17.05.2016 | Serie Onboarding

Wie integriert man... Kreative?

Serienelemente
Melina Paric ist Senior Talent Manager der Geometry Global GmbH in Hamburg.
Bild: Geometry Global GmbH, Hamburg

Die Werbewelt lebt davon, dass ihre Mitarbeiter vor Ideen sprudeln. Wer viele Ideen hat, hat auch einen eigenen Kopf. Melina Paric steuert das Onboarding dieser Klientel am größten Standort der Agentur Geometry Global in Hamburg. Die Agentur hat außerdem Büros in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt.

Haufe Online-Redaktion: Jeder Kreative tickt anders, sagt man. Lassen sich solche Mitarbeiter nach Ihren Erfahrungen mit einem Onboarding-Programm einfangen, das für alle Neueinsteiger gleich ist?

Melina Paric: Beim Onboarding-Prozess geht es meines Erachtens neben dem Vermitteln relevanter Informationen wie Arbeitszeiten oder Stundenerfassung besonders um die Unternehmenskultur. Jeder neue Mitarbeiter, egal ob aus der Kreation oder der Beratung, sollte wissen, wie die Agentur tickt und wofür sie steht. Ergo gilt: Einige Informationen sind für alle Pflicht, aber es gibt natürlich auch Informationen, die nicht für jeden Mitarbeiter relevant sind. So muss ein Kreativer beispielsweise nicht wissen, wie man einen Kostenvoranschlag schreibt. Er würde sich bei diesem Teil des Onboarding vielleicht langweilen. In diesem Sinne sollten Unternehmen auf individuelle Bedürfnisse eingehen statt alle Neueinsteiger über einen Kamm zu scheren.

 

Haufe Online-Redaktion: Wie sehen Kür und Pflicht des Onboarding bei Geometry Global aus?

Paric: Um ehrlich zu sein, ist unser Onboarding-Programm in Deutschland noch ausbaufähig. Wir sind im vergangenen Jahr an einigen Standorten sehr stark gewachsen. Vor diesem Wachstum konnten wir uns darauf verlassen, dass eine strukturierte Einarbeitung innerhalb der Teams geleistet wird. Nun sind wir an einem Punkt, an dem wir Prozesse nachziehen müssen, da es ohne nicht mehr funktioniert. Daran arbeiten wir aktuell und justieren nach. Unser Ziel ist es, ein Pflichtprogramm zu etablieren, das aus einem Welcome Booklet und Kurzpräsentationen besteht. Die verschiedenen Module können dann je nach Schwerpunkt vertieft werden. Die Kür sieht auch ein Patenprogramm vor, bei dem jeder neue Mitarbeiter für die erste Zeit einen "alten Hasen" zur Seite gestellt bekommt.

 

Haufe Online-Redaktion: Wie lange brauchen Sie, bis Sie wissen, ob ein neuer Mitarbeiter bleibt?

Paric: Ich glaube, dass man in den ersten drei Monaten sagen kann, ob und wie sich jemand im Team einlebt. Dafür gibt es dann auch das erste Feedbackgespräch – quasi zur Halbzeit der Probezeit, in dem wir dem neuen Kollegen signalisieren können, ob und in welchen Bereich er noch Nachholbedarf hat. Natürlich bietet dieses Gespräch auch dem Mitarbeiter die Möglichkeit, uns Verbesserungsvorschläge zu machen und darauf einzugehen, was ihm gefällt oder eben auch nicht gefällt.

 

Haufe Online-Redaktion: Was sind die kleinen "Stolperfallen" beim Onboarding?

Paric: Durch unser weltweites Agenturnetzwerk haben wir oft die Möglichkeit, jemanden aus einem internationalen Standort anzuheuern. Das hat natürlich den Vorteil, dass derjenige bereits mit unserer Agenturkultur und Arbeitsweise vertraut ist. Entsprechend einfach ist das Onboarding. Allerdings treffen dadurch auch internationale Kulturen aufeinander. Wir mussten beispielsweise erst lernen, unsere internationalen Kollegen vorab über die Umstellung der Sommer- und Winterzeit zu informieren – dies sorgte anfangs für Verwirrung. Oder auch Feiertage wie der 3. Oktober, an dem in Deutschland bekanntlich nicht gearbeitet werden muss, in anderen Ländern hingegen schon, sorgen für ein gewisses Erstaunen.

 

Haufe Online-Redaktion: Was tun Sie, damit Querdenker zu einem Team werden?

Paric: Das kommt auf die Definition des Wortes Querdenker an – die Fragestellung lässt etwas Negatives vermuten. Dem würde ich spontan widersprechen, weil ich Querdenken gerade in einem kreativen Umfeld für eine wertvolle Ressource halte. Ein wichtiges Credo bei uns ist Respekt voreinander. Jeder bei uns weiß, was der andere leistet, und hat Verständnis für die Eigenheiten des anderen. Aber wenn ein Team aus vielen "Querdenkern" eine Problemstellung von allen Seiten beleuchtet, jeder seine Gedanken einbringen kann, dann findet das Team gemeinsam eine Lösung und jeder hat seinen Beitrag geleistet. Das macht uns aus, jeder gibt im Sinne des Teams sein Bestes.

Das Interview führte Christoph Stehr.

 

Weitere Informationen zum Thema Onboarding:

Tipps zum Aufbau einer eigenen Onboarding-Plattform (Kostenloser Leitfaden zum Download)

 

Schlagworte zum Thema:  OnBoarding, Mitarbeiterbindung, Recruiting, Auszubildende

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