25.04.2016 | Serie Onboarding

Wie integriert man... Azubis?

Serienelemente
Nicole Kobjoll, Mitinhaberin des Hotel Schindlerhof.
Bild: Hotel Schindlerhof

"Vom ersten Tag an sind unsere Azubis ein fester und wichtiger Baustein der Seele im Schindlerhof", sagt Nicole Kobjoll. Die Mitinhaberin und Gründertochter des mehrfach für seine Unternehmenskultur ausgezeichneten Hotels widmet sich intensiv dem Onboarding der rund 20 Auszubildenden.

Haufe Online-Redaktion: Frau Kobjoll, Sie stellen regelmäßig Auszubildende im Hotel- und Restaurantfach ein. Worauf achten Sie bei Bewerbern besonders?

Nicole Kobjoll: Bei Azubis achten wir besonders darauf, warum sie sich für das Hotel- und Restaurantfach entscheiden. Die Vorstellung von unserer Branche weicht oft von der Realität ab. Natürlich fragen wir Bewerber, ob sie sich bewusst sind, dass wir sehr „untypische“ Arbeitszeiten haben, etwa an Weihnachten oder Silvester. Das ist häufig ein Kriterium, warum sich Bewerber dann doch gegen unsere Branche entscheiden. Wir erwarten außerdem, dass die Eltern hinter der Ausbildung stehen und ihre Kinder unterstützen. Das ist bei jungen Menschen ganz, ganz wichtig. Am meisten achten wir jedoch darauf, dass sie wirklich ins Team passen. Deshalb schnuppern alle Bewerber mindestens drei Tage lang bei uns im Betrieb. In Bayern nennt sich das offiziell „Einfühlungsverhältnis“. Das Team entscheidet dann mit, wer engagiert wird. Das Team hat immer den besten Riecher! In dieser Zeit kann sich aber auch der Bewerber überlegen, ob er sich bei uns wohlfühlt.

Haufe Online-Redaktion: Der Schindlerhof ist mehrfach für seine Unternehmenskultur ausgezeichnet worden. Beispielsweise wollen Sie die Mitarbeiter für „Mitdenke, Mitsprache, Mitplanung“ gewinnen. Wie bringen Sie das Ihren Azubis bei?

Kobjoll: Die Einarbeitungszeit bei Azubis ist intensiv. Der erste Tag dient der Einführung in den Schindlerhof. Wir erläutern unsere Unternehmenskultur, unsere Spielkultur, wir erklären, wie sie unseren Erfolgsspiegel lesen und interpretieren und vor allem, warum wir die totale Transparenz leben. Ein Mitarbeiter, der keine Information hat, kann auch keine Verantwortung übernehmen. Ein Mitarbeiter dagegen, der volle Information erhält, kommt nicht umhin, mitzudenken und mitzugestalten. Dies ermöglicht ihm, zum „Mitunternehmer“ zu werden. Und das ist genau das, was wir erreichen wollen. Unsere Azubis haben Paten, die ihnen jederzeit zur Seite stehen, nämlich die Teamleader, die unsere Kultur vorleben.

Haufe Online-Redaktion: Mit „Erfolgsspiegel“ meinen Sie den monatlichen „Mitarbeiterindex“, der jedem Mitarbeiter einen persönlichen „Aktienkurs“ zuweist und so zur Selbsteinschätzung und Selbstmotivation beiträgt. Ist das für junge Menschen nicht ein bisschen "verkopft"?

Kobjoll: Nein, junge Menschen verstehen das sehr schnell! Hintergrund für den Mitarbeiterindex MAX ist ein Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Er hat einmal gesagt: „Die Arbeit des Einzelnen an sich selbst verändert unbewusst ausstrahlend die ganze Gesellschaft“. Zusätzlich ist MAX ein wunderbares Tool für Feedback. Die Mitarbeiter können selbst in den Spiegel sehen, um zu überlegen, wie sie im vergangenen Monat performt haben. Deswegen haben wir im Team 23 „Zutaten“ entwickelt, die jeder von uns einmal im Monat anschaut – die Unternehmensführung inklusive. Das Ziel ist, selbst zu beurteilen und zu wissen, wo man steht, um die eigene Weiterentwicklung nie aus dem Auge zu verlieren. Zum MAX gibt es übrigens auch ein eigenes Seminar in der Schindlerhof-Akademie. Ein klassisches Mitarbeitergespräch führen wir mit den Azubis jeweils beim Wechsel des Leistungsbereichs. Das ist nicht allzu oft, aber häufiger ist es zeitlich schwer machbar.

Haufe Online-Redaktion: Wie bringen Sie sich persönlich in den Onboarding-Prozess ein?

Kobjoll: Die Azubis können immer und jederzeit die Unternehmensführung direkt ansprechen. Meine Bürotür ist stets offen – es sei denn, ich führe wirklich ein ganz vertrauliches Gespräch. Und immer am 1. September des Jahres – das ist der Starttermin für die Azubis im Schindlerhof – stehe ich ihnen den ganzen Tag zur Verfügung. Ich erkläre ihnen das Leben und Arbeiten im Schindlerhof – mit unserer Philosophie und allem, was dazu gehört.

Haufe Online-Redaktion: Bestehen noch Kontakte zu Azubis aus den Anfangsjahren des Schindlerhofs?

Kobjoll: Ja, dank Facebook sind wir noch mit sehr vielen „alten“ Azubis in Kontakt. Ein wunderbares Beispiel ist dieses: Caroline Deeg hat 1991 im Alter von 17 Jahren ihre Ausbildung im Schindlerhof begonnen. Anschließend blieb sie erst einmal bei uns. Dann sammelte sie kurz Erfahrungen in anderen Unternehmen, kam aber schnell zurück und übernahm Führungspositionen, zuerst als stellvertretende Hotelleiterin, später als Hotelleiterin. Nach insgesamt 15 Jahren im Schindlerhof reichte sie ihre Kündigung ein. Es war die schönste Kündigung, die ich je gelesen habe. Sie schrieb: „Ich kann meinen Text fast auswendig, das Lampenfieber ist verflogen, und es wird Zeit, dass ich eine neue Herausforderung auf einer anderen Bühne suche.“ Wir haben eine tolle Abschiedsparty für sie geschmissen. Caro ging zu einer Systemgastronomie-Kette, erst in Deutschland, bevor sie das Geschäft in Österreich aufbaute. Sie hatte alles, wovon man träumen kann, Wohnungen in Wien, Salzburg, einen Porsche als Firmenwagen. Trotzdem hat sie sich zurück in den Schindlerhof gesehnt. Im Herbst 2015 war sie so weit zu fragen, ob sie nicht zurückkehren könne. Eine Führungsposition hatten wir gerade nicht frei. Sie meinte, dass sie auch keine brauche, sie wolle einfach zurück. Deshalb bekam sie zunächst einen Vertrag als Tagungsassistentin. Wie es aber der Zufall wollte, fiel unsere damalige Hotelleiterin aus, und wir waren glücklich, mit Caro weiterarbeiten zu können. An Ihrem „ersten neuen“ Arbeitstag im Schindlerhof, dem 1. Februar 2016, war sie dann doch Hotelleiterin.

Haufe Online-Redaktion: Wie eng versuchen Sie, Ihre Azubis ans Unternehmen zu binden?

Kobjoll: Grundsätzlich legen wir großen Wert auf „Homegrown Management“, weil es für uns sehr viel wert ist, dass die Führung unsere Unternehmenskultur versteht und verinnerlicht. Das ist wichtiger als reines Fachwissen aus fremden Betrieben mitzubringen. Deshalb sehen wir unsere Azubis von heute als unsere Führungskräfte von morgen. Vom ersten Tag an sind sie ein fester und wichtiger Baustein der Seele im Schindlerhof.

Das Interview führte Christoph Stehr.

Info: Das von Klaus und Renate Kobjoll gegründete Hotel Schindlerhof wurde mehrfach für seine Unternehmenskultur ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Ludwig-Erhard-Preis, Great Place to Work und European Quality Award.

 

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Schlagworte zum Thema:  OnBoarding, Auszubildende, Recruiting, Mitarbeiterbindung, Candidate Experience

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