechen, die nicht zu 100 Prozent dem Idealprofil entsprechen", sagt die Chefin des Personalberaters. Darüber hinaus sollte Talenten, die wesentliche Qualifikationen mitbringen und lernwillig sind, die Möglichkeit gegeben werden, durch gezielte Trainings oder Mentoren-Programme in die Positionen hineinzuwachsen, rät Calasan.

Recruiting überregional ausweiten

Eine sinnvolle strategische Maßnahme sei es zudem, die Personalsuche über die Standort-Region hinaus auszuweiten. Das machen laut der Untersuchung bisher jedoch lediglich acht Prozent der Unternehmen, die Probleme mit der Besetzung von Schlüsselpositionen haben. Und dabei gehe es hier nur um eine Rekrutierung über die Standort-Region hinaus, nicht um die Rekrutierung im Ausland. Das Grundproblem: Die Unternehmen unterschätzen schlicht die Mobilität der Bewerber, hat Vera Calasan beobachtet.

Mangelnder Rekrutierungserfolg strukturell bedingt

Nichtsdestotrotz sei der mangelnde Rekrutierungserfolg vieler Personalverantwortlicher vor allem strukturell bedingt: So macht HR-Personal im Durchschnitt nur 1,5 Prozent der Gesamtbelegschaft eines deutschen Unternehmens aus – zu wenig, um ein effizientes Recruiting zu betreiben, betonen die Studienautoren. Anstatt weitere Mitarbeiter für die HR-Abteilung einzustellen, könnten die Unternehmen auch externe Unterstützung in Anspruch nehmen, bis die Lücke geschlossen sei. Bisher greifen der Manpower Group zufolge allerdings lediglich zehn Prozent der Unternehmen mit Rekrutierungsproblemen auf diese Maßnahme zurück.

Schlagworte zum Thema:  Rekrutierung, Personalbeschaffung, Fachkräftemangel, Bewerberauswahl, Fachkompetenz, Talent Management, Soft Skills

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