04.09.2013 | Serie Das Ausbildungsjahr beginnt

Wie Unternehmen um Azubis werben

Serienelemente
Raus aus der Schule, rein ins Unternehmen
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Wie eine Studie von Trendence zeigt, herrschen bei den Schulabgängern weiterhin Geschlechter-Klischees bei der Wunschausbildung vor. Für die Unternehmen heißt das: Überzeugungsarbeit leisten und das Recruiting gut aufstellen.

Mehr als 25 Prozent der Jungen wünschen sich eine Ausbildung im technischen und mechanischen Bereich, bei den Mädchen sind es nur drei Prozent. Sie wollen laut der Trendence-Studie stattdessen soziale Berufe ergreifen (19 Prozent). Einige wenige Arbeitgeber mit technischen Produkten schaffen es trotzdem laut den Studienautoren, immer mehr Mädchen für sich zu begeistern – allen voran Daimler und Porsche. Jungen und Mädchen eint, dass sie immer weniger Wert auf Jobs mit viel Eigenverantwortung legen. Am beliebtesten ist die Polizei als Arbeitgeber bei den Schulabgängern, danach folgen Prosieben-Sat1-Media und die Bundeswehr.

Neue Recruiting-Formen auch für Auszubildende

Was tun nun die Unternehmen, um die Auszubildenden auf sich aufmerksam zu machen? Die Jobbörse Kalaydo hat sich dafür eine besondere Veranstaltung erdacht: Am 12. September findet ein Azubi-Speeddating im Hochseilgarten statt. Dabei stehen drei Themenparcours für kaufmännische, handwerkliche und gastronomische Berufe zur Auswahl. Die maximal 75 Bewerber haben in luftiger Höhe Zeit, um die teilnehmenden Unternehmen kennenzulernen und von sich zu überzeugen. Dazu müssen die Bewerber sieben Plattformen des gewählten Themengebiets bewältigen, auf denen jeweils ein Unternehmensvertreter auf sie wartet. Nach fünf Minuten Gespräch wird zum nächsten Personaler geklettert. Für die Bewerber ist das Speeddating kostenlos. Im Anschluss wartet auf alle Teilnehmer eine einstündige Teamaufgabe sowie ein Begleitprogramm mit Aktionen zu Bewerbungsfotos und -mappen.

Wer mehr Bewerber für sich begeistern will, darf sie nicht zur früh aufgrund der Schulnoten selektieren. Das ist zumindest die Überzeugung der Deutschen Bahn, die nun auch Schülern mit schlechteren Noten mehr Chancen auf eine Ausbildung im Unternehmen einräumt. Wie das Unternehmen mitteilt schafft die Deutsche Bahn die Vorauswahl über Schulnoten ab. Sie führt ab sofort einen ergänzenden Online-Test für alle Schüler ein, die ab Herbst 2014 eine Berufsausbildung oder ein Duales Studium beginnen wollen. Alle Bewerber werden ohne Vorauswahl dazu eingeladen. Ziel ist, die Auswahl von Bewerbern dauerhaft noch stärker an deren Potenzialen und Talenten auszurichten. Dafür ist der Online-Test abgestimmt auf Kompetenzen, die für die jeweilige Fachrichtung erforderlich sind. Zum Beispiel: Für Eisenbahner im Betriebsdienst sind Gewissenhaftigkeit und ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein erforderlich, bei Berufen im IT-Bereich ist Problemlösefähigkeit gefragt.

"Welcome Days" bei Accor in acht Städten

Sind die Azubis erst einmal ausgewählt, heißt es, sie im Unternehmen zu begrüßen. Der Hotelriese Accor hat dafür einen "Welcome Day" in je acht Städten organisiert.  An diesen Tagen begrüßen und betreuen die Hoteldirektoren der gastgebenden Hotels, die Platzbotschafter und die speziell geschulten Accor Mitarbeiter die neuen Auszubildenden. Rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Regel bereits Ausbilder bei Accor sind, wurden darauf vorbereitet. In einer Online-Schulung befassten sie sich mit den häufigsten Fragen der Auszubildenden und sie wurden in das erfahrungsorientierte Lernen eingeführt. "Die Welcome Days nehmen einen hohen Stellenwert in unserem Ausbildungskonzept ein. Sie vermitteln den jungen Leuten unsere Unternehmenswerte und sollen darüber hinaus ihr Selbstvertrauen stärken, sie zu Eigeninitiative anregen und das Netzwerken vom ersten Tag an fördern", sagt Michael Verhoff, Geschäftsführer Human Resources der Accor Hospitality Germany GmbH.

Weltrekordversuch sorgt für den nötigen Ehrgeiz

Für den richtigen Ehrgeiz und die Begeisterung im Job gleich zu Beginn der Ausbildung wollen die Volks- und Raiffeisenbanken mit einem Weltrekordversuch sorgen. 800 Azubis des Unternehmens treffen sich am 4. September in Ingolstadt um zum Auftakt ihrer Ausbildung zu jonglieren: In maximal 30 Minuten sollen mindestens 300 von ihnen das Jonglieren mit drei Bällen lernen. 265 Azubis würden schon ausreichen, um den bisherige Rekordhalter (Sparkasse Hildesheim) zu besiegen.

Studie  zur Ausbildungsqualität in deutschen Unternehmen

Wie gut ist die Ausbildungsqualität in den Unternehmen? Professor Christian Ernst, Fachhochschule Köln, führt eine Untersuchung darüber durch und sucht derzeit Ausbildungsbetriebe, die an der Studie teilnehmen wollen. Dafür werden die Auszubildenden der teilnehmenden Betriebe über wichtige Kriterien der Ausbildungsqualität online und anonym befragt. Die Unternehmen erhalten anschließend einen Bericht über ihre Ergebnisse. Darin ist erkennbar, in welchen Bereichen das Unternehmen seine Ausbildungsqualität weiter steigern kann. Für die teilnehmenden Ausbildungsbetriebe ist die Befragung kostenlos.  

Nähere Informationen erhalten Sie unter www.prof-ernst.de oder per E-Mail: christian.ernst@fh-koeln.de.

Schlagworte zum Thema:  Ausbildung, Auszubildende, Lehrstellen

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