14.12.2015 | Serie HR-Trends 2016

New Work: Mehr Wunsch als Wirklichkeit

Serienelemente
New Work: Schon länger ein Trend, doch immer noch nicht in der Praxis angekommen.
Bild: Haufe Online Redaktion

New Work – unter diesem Begriff fasste der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann Anfang der achtziger Jahre seine Utopie einer neuen Arbeitswelt zusammen. Wie weit New Work 2016 in der Praxis angekommen ist, wurde nun mit einer Studie untersucht.

Das Schlagwort „New Work“ dient heute oft als Sammelbegriff für alles und jedes, was irgendwie „hip“ ist und der Welt der Start-ups zugerechnet wird. Tatsächlich aber hat die Idee von New Work ihren Ursprung schon vor mehr als 30 Jahren. Der Begriff geht zurück auf den Sozialphilosophen Frithjof Bergmann. Für ihn heißt Arbeit, die eigene Kreativität und Persönlichkeit zu entfalten – und sich damit auch aus der Lohnarbeit zu befreien.  Seine zentralen Werte sind Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an Gemeinschaft. New Work bedeutet, dass diese Werte in der Arbeit und für jeden Mitarbeiter freigesetzt werden.

Umsetzung von zwölf New-Work-Instrumenten untersucht

„Sich auflösende Organisationsgrenzen, offene Netzwerkstrukturen, projektbasierte Arbeitsverhältnisse, kundenorientierte Innovationszyklen: Ohne daraufhin abgestimmte New-Work-Instrumente, die die individuelle Persönlichkeit des Mitarbeiters berücksichtigen, können Unternehmen den Herausforderungen, die die Zukunft der Arbeitswelt an sie stellt, nicht begegnen“, ist Benedikt Hackl, Professor für Unternehmensführung und Personal von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg  (DHBW) und Leiter des Institutes HR-Impulsgeber überzeugt. Daher hat er gemeinsam mit der Managementberatung Detecon untersucht, wie weit New Work in der Wirklichkeit angekommen ist.

Dabei wurden unter anderem Wunsch und tatsächlicher Stand der Umsetzung von zwölf verschiedenen New-Work-Instrumenten erhoben. Befragt wurden branchenübergreifend insgesamt 128 Mitarbeiter und Führungskräfte. Die Befragten wurden gebeten, auf einer Skala zwischen 0 und 4 die Wichtigkeit und den Einführungsstand einzuschätzen.

Nur flexible Arbeitszeiten haben sich durchgesetzt

Lediglich die flexiblen Arbeitszeiten sind mit einer durchschnittlichen Bewertung des Einführungsstandes mit 2,95 weitestgehend umgesetzt oder zumindest in der Einführung. Kaum umgesetzt werden dagegen Instrumente wie „flexibler Wechsel zwischen Führungs- und Fachkarriere“ (1,55), „Creative Workspaces“ (1,55), „Teil der Arbeitszeit für kreative, eigene Projekte“ (1,73) und „Job Rotation“ (1,78). 

Selbstbestimmte Projektarbeit und demokratische Führungskultur noch Wunschdenken

Besonders starke Differenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit bestehen hinsichtlich der Maßnahmen „Mitarbeiterbeteiligung an der Strategieentwicklung“, „Arbeitszeit für selbstbestimmte Projektarbeit“ und „flexibler Wechsel zwischen Führungs- und Fachkarrieren“. Auch eine „moderne, demokratische Führungskultur“ und „schnelle Entscheidungsprozesse“ in vielen Unternehmen noch Wunschdenken. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmens- und Personalverantwortlichen das Kreativitätspotenzial der eigenen Mitarbeiter noch längst nicht konsequent ausschöpfen“, sagt Marc Wagner, Partner bei Detecon. Ein Aufgabenfeld also, an dem HR 2016 arbeiten sollte. Beispiele von Unternehmen, die heute New Work schon überzeugend in der Praxis leben, hat das Personalmagazin in Ausgabe 7/2015 vorgestellt. Sie können die Ausgabe hier als App herunterladen.

 

 

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