21.05.2015 | Top-Thema Recruiting-Software auswählen und einsetzen

Unterschiedliche technologische Ansätze

Kapitel
Die Zeiten, als eine Software per CD installiert wurde, sind passé. Jetzt gibt es "On Premise"- und "Cloud"-Lösungen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Anbieter, die heute auf dem Markt für Recruiting-Software für Mittelständler und Großunternehmen aktiv sind, haben die Arena aus unterschiedlichen Richtungen betreten. Ein Überblick über die technologische Entwicklung und die Bereitstellungsmodelle von Recruiting-Software.

Unternehmen, die heute eine vollumfängliche Recruiting-Software anbieten, haben sich der Thematik aus verschiedenen Richtungen genähert: Zum einen erweiterten Anbieter von Unternehmenslösungen wie SAP, Oracle, Peoplesoft oder Workday ihre Portfolios um Recruiting-Module. Zu anderen gibt es zahlreiche Anbieter, die schwerpunkmäßig mit einer Recruiting-Lösung begannen und das Portfolio später um weitere Funktionalitäten aufstockten, zum Beispiel Taleo, Haufe-Umantis, Softgarden oder Milch & Zucker. Des Weiteren finden sich auf dem Markt Anbieter integrierter Talent Management-Lösungen, die zunächst stärker in Performance-Management, Nachfolgeplanung oder Learning positioniert waren, und Recruiting ergänzt haben. Beispiele sind Lumesse, SuccessFactors oder Cornerstone. 

Zwei Bereitstellungsmodelle: "On Premise" und "Cloud" 

In der Vergangenheit spielte die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Bereitstellungsmodellen eine entscheidende Rolle: Auf der einen Seite steht "On-Premise"-Software, bei der der Kunde die Software kauft und bei sich im Haus installiert. Diese Lösungen zeichnen sich durch höhere Anpassungsmöglichkeiten (aber oft höhere Anpassungsbedarfe) aus sowie durch die Speicherung der Daten auf eigenen Rechnern des Kunden. Damit behält das Unternehmen auch physisch die Hoheit über die vertrulichen Kandidateninformationen.

Auf der anderen Seite stehen Cloud-Lösungen. Hier mietet das Unternehmen die Software, die auf Rechnern des Anbieters extern verfügbar gemacht wird. Cloud-Anbieter können ihren Kunden schnell ein „fertiges“ System bereitstellen. Individuelle Konfigurationen sind nur in einem definierten Rahmen möglich, dafür sind Wartung und Versionswechsel meist einfacher.

Auf dem Markt finden sich Anbieter, die nur eines der beschriebenen Modelle anbieten, aber auch solche, die beides oder Hybrid-Varianten ermöglichen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass sich Angebot und Nachfrage klar in Richtung Cloud entwickeln – trotz aller Bedenken, vertrauliche Daten aus dem Haus zu geben.

Markt für Recruiting-Software war überschaubar

Viele Jahre war der Markt für E-Recruiting-Software einfach und überschaubar. SAP hatte mit seinem E-Recruiting-Modul eine sehr starke Position im deutschen Markt gerade für Großunternehmen. Ausschlaggebend für viele Kunden waren: zum einen die Tatsache, dass die Software beim Unternehmen "On Premise" installiert ist; zum anderen das Versprechen einer nahtlosen Integration mit den anderen Modulen des Anbieters. Schließlich aber auch das Argument der Anpassbarkeit. Wo Cloud-Software nur eine Konfiguration in festgesteckten Grenzen zulässt, war SAP als Kaufsoftware vom Kunden beliebig umbaubar. Das stellte sich hinterher oft als Fluch und Segen zugleich heraus, denn mit jeder kundenspezifischen Anpassung stiegen die Aufwände bei Wartung und Support.

Dennoch war SAP auf vielen Shortlists gesetzt – zumal viele IT-Abteilungen diese Lösung favorisierten, da sie hierfür bereits Erfahrung und Ressourcen im Haus hatten. Zudem muss berücksichtigt werden, dass sich US-Anbieter in der Vergangenheit mit den Besonderheiten des deutschen Recruitings wie Auszubildenden oder Betriebsräten schwer taten.

Komplexer Softwaremarkt ab 2012

2012 vollzog SAP einen Strategiewechsel und kaufte den Cloud-Konkurrenten Success Factors. Fortan setzte der Anbieter einerseits auf Cloud-Technologie, andererseits weichte er mit dem Wechsel genau die alten Argumentationslinien – Integration, Daten bleiben im Haus, grenzenlose Anpassbarkeit –zum Teil auf. Andere große Software-Unternehmen gingen kurz darauf ähnliche Schritte: Oracle kaufte den E-Recruiting-Anbieter Taleo, IBM erwarb Kenexa.

Für Unternehmen, die sich für Recruiting-Software interessierten, nahm mit diesen Veränderungen die Komplexität zu. Für Unternehmen, die sich für Recruiting-Software interessierten, ist der Markt nun also wesentlich komplexer geworden. Mit diesem Markt, in dem die Angebote der verschiedenen Hersteller ähnlicher werden, aber auch mit mutigeren und technologieaffinieren HR-Bereichen, die in den Entscheidungen mitreden wollen, hat das Thema Anbieterauswahl deutlich an Bedeutung gewonnen. 


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Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Bewerbermanagement, HR-Software, Trends im Recruiting

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