09.05.2016 | Serie Onboarding

Wie integriert man... Zeitarbeiter?

Serienelemente
Dennis Gerlitzki ist Regional Direktor der Amadeus Fire AG, Frankfurt a.M.
Bild: Amadeus FiRe

Knapp eine Million Arbeitnehmer in Deutschland sind auf der Grundlage des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes beschäftigt – Tendenz steigend. Ihr Onboarding erfordert besonderes Fingerspitzengefühl. Dennis Gerlitzki von Amadeus Fire erläutert, wie es gelingt, Mitarbeiter „auf Distanz“ zu integrieren.

Haufe Online-Redaktion: Herr Gerlitzki, Amadeus Fire rekrutiert Fachkräfte für den kaufmännischen und IT-Bereich, um sie im Rahmen von Zeitarbeit in Kundenunternehmen zu vermitteln. Geht dabei nicht die emotionale Bindung an den eigentlichen Arbeitgeber, also Amadeus Fire, verloren?

Dennis Gerlitzki: Es ist prinzipiell schwieriger, Zeitarbeitnehmer emotional zu binden, da wir sie nicht täglich sehen. Deshalb achten wir darauf, dass unsere Personalberater mit den Zeitarbeitnehmern regelmäßig in Kontakt bleiben, telefonisch und durch Besuche vor Ort im Kundenunternehmen. Unsere Zeitarbeitnehmer sind für diese Betreuung gerade zu Beginn sehr dankbar, was ihre Loyalität uns gegenüber fördert. Außerdem wissen sie, dass sie womöglich ohne uns ihren Job nicht bekommen hätten – auch das schafft eine emotionale Bindung. Wie in jeder Partnerschaft ist es aber mit einem einmaligen positiven Erlebnis nicht getan. Deshalb laden wir unsere Zeitarbeitnehmer zu Veranstaltungen wie Firmenläufen, Sommerfesten und Weihnachtsfeiern ein, um auch dort den Austausch zu suchen.

 

Haufe Online-Redaktion: Ist eine solche Arbeitsbeziehung wirklich stabil?

Gerlitzki: Ob vermittelte Kandidaten vielleicht nach fünf oder zehn Jahren einen Berufswechsel wieder anstreben, sich weiterbilden möchten oder Fragen zur Karriere haben – wir helfen ihnen ein Berufsleben lang gerne weiter und schaffen hierbei und durch die positiven Erinnerungen an unsere Vermittlung eine emotionale Bindung, auch über das bestehende Arbeitsverhältnis hinaus. Während der Einsatzzeit oder nach einer Übernahme durch ein Kundenunternehmen empfehlen sie uns oft an ihre Freunde und Bekannte weiter. Das ist Bestätigung genug für uns, dass die emotionale Bindung auf lange Sicht bestehen bleibt.

 

Haufe Online-Redaktion: Wie läuft das Onboarding bei Amadeus Fire ab?

Gerlitzki: Nachdem der Arbeitsvertrag unterschrieben ist, erklären unsere Ansprechpartner im persönlichen Gespräch Details zum Einsatz, beispielsweise zu Zeitnachweisen, Arbeitsverhinderung, zum Tarifvertrag und zu den Vorteilen als Zeitarbeitnehmer bei Amadeus Fire. Andere Themen sind betriebliche Altersvorsorge, Weiterbildungsmöglichkeiten oder auch Zuschüsse zum Fitness-Studio-Beitrag. Im Anschluss erhalten unsere Zeitarbeitnehmer eine Mitarbeitermappe mit weiterführenden Informationen, einen Extranet-Zugang und eine E-Mail, die alles Wichtige rund um den Zeitarbeitseinsatz, wie Ansprechpartner im Kundenunternehmen, Antrittsdatum und -ort sowie Ablauf, komprimiert. Zudem besuchen unsere Personalberater die Zeitarbeitnehmer innerhalb der ersten 14 Tage im Einsatzunternehmen und schauen nach dem Rechten.

 

Haufe Online-Redaktion: Wie halten Sie nach dem Onboarding-Prozess Kontakt zu Ihren Mitarbeitern, während diese im Kundeneinsatz sind?

Gerlitzki: Unsere persönlichen Ansprechpartner stehen jederzeit für Karrierefragen zur Verfügung und coachen unsere Zeitarbeitnehmer auch bei Bedarf. Wir führen persönliche Feedbackgespräche turnusmäßig, bei Bedarf und immer nach dem Zeitarbeitseinsatz. In regelmäßigen Abständen verschicken wir per Post, Extranet und durch soziale Netzwerke Informationen zu wichtigen Neuerungen und sonstige Hinweise zu unseren Weiterbildungen sowie Karrieretipps. Um die Zufriedenheit unserer Zeitarbeitnehmer zu steigern, führen wir jährlich eine anonyme Mitarbeiterbefragung sowie nach Beendigung des Kundeneinsatzes eine sogenannte Einsatzbeurteilung durch und optimieren anhand des Feedbacks unsere Abläufe.

 

Haufe Online-Redaktion: Neuer Zeitarbeitseinsatz, neues Glück: Was tun Sie, wenn sich Mitarbeiter in ein Kundenunternehmen "verlieben" und zu ihm wechseln wollen?

Gerlitzki: Wenn das Kundenunternehmen sich ebenfalls verliebt, dann freuen wir uns sehr mit unserem vermittelten Kandidaten und sagen beiden Seiten "Herzlichen Glückwunsch!" Denn unser Ziel und das unserer Zeitarbeitnehmer ist es, sie so schnell wie möglich in eine Festanstellung in Kundenunternehmen zu vermitteln. Unsere Zeitarbeitnehmer nutzen Amadeus Fire als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt. Klar, wir verlieren dadurch mit einem weinenden Auge Ressourcen im Zeitarbeitsbereich. Das lachende Auge, unser beidseitiges Ziel erreicht zu haben, ist allerdings viel wichtiger. Es spornt unsere Personalberater noch mehr an, wenn sie an persönlichen Erfolgsgeschichten mitschreiben. Aktuell wird fast jeder zweite Amadeus-FiRe-Zeitarbeitnehmer von Kundenunternehmen übernommen. Unsere Übernahmequote liegt bei circa 44 Prozent, der Branchendurchschnitt bei etwa 20 Prozent. Unsere Zeitarbeitnehmer sind durchschnittlich 13 Monate in Unternehmen eingesetzt, bevor sie oftmals direkt auf die Kundenseite wechseln. Nach einer Vermittlung bleiben wir gerne mit unseren ehemaligen Zeitarbeitnehmern als Berufslebenspartner in Kontakt und stehen für Karrierefragen jederzeit wieder zur Verfügung.

Das Interview führte Christoph Stehr.

 

Weitere Informationen zum Thema Onboarding:

Kontaktmöglichkeiten zwischen Vertragsunterzeichnung und erstem Arbeitstag (Kostenlose Checkliste zum Download)

 

Schlagworte zum Thema:  OnBoarding, Zeitarbeit, Mitarbeiterbindung, Recruiting, Auszubildende

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