10.11.2016 | Top-Thema Mobile Recruiting

"Die Bewerber geben beim Mobile Recruiting die Richtung vor"

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Dr. Sebastian Dettmers ist seit Juli 2011 Geschäftsführer von Stepstone.de.
Bild: Stepstone

Mobile Recruiting wird die Bewerbungsprozesse grundlegend verändern. Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von Stepstone.de, erläutert die aktuellen Entwicklungen auf Bewerber- und Unternehmensseite und wirft einen Blick in die Zukunft der Mitarbeiterrekrutierung.

Haufe Online-Redaktion: Herr Dettmers, die mobilen Zugriffe auf Stellenanzeigen sind hoch und steigen weiter. Aber wird sich auch die mobile Bewerbung flächendeckend durchsetzen?

Sebastian Dettmers: Die mobile Bewerbung wird sich flächendeckend durchsetzen. Sie wird die Bewerbung am Desktop-PC aber nicht ersetzen, sondern ergänzen. Viele Fachkräfte, die ohnehin am PC arbeiten, werden sich auch in Zukunft auf diesem Weg bewerben. Sie werden künftig aber auch bei der PC-Bewerbung schnelle und individualisierte Angebote erwarten.

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Durch den Mobile-Trend ändern sich Nutzungsgewohnheiten und Erwartungshaltungen. Diese Erwartungen gelten dann auch für den Bewerbungsprozess – auf allen Kanälen.

Haufe Online-Redaktion: Wie hat sich die Haltung der Bewerber zu Mobile Recruiting und speziell zur mobilen Bewerbung verändert?

Dettmers: Bewerber wünschen sich in erster Linie einfache und komfortable Abläufe. Das gilt ganz unabhängig vom Endgerät. Sie sind aus anderen Lebensbereichen wie dem Online-Shopping daran gewöhnt, Angelegenheiten schnell und ortsunabhängig zu erledigen und Bedürfnisse sofort befriedigen zu können. Auch über einen Arbeitgeber wollen sie sich jederzeit und überall informieren. Wenn sie Rückfragen zu einer Stellenanzeige haben, möchten sie sie unmittelbar stellen und erwarten zeitnahes Feedback. Und natürlich wollen sie sich dann auch direkt mobil bewerben können.

Haufe Online-Redaktion: Gibt es hierfür auch aktuelle Zahlen?

Dettmers: Laut StepStone Trendstudie 2016 glaubt jede zweite Fachkraft, dass die mobile Bewerbung den Recruitingprozess beschleunigt und persönlicher werden lässt. 41 Prozent sehen von einer Bewerbung ab, wenn der Prozess zu kompliziert ist.

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Die Toleranz für nicht mobil optimierte Stellenanzeigen und Websites ist gesunken und wird weiter sinken. Stoßen Kandidaten im Bewerbungsprozess auf Hürden, brechen sie den Vorgang ab und gehen dem Unternehmen möglicherweise als Bewerber verloren.

Haufe Online-Redaktion: Welche Entwicklungen auf Bewerberseite erwarten Sie für die Zukunft?

Dettmers: Bewerber werden bereits im Vorfeld mehr über das Unternehmen wissen wollen, bei dem sie sich bewerben. Welche Unternehmenskultur pflegt es? Fühlen sich die Mitarbeiter dort wohl? Wie flexibel können sie arbeiten? Der Bewerbungsprozess wird dialogischer werden. Bewerber wollen die Möglichkeit haben, per Smartphone direkt nachzufragen und ihr Interesse zu signalisieren. Lösungen wie der Job Messenger ermöglichen schon jetzt einen Dialog in Echtzeit. Das klassische Anschreiben wird wegfallen oder durch ein Kurzanschreiben ersetzt. Zeugnisse und andere Anhänge werden erst im zweiten Schritt mitgeschickt. Immer weniger Bewerber werden bereit sein, sich durch aufwändige Online-Formulare zu klicken.

Haufe Online-Redaktion: Wie hoch ist die Bereitschaft der Unternehmen, mobile Bewerbungsmöglichkeiten anzubieten?

Dettmers: Jedes Unternehmen wird bestätigen, dass es Bewerber auch mobil erreichen möchte. Auch Personalabteilungen wollen das. Leider sieht die Praxis zum Teil noch anders aus. Starre interne Softwaresysteme erlauben oft technisch keine Bewerbungen über das Smartphone. Viele dieser Systeme wurden eingeführt, als passende Kandidaten noch keine Mangelware waren und ein zehnseitiger Fragebogen von genügend Kandidaten ausgefüllt wurde. Heute müssen Bewerbungsprozesse schlanker werden und natürlich auch über mobile Endgeräte funktionieren.

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In den Personalabteilungen sitzen erfahrene Experten, die genau wissen, wie sie die raren Fachkräfte heute ansprechen müssten, sie bekommen das aber technisch oft nicht schnell genug umgesetzt. Für Unternehmen, deren Bewerbermanagementsystem noch nicht mobil zur Verfügung steht, gibt es daher kostenfreie Lösungen wie die 1-Click-Bewerbung.

Haufe Online-Redaktion: Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Haltung der Arbeitgeber zur mobilen Bewerbung verändern?

Dettmers: Die Bewerber geben die Richtung vor. In Berufsfeldern, in denen der Wettbewerb um die besten Talente zunimmt, wird sich die Haltung der Unternehmen an den Ansprüchen der Bewerber orientieren. Wer die Bedürfnisse seiner Zielgruppe am besten versteht, kann sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Haufe Online-Redaktion: Welche technologischen Entwicklungen sind zu erwarten, die es sowohl für Bewerber als auch für Arbeitgeber sinnvoll machen, die mobile Bewerbung zu nutzen?

Dettmers: Bewerbermanagementsysteme, die mobil übermittelte Daten automatisch ins eigene System einspeisen, werden die mobile Bewerbung vereinfachen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass aktuell nur vier von 30 DAX-Unternehmen eine vollständig mobile Bewerbung über ihr Bewerbermanagementsystem ermöglichen. Hier liegt derzeit noch eine große Hürde für die Akzeptanz mobiler Bewerbungen.

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Auf der anderen Seite können Personalverantwortliche es sich zumindest bei schwer zu besetzenden Stellen schon jetzt nicht mehr erlauben, stur auf das Ausfüllen von bis zu 60 Formularfeldern zu bestehen. Hier sollten sich Personaler schon heute flexibel zeigen und eine direkte Kontaktaufnahme oder einen Link zu einem Lebenslauf akzeptieren.

Haufe Online-Redaktion: Bekommen die Personaler durch eine One-Click-Bewerbung nicht zu wenige Informationen für eine sinnvolle Bewerberauswahl?

Dettmers: Wir werden uns auf unvollständigere Bewerbungsunterlagen einstellen müssen. Im Mittelpunkt der meisten One-Click-Bewerbungen steht aber immerhin ein Lebenslauf, der die wichtigsten Informationen für eine erste Einschätzung enthält. Letztlich spart die One-Click-Bewerbung auch den Personalern Zeit und Arbeit, weil sie sich im ersten Schritt auf das Wesentliche konzentrieren können.

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Das Anschreiben verliert an Bedeutung und Nachweise wie Zeugnisse können problemlos im nächsten Schritt angefragt und überprüft werden. Weitere wichtige Faktoren wie Auftreten und Persönlichkeit der Kandidaten können Recruiter dann im Telefoninterview oder einem persönlichen Gespräch herausfinden.


Dr. Sebastian Dettmers ist seit Juli 2011 Geschäftsführer von StepStone.de. Zuvor war er bei der Axel Springer SE tätig und beschäftigte sich unter anderem mit dem Aufbau des Digitalportfolios. 

 

Das Interview führte Daniela Furkel, Redaktion Personalmagazin.

Schlagworte zum Thema:  Mobile Recruiting, Recruiting

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