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Zappos führt Stellenanzeigen wieder ein

Der Online-Versandhändler Zappos sucht seine Mitarbeiter ab sofort wieder per Stellenanzeige.
Bild: Zappos

Der Versandhändler Zappos führt Stellenanzeigen beim Recruiting wieder ein. Noch 2014 hatte das Unternehmen angekündigt, gänzlich auf Stellenanzeigen verzichten zu wollen. Grund für den Rückzieher seien die Gewohnheiten der Bewerber.

Wie auf dem Blog Wollmilchsau berichtet wurde, führt der US-amerikanische Online-Versandhändler Zappos beim Recruiting wieder Stellenanzeigen ein. 2014 hatte das Unternehmen noch angekündigt, gänzlich auf Stellenanzeigen verzichten zu wollen, da die Anzeigen Talente abschrecken würden.

Insider-Netzwerke statt Stellenausschreibung

In einem Pro-und-Contra-Beitrag der Ausgabe 09/2014 des Personalmagazins bemängelte Kelly Wolske, Senior Trainer bei Zappos, das übermäßige Aufkommen von unpassenden Bewerbungen. Der Versandhändler werde keine Stellen mehr auf einer Recruiting-Webseite ausschreiben, sondern ein soziales Netzwerk für Bewerber pflegen. Die Bewerber sollten Zugang zu Unternehmensinformationen bekommen und mit den Recruitern und Teams in Kontakt treten können. Gebe es dann eine offene Stelle, würden die Bewerber aus dem Netzwerk – sogenannte „Insider“ – bevorzugt berücksichtigt.

Stellenanzeigen als Zeichen von Transparenz

Dem hielt Anna-Rebecca Egli, verantwortlich für die europäische Rekrutierung beim Chemiekonzern BASF, entgegen, dass Großunternehmen einen gewissen Standard für Bewerber bieten müssten, wenn sie die besten Bewerber rekrutieren wollen. Der Einsatz von Stellenanzeigen helfe auch keine falschen Erwartungen bei den Bewerbern zu wecken und sei ein Zeichen von Transparenz.

Experiment nicht aufgegangen

Rick Jordan, aktueller HR-Chef von Zappos, erklärte die Rückkehr zur Stellenanzeige nun damit, dass das Experiment nicht planmäßig aufgegangen sei. Die Mehrheit der Bewerber suche weiter gerne auf der Grundlage von Stellenanzeigen und melde sich bei Job-Newslettern an.
Mit dem Ausschluss von Stelleanzeigen gingen gewisse Potentiale verloren, auf die man bei Zappos nicht verzichten möchte. Künftig sollen Stellenanzeigen und Insider-Netzwerk nebeneinander bereitgestellt werden.

Zu sicher auf starke Arbeitgebermarke vertraut?

Wollmilchsau mutmaßt, "dass die Abschaffung von Stellenanzeigen ein Loch in die Besucher-und natürlich Bewerberzahlen der Karriere-Seite reißen könnte/würde." Eine Strategie, die ausschließlich auf der Rekrutierung aus dem eigenen sozialen Netzwerk aufbaue, stelle neue Anforderungen an die zu erreichenden Besucherzahlen. "Man hätte das ‚Insider-Netzwerk‘ extra bewerben müssen, um die absehbaren Schwankungen auszugleichen." Zappos sei sich hier offenbar der Kraft seiner Arbeitgebermarke zu sicher gewesen und habe auf zusätzliche Werbung verzichtet.

Print-Stellenanzeigen mit hohem Stellenwert

Der Rückzieher von Zappos scheint zu bestätigen, dass Stellenanzeigen nach wie vor das zentrale Instrument in der Bewerberansprache sind. In einer Kolumne schrieb Henner Knabenreich, dass Social Media im Personalmarketing weder Realität noch in den Unternehmen angekommen sei. Kleine und mittelständische Unternehmen, bei der die Mehrzahl der Erwerbstätigen beschäftigt sei, setze in erste Linie auf Print-Stellenanzeigen. Auch unser Kolumnist Professor Uwe P. Kanning verweist auf Studien, denen zufolge klassische Zeitungsanzeigen wichtig für Bewerber sind.

Haufe Online Redaktion

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