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Banker verfasst Praktikanten-Gebote – und wird gefeuert

"Bringt ein Kissen mit": Das war einer der Tipps, die ein US-Banker einer Gruppe Neu-Praktikanten zumailte.
Bild: elektraVision AG

Zurzeit kursiert im Netz eine Mail, die ein US-Banker seinen neuen Praktikanten geschickt hat – mit zehn knallharten Arbeitsregeln. Unklar ist, wie ernst der Absender diese gemeint hat. Sein Arbeitgeber konnte jedenfalls nicht darüber lachen: Der Banker wurde Berichten zufolge gefeuert.

"Willkommen an der Macht!": Mit diesen Worten beginnt die E-Mail, die der US-Banker Justin Kwan einer Gruppe von Praktikanten an ihrem ersten Arbeitstag an der Wall Street geschickt hat. Kwan arbeitet am US-Standort der britischen Barclays Bank in New York. Jeden Sommer kommen Praktikanten in die Investmentbank, die dort in ihren Semesterferien praktische Erfahrungen sammeln sollen.

Praktikanten sollen als letzte nach Hause gehen

Pünktlich zum Start der aktuellen Praktikumsrunde erhielten diese Kwans E-Mail mit der Betreffzeile "Willkommen im Dschungel", wie das "Wall Street Journal" in seiner Online-Ausgabe berichtet. Darin listet der Banker die zehn "Macht-Regeln" auf, die den Studenten den Übergang in den Job erleichtern und manchen von ihnen zu einer Festanstellung verhelfen sollen.

Die Betreffzeile lässt erahnen, dass der Weg dorthin kein Zuckerschlecken ist. "Wir erwarten, dass Ihr die letzten seid, die abends nach Hause gehen", lautet einer der Tipps, die Kwan den Neuankömmlingen gibt. Auch morgens früher da zu sein als er selbst, hält der Banker für eine geschickte Idee. Freitags bräuchten die Praktikanten zwar erst um 9:15 Uhr zu starten, aber sie sollten sich daran besser nicht gewöhnen.

Bequemer unter dem Schreibtisch schlafen

Lange Arbeitszeiten lassen sich auch aus einer anderen Regel schließen: "Ich empfehle Euch, ein Kissen (oder eine Yogamatte) mitzubringen. Im sehr wahrscheinlichen Falls, dass Ihr unter Eurem Schreibtisch schlafen müsst, schläft man damit deutlich bequemer", schreibt der Banker.

Auch beim Thema "Dresscode" gibt es offenbar harte Regeln: "In unserer Gruppe kleiden wir uns konservativ", so Kwan. An anderer Stelle konkretisiert er, was das bedeutet: "Zieht bei der Arbeit nie die Jacke aus. Das hier ist eine Investmentbank. Andere Arbeitgeber mögen liberaler sein, wenn es um Kleidung geht – wir sind das leider nicht." Immerhin wird den jungen Leuten zugestanden, dass sie im Sommer keine Socken in den Schuhen tragen müssen.

Praktikanten-Krawatte als Chef-Serviette

Aus Kwans Ausführungen können die Praktikanten ebenfalls herauslesen, auf was sie sich in puncto Führungskultur einstellen sollten: "Bringt immer eine zusätzliche Krawatte oder ein zusätzliches Tuch mit – für den Fall, dass Euer Vorgesetzter eine Serviette braucht."

Zumindest diese Übertreibung legt nahe, dass Kwan seine "Regeln" nicht hundertprozentig ernst gemeint hat. Allerdings sind Investmentbanken nicht erst seit der Debatte um den Tod eines deutschen Praktikanten, der bei einer Londoner Investmentbank nächtelang durchgearbeitet haben soll, kaum für ihre arbeitnehmerfreundlichen Arbeitszeiten bekannt. Zudem gehört eine Mail mit solch speziellem Humor wohl nicht zu den sinnvollsten Instrumenten im Onboarding-Prozess.

Banker verliert wohl gleich zwei Jobs

So oder so: Kwans Arbeitgeber Barclays konnte offenbar nicht über die E-Mail lachen – nach Informationen des Manager Magazins muss sich der Banker nach einem neuen Job umsehen. Das US-Magazin Gawker schreibt, die E-Mail habe Kwan sogar zwei Jobs gekostet: Er habe schon einen neuen Job in Aussicht gehabt – doch das Angebot wurde infolge des Mail-Skandälchens zurückgezogen.

Den Wortlaut der E-Mail finden Sie im Blog des Wall Street Journal.


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Haufe Online Redaktion

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