14.08.2013 | Personalengpässe der Bahn

Mainzer Bahn-Debakel gibt Ausblick in die Zukunft

Leere Gleise sind vielleicht ein Symbolbild der künftigen Arbeitswelt.
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Was bei der Bahn am Mainzer Bahnhof derzeit schief läuft, könnte sich in Zukunft häufiger wiederholen - in anderen Unternehmen und Branchen. Diese Prognose trifft Trendforscher Sven Gábor Jánszky. Er geht davon aus, dass der Fachkräftemangel solche Situationen noch oft hervorrufen wird.

"Die Knappheit betrifft heute schon alle Bereiche, in denen Spezialisten gefragt sind", so Jánszky. "Der Mangel tritt nicht zuvorderst bei den Höchstqualifizierten auf, sondern hauptsächlich in den mittleren Ausbildungsgraden wie bei den Facharbeitern."

Bislang nähmen die Unternehmen die Entwicklung nicht ernst, müssten sich aber dringend auf die veränderten Machtverhältnisse am Arbeitsmarkt einstellen, analysiert Jánszky. "Früher wäre es doch ein leichtes gewesen, die Rückkehr aus dem Urlaub anzuordnen. Heute wissen die Mitarbeiter um ihre Macht und nutzen sie natürlich".

Unternehmen müssen flexiblere Arbeitsstrukturen schaffen

Die Unternehmen müssten künftig entweder eine extrem flexible Personalpolitik betreiben oder ihre hochwertigen Mitarbeiter auf vielfältige Weise entwickeln und umsorgen, rät der Trendforscher. Die "fluiden" Unternehmen würden sich darauf spezialisieren, um einen kleinen festen Kern immer wieder neue Mitarbeiter für Projekte zu rekrutieren und auch wieder loszuwerden.

Sogenannte "Caring Companies" müssten hingegen versuchen, starke Bindungen aufzubauen auch zu den Familien und dem Umfeld ihrer Mitarbeiter. "Sie werden betriebseigene Kitas anbieten, genauso wie eigene Schulen, Wohnungen, Sportclubs und Freizeitaktivitäten. Sie werden die Urlaubsreisen der Mitarbeiter planen und deren komplette Versicherungspakete übernehmen. Ihr Kalkül: Ein Mitarbeiter soll so viele Bindungen zum Unternehmen haben, dass er den nächsten Abwerbeversuch ablehnt, weil er diesen Wechsel seinen Kindern und seiner Familie nicht zumuten möchte", erklärt Jánszky.

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