| Fachkräftemangel

Personalnotstand greift bereits auf Ausbildungsberufe über  

Fachkräftemangel besteht inzwischen nicht nur im hochqualifizierten Bereich.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Doch in welchen Bildungsbereichen fehlen tatsächlich Spezialisten und wie reagieren Unternehmen darauf? Der erstmals erhobene "DIS AG Fachkräftekompass" gibt Antworten.

"Der Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitern besteht nicht nur im hochqualifizierten Segment, sondern ist vielmehr an der Basis der deutschen Industrie angekommen", kommentiert Peter Blersch, Vorstandsvorsitzender der DIS AG, die Ergebnisse der ersten Befragung, die Infratest durchgeführt hat.

Laut der Befragung fehlen in jedem zweiten Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Ausbildung in gewerblich-technischen Berufen. Immerhin 39 Prozent der Befragten sehen den größten Bedarf bei Mitarbeitern mit abgeschlossener Berufsausbildung im IT-Bereich. Etwas weniger überraschend: Einen Mangel an Ingenieur- und Informatikstudenten konstatieren 34 beziehungsweise 31 Prozent. Absolventen der Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre und Geisteswissenschaftler machen einen Anteil von 24 beziehungsweise 21 Prozent aus.   

Betriebe setzen auf interne und externe Qualifizierung  

Weiterhin zeigt die Befragung, dass nur jede fünfte Stelle in den letzten sechs Monaten entsprechend der gesuchten Qualifikation bedarfsgerecht besetzt werden konnte. Rund zwei Drittel aller Unternehmen gehen außerdem davon aus, dass sich diese Situation nicht verändern oder sogar noch verschärfen wird.

"Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der große Bedarf an Fach- und Führungskräften auf der Unternehmensseite nicht gedeckt werden kann", so Blersch. "Nicht nur die Politik ist hier gefragt, sondern insbesondere wir als Unternehmen. Wir können dazu beitragen, notwendige Rahmenbedingungen zu schaffen, die zur Entspannung der Situation beitragen, indem wir beispielsweise die Infrastruktur zur Rekrutierung aus dem Ausland erleichtern oder notwendige Qualifizierungsmaßnahmen ermöglichen."  

65 Prozent der befragten Unternehmen geben auch an, auf interne Qualifizierungsmaßnahmen zurückzugreifen, wenn es um die Besetzung von Stellen geht, für die keine Fachkräfte rekrutiert werden können. 33 Prozent der Befragten lassen extern qualifizieren oder erhöhen die Arbeitszeit bestehender Mitarbeiter.

"Diese Zahlen zeigen, wie wichtig gut durchdachte, langfristige Weiterbildungsprogramme sind", so Peter Blersch. "Unternehmen, die hier bereits gute Konzepte vorweisen können, gewinnen als Arbeitgeber an Attraktivität, und das ist aus meiner Sicht der Schlüssel für den Wettbewerb um die besten Köpfe."  

Sehr unterschiedlicher Qualifizierungsbedarf vorhanden

In Bezug auf den Qualifizierungsbedarf zeigt der "DIS AG Fachkräftekompass" deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Branchen auf. So ist in der Industrie der Bedarf an aufgabenbezogener Qualifizierung (26 Prozent) und im Bereich IT/Software (27 Prozent) am größten. In der Dienstleistungsbranche spielt dagegen die Qualifizierung im Bereich sozialer Kompetenz eine besonders große Rolle (24 Prozent). Im Handel besteht der höchste Qualifizierungsbedarf im Bereich IT/Software (34 Prozent).

Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Recruiting, Ausbildung, Weiterbildung, Talent Management

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